Forscherteam gewinnt mit Schnellnachweis eines natürlichen Bakterientoxins Otto-von-Guericke-Preis

Das Toxin Cereulid ist in vielen Lebensmitteln enthalten, ob im Haushalt oder industriell verarbeitet. Bei einer Vergiftung reichen die Symtome von akutem Erbrechen bis zu schwerwiegenden Erkrankungen, die in seltenen Fällen sogar tödlich verlaufen können. Cereulid wird durch das weltweit verbreitete Bodenbakterium Bacillus cereus gebildet, das von Natur aus damit auch in vielen Lebensmitteln vorhanden ist. Selbst bei sehr hohen Hygienestandards ist es oft unmöglich, eine Kontamination mit Bacillus cereus komplett zu vermeiden. Umso wichtiger ist es, der Bildung des Toxins im Lebensmittel vorzubeugen – und, sofern es zur Cereulid-Bildung kommt, das Toxin und dessen Varianten zügig und sicher quantitativ nachzuweisen und eine Risikoabschätzung zu leisten. Mit den Ergebnissen des IGF-Projektes dauert die präzise, quantitative Bestimmung von Cereulid in Lebensmitteln nun lediglich 45 Minuten, während der deutlich unpräzisere Cereulid-Nachweis mit den herkömmlichen mikrobiologischen Untersuchungen bislang erst nach ca. 60 Stunden verfügbar war.

Vor dem Hintergrund, dass die Anzahl von Cereulid-Lebensmittelvergiftungen seit einigen Jahren nachweisbar zunimmt, ist die Entwicklung und Einführung der sog. Cereulid-Tool-Box ein wichtiger Meilenstein für den vorbeugenden Verbraucherschutz – im Fall der Fälle ermöglicht sie überhaupt erst ein schnelles Eingreifen.
Die große Bedeutung des Themas spiegelt auch die Tatsache wider, dass die entwickelte Analytik inzwischen Basis für einen weltweit angewandten ISO-Standard zur Cereulid-Quantifizierung in Lebensmitteln ist. „Damit wird es zukünftig möglich sein, weltweit Cereulid-Vergiftungen zu verhindern“, betont die Lebensmittelmikrobiologin Ehling-Schulz.

Auch für die gesamte mittelständisch strukturierte Lebensmittelindustrie ist dies von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung, da Produktionsstopps, Entsorgungsmaßnahmen oder Rückrufaktionen deutlich reduziert werden können. Über den durch Bacillus cereus bundesweit entstehenden Schaden existieren keine gesicherten Zahlen – es ist jedoch von zweistelligen Millionenbeträgen pro Jahr allein in Deutschland auszugehen. Zuletzt musste im September 2016 mit Bacillus cereus kontaminierte H-Milch bundesweit aus den Supermärkten zurückgerufen werden. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen kann bereits ein einziger solcher Vorfall existenzbedrohend sein. Auch in der Futtermittel- und Pharmaindustrie sowie in der Humanmedizin wird die herausragende Diagnostik bereits genutzt. Das Marktpotential ist damit weitaus größer, als dies zu Beginn des Projektes absehbar war und reicht deutlich über die Lebensmittelindustrie hinaus.

Pressekontakt:
Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI)
Daniela Kinkel
Tel. +49 228 3079699-2
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