Forscher weisen „gebrochene Herzen“ nach

Etwa 2,5 Prozent der Menschen, die mit einem Herzinfarkt-Verdacht ins Krankenhaus kommen, leiden am „Syndrom des gebrochenen Herzens“. Doch es ist für den Notfallarzt schwierig, den Unterschied zwischen den beiden lebensbedrohlichen Erkrankungen festzustellen: Die Patienten haben die gleichen Symptome wie Brustschmerz und Luftnot und auch das EKG und bestimmte Biomarker sind gleich. Daher kann die korrekte Diagnose nur mittels Herzkatheteruntersuchung gestellt werden, wo sich – im Gegensatz zum Herzinfarkt – offene Herzkranzgefäße nachweisen lassen. Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des UniversitätsSpitals Zürich, Schweiz, haben nun herausgefunden, dass das „Syndrom des gebrochenen Herzens“ anhand von bestimmten mikroRNAs im Blut der Patienten erkannt werden kann. „Ein bestimmtes Muster aus vier mikroRNAs unterscheidet das Syndrom von einem Herzinfarkt“, sagt Professor Dr. Dr. Thomas Thum, Direktor des MHH-Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien (IMTTS). Sein Institut ist an der MHH sowohl in das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Transplantation (IFB-Tx) als auch in den Exzellenzcluster REBIRTH (Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie) eingebunden. Professor Thum führte die Studie gemeinsam mit Privatdozent Dr. Dr. Christian Templin vom UniversitätsSpital Zürich durch. Die Ergebnisse veröffentlichte die renommierte Fachzeitschrift European Heart Journal als Fasttrack-Publikation – die Herausgeber schreiben dem Projekt also eine besondere Wichtigkeit zu.

Beim „Syndrom des gebrochenen Herzens“ handelt es sich um eine Funktionsstörung des Herzmuskels, die auch „Takotsubo-Kardiomyopathie“ heißt. Der Name Takotsubo stammt von japanischen Tintenfischfallen, die so aussehen wie das Herz während der akuten Erkrankung. Die Störung tritt plötzlich ein – meist nach einer außerordentlichen emotionalen Belastung wie zum Beispiel dem Tod einer nahestehenden Person, Mobbing am Arbeitsplatz oder unerwarteten finanziellen Sorgen. Sie tritt zu 90 Prozent bei älteren Frauen auf – wohingegen ein Herzinfarkt zu 70 Prozent ältere Männer betrifft.

In den ersten Stunden sind beide Erkrankungen gleich gefährlich und es kommt häufig zu ernsten und auch lebensbedrohlichen Komplikationen. Vier bis fünf Prozent der Patienten, die mit entsprechenden Symptomen ins Krankenhaus kommen, sterben. Der Unterschied zeigt sich jedoch nach der akuten Phase: Beim „Syndrom des gebrochenen Herzens“ erholt sich die Pumpfunktion des Herzens meist wieder vollständig und nach ein paar Wochen funktioniert der Herzmuskel in der Regel wieder normal. Beim Herzinfarkt entstehen jedoch Narben, die dauerhaft bleiben und das Pumpen beeinträchtigen können.

Privatdozent Dr. Dr. Christian Templin leitet das größte Register für diese Erkrankung (www.takotsubo-registry.com). Dort sind mehr als 20 Zentren aus sieben Ländern vertreten, auch die MHH, und 1.100 Patienten sind registriert. „Weitere Studien mit mehr Patienten müssen die Ergebnisse nun bestätigen und Nachweisverfahren für die mikroRNAs müssen schneller werden“, beschreibt Professor Thum. Die Forscher erwarten, dass der Nachweis in ein paar Jahren in Kliniken verfügbar sein wird. Erstautoren der Studie sind Julia Osipova, MHH, und Dr. Milosz Jaguszewski, UniversitätsSpital Zürich.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Dr. Thomas Thum, Telefon (0511) 532-5272, thum.thomas@mh-hannover.de oder Privatdozent Dr. Dr. Christian Templin, Telefon +41(0)044 255-9585, christian.templin@usz.ch.

Die Originalpublikation steht im Internet unter http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/early/2013/09/16/eurheartj.eht392.abstract

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