Forscher untersuchen biologische Wirkung von Gesprächen im Gehirn

Welches Psychotherapieverfahren hilft wem? Wie wirkt Psychotherapie im Gehirn, was lässt sich auf molekularer Ebene ablesen? „Wir sind auf der Suche nach Biomarkern, die es uns beim individuellen Patienten möglich machen, im Vorfeld den Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung zu beurteilen. So sollen unnötige und langwierige Therapieversuche vermieden werden“, erklärt Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik am Max-Planck-Institut für Psychiatrie sowie Leiter des neuen Forschungsbereiches „Molekulare Neuropsychotherapie“.

„Bis in die Zellen hinein können wir die Wirkung einer Psychotherapie sehen“, informiert Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Um die biologischen Effekte psychotherapeutischer Verfahren nachzuweisen, startet das Max-Planck-Institut für Psychiatrie 2017 eine groß angelegte Studie. Sie steht für den neuen Schwerpunkt der Psychotherapieforschung in der Klinik des Instituts. „Uns interessiert besonders das Zusammenspiel von Umwelt und Genen. Was epigenetisch, also an dieser Schnittstelle, passiert und welche Folgen das hat, soll uns Aufschluss über die Anwendung der Therapien geben“, erläutert die Ärztin und Forscherin Binder.

Die Studie wird aber nicht nur den biologischen Aspekten nachgehen, sondern soll auch dem Vergleich zweier psychotherapeutischer Verfahren dienen: Psychotherapeuten werden depressive Patienten entweder mit der etablierten Kognitiven Verhaltenstherapie oder mit der neueren Schematherapie behandeln. Bei diesem Verfahren nutzen die Therapeuten Elemente aus verschiedenen Methoden wie der Kognitiven Verhaltenstherapie, der Gestalt- oder Hypnotherapie und kombinieren sie individuell nach den Bedürfnissen des Patienten. „Wir erhoffen uns, mit den Resultaten der Studie genauer vorhersagen zu können, welche depressiven Patienten besonders gut und langfristig von welchen Therapietechniken profitieren“, erläutert Samy Egli, leitender Psychologe der Klinik am Max-Planck-Institut für Psychiatrie. – Doch vorher haben Forscher, Mediziner und Psychologen unter der Studienkoordination von Petra Zimmermann am Max-Planck-Institut viel zu tun, um die umfangreiche Studie vorzubereiten.

Psychologie und Psychiatrie ergänzen sich nicht nur immer stärker, sie stellen sich auch immer mehr den Ansprüchen der jeweils anderen Disziplin. In der Titelstory des aktuellen Magazins „Doctor“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ geht es um die biologische Wirkung von Psychotherapie. Gesprochen hat die Autorin unter anderen mit den Experten des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie.

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