Forscher reflektieren mit Schülern ethische Fragen von Gene Editing

In den vergangenen Jahren sind neue Techniken entwickelt worden, die im Vergleich zu bislang verwendeten Methoden einfach und preiswert tiefgreifende Veränderungen des Genoms ermöglichen. Mit dem Verfahren „CRISPR/Cas9“ existiert beispielsweise ein universelles Werkzeug, das sehr präzise Eingriffe in das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen ermöglicht. Grundlage ist ein Mechanismus, mit dem sich Bakterien gegen Viren verteidigen. Sie nutzen dabei ein Molekül, welches von Viren eingeschleuste Gene wie eine Schere zerschneidet. Mit einer Weiterentwicklung dieses Prinzips lässt sich die Gen-Schere so gestalten, dass sie einen vorher festgelegten Abschnitt der DNA aufsucht, andockt und ein Stück herausschneidet oder auch ergänzt.

Die vergleichsweise leichte Umsetzung solcher Methoden wirft viele grundlegende ethische, politische und rechtliche Fragen zu Chancen und Gefahren auf: Darf das sogenannte Gene Editing zur Therapie von genetisch bedingten Krankheiten verwendet werden und welche Risiken ergeben sich daraus? Ist auch der Einsatz für eine positive Eugenik, also die Verbesserung des individuellen Genoms, eine Option? Welches Menschenbild entsteht durch die Vision des Gene Editing? „Schülerinnen und Schüler sind die Vertreter der jungen Generation, die in Zukunft mit den Ergebnissen der heutigen Forschung konfrontiert sein wird. Deshalb sind sie unsere primäre Zielgruppe“, erläutert Projektmitarbeiterin Dr. Kristina Klitzke. Im Verlauf der Kooperation mit dem P-Seminar von Dr. Katrin Pesch im Fach Biologie haben die Schülerinnen und Schüler dabei Gelegenheit, unmittelbar ins Gespräch mit Wissenschaftlern aus Forschungsfeldern zu kommen, in denen Gene Editing möglich ist bzw. experimentell schon Anwendung findet – wie etwa vor kurzem bei einem Besuch des Münchner Helmholtz-Zentrums. Dazu setzen sie sich mit ethischen Positionen und Argumenten auseinander, um so Interviewfragen an die Wissenschaftler zu entwickeln. Im weiteren Verlauf werden die Schülerinnen und Schüler ein Memorandum formulieren, in dem sie ihre eigenen Positionen darlegen. Zum Abschluss organisieren sie dann selbst eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Wissenschaftler aus Naturwissenschaft und Ethik.

„Die Universität als externen Partner zu haben, ist eine einzigartige Möglichkeit dieses aktuelle Thema mit den Schülern sehr facettenreich zu erarbeiten, da sie so Kontakt zu Experten aufnehmen können, die sich mit den Implikationen dieser gesellschaftlich oft kritisch beäugten Entwicklung auseinandersetzen“, sagt Biologielehrerin Pesch. In der heutigen Zeit gehöre es zu den Schlüsselkompetenzen, sich auf Basis reflektierter Fakten eine fundierte Meinung zu bilden.

Profitieren sollen von dem Projekt nicht nur dessen Teilnehmer: Der Verlauf und die Ergebnisse werden nach Abschluss in Form von Unterrichtsmaterialien und einem Film aufbereitet werden.

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