Forscher fordern nationale Biobanken-Infrastrukturen

„Biobanken haben eine große Bedeutung, beispielsweise in der personalisierten Medizin: In der Krebstherapie basieren sämtliche molekulare Tests, mit denen die Wirksamkeit und Verträglichkeit gezielter Therapien vorab überprüft wird, um unnötige Behandlungen zu vermeiden, auf wissenschaftlichen Untersuchungen an Geweben aus Biobanken“, so der Pathologe Prof. Dr. Manfred Dietel (Charité Berlin).

Öffentliche Mittel bereitstellen

Gerade international wird der Bedeutung von Biobanken für die klinische Praxis, für die Entwicklung neuer Medikamente oder für die Gesundheitsökonomie bereits in großem Umfang Rechnung getragen. So werden in Schweden oder den Niederlanden, wie auch in zahlreichen anderen Ländern, mit öffentlichen Mitteln entsprechende nationale Infrastrukturen aufgebaut. Mit dem Blick nach Schweden hatte Dr. Mark Divers, Leiter der Biobank am Karolinska-Institut in Stockholm/Schweden, das 1. Nationale Biobanken-Symposium eröffnet, an dem am 12. Dezember 2012 in Berlin etwa 80 namhafte Biobankenforscher sowie Vertreter aus Ministerien und Politik teilgenommen haben.

Biomarker und Ringversuche für die Präanalytik

Ein sinnvolles Instrument für die Sicherung der Qualität der Biomaterialien, aber auch der Arbeitsprozesse über Projekte und Standorte hinweg könnten Ringversuche sein, wie sie in der Labormedizin schon seit vielen Jahren etabliert sind. Hier ließe sich auch die Phase der Präanalytik – also die Entnahme, die Verarbeitung und der Transport der Bioproben vor der Einlagerung in der Biobank qualitätsorientiert dokumentieren und standardisieren. Sie müssten auf aussagekräftigen Biomarkern basieren, die durch eigene Biobanken-Forschungsprojekte zu identifizieren sind. Dies wäre ein wichtiger Beitrag für die evidenzbasierte Nutzung von Biobankmaterialien.

Standards für die Prozesse in den Biobanken harmonisieren

Die meisten Biobanken arbeiten nach hohen Qualitätsstandards. Standard Operating Procedures werden flächendeckend genutzt. Da die Biobanken sich aber untereinander immer stärker vernetzen, ist es notwendig, nun die Standards übergreifend zu harmonisieren und bei öffentlich geförderten Projekten verbindlich einzuführen. Für diesen Abstimmungsprozess in der Biobanken-Community ist die Begleitung und Unterstützung durch eine zentrale Plattform unabdingbar.

Das Herzstück einer zentralen Infrastruktur

Transparenz über die bestehenden Biobanken und dort gesammelte Materialien bietet das Deutsche Biobanken-Register, das als „Herzstück“ einer zentralen IT-Infrastruktur die Sichtbarkeit von Biobanken, Transparenz über den Einsatz von Fördermitteln herstellt und den Grundstein legt für die Harmonisierung von Qualitätskriterien und eine Ressourcen schonende Exzellenzforschung.

Derzeit unterstützt die TMF die Kooperation der führenden Biobankenforscher in Deutschland, so auch die beispielhafte Zusammenarbeit der zentralisierten Biobanken, die im Rahmen der nationalen Biobanken-Initiative seit 2010 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Hier zeigt sich, dass es möglich ist, Qualitätsstandards, IT-Strukturen oder Inhalte zur Patienteneinwilligung für Biobanken übergreifend zu harmonisieren.

Eine Community-Plattform für die Biobanken-Forschung

Mit dem Nationalen Biobanken-Symposium steht nun auch über alle Gruppierungen hinweg ein Forum zur Verfügung, um die wissenschaftlichen und infrastrukturellen Fragen auf nationaler Ebene zu diskutieren und abzustimmen. Das Nationale Biobanken-Symposium wird vom Deutschen Biobanken-Register ausgerichtet. Es fand in diesem Jahr erstmals statt und wird von nun an jährlich als zweitägiger wissenschaftlicher Kongress durchgeführt.

Das 2. Nationale Biobanken-Symposium wird am 11./12. Dezember 2013 in Berlin stattfinden.

Kontakt:

Ansprechpartner Thema Biobanken und Deutsches Biobanken-Register:
Sebastian C. Semler, Dr. Roman Siddiqui
Tel.: 030-31 01 19 73, E-Mail: info@biobanken.de

Ansprechpartner Medien:
Antje Schütt, Beate Achilles
Tel.: 030–31 01 19 56, E-Mail: presse@tmf-ev.de

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