Forscher erarbeiten Maßnahmen, die die Anzahl akut erkrankter Bewohner in Altenheimen reduzieren

In Altenheimen leben Menschen mit einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf. Akute Krankheitsphasen oder unvorhersehbare Ereignisse wie ein Sturz führen oftmals zu einer Krankenhauseinweisung. „Krankenhausaufenthalte sind für alte Menschen allerdings häufig sehr risikoreich“, sagt Prof. Christel Bienstein, Leiterin des Departments für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). „Das gilt besonders, wenn kognitive Einschränkungen vorliegen. Die Versorgung alter Menschen im Krankenhaus stellt in der Regel sehr hohe Anforderungen an alle Beteiligten.“ Im Rahmen des Forschungsprojektes „Reduktion von Krankenhauseinweisungen – innovative Versorgung akut erkrankter Bewohner/innen in Altenheimen“ (IVA) versuchten die Forscher deshalb, die Anzahl akuter Erkrankungen und somit auch der Krankenhauseinweisungen deutlich zu reduzieren – bei gleichbleibend hoher Versorgungsqualität. Im Laufe eines Jahres gelang es den Wittener Wissenschaftlern, die Anzahl der Krankenhauseinweisungen um bis zu 35 Prozent zu senken. Beteiligt waren vier Alteneinrichtungen aus NRW, die im Vorfeld über unterschiedlich hohe Einweisungsquoten ihrer Bewohnerinnen und Bewohner verfügten.

Im Rahmen des Projekts wurden sechs verschiedene Interventionsphasen mit differenzierten Maßnahmen erarbeitet. „Dazu gehören die umfängliche Aufnahme des Gesundheitszustands, die genaue Abklärung der Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Einzug in die Einrichtung, die Erstellung von Notfallplänen sowie die Einrichtung eines Hintergrunddienstes und eines Behandlungszimmers“, nennt Bienstein einige Bausteine des neuen Versorgungsansatzes.

Aus dem Projekt entstanden ist nun ein Arbeitsbuch, das den einzelnen Alteneinrichtungen zur Verfügung steht, um die Maßnahmen in der eigenen Einrichtung gezielt umsetzen zu können. Weiterhin erstellten Wirtschaftswissenschaftler der UW/H projektbegleitend eine ökonomische Studie, die aufzeigt, dass es sowohl für Alteneinrichtungen wie für die Krankenhäuser ökonomisch sinnvoll sein kann, akut erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner direkt im Altenheim zu versorgen.

Damit auch andere Einrichtungen von den Ergebnissen der Studie profitieren können, stellen die Projektverantwortlichen sie auf einer Tagung am 3. Februar 2017 (Audimax UW/H, 11 bis 15 Uhr) der interessierten Öffentlichkeit vor. Auch die beteiligten Alteneinrichtungen werden dabei zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen berichten. Der Eintritt ist frei, ein Arbeitsbuch wird jeder Einrichtung zur Verfügung gestellt.

Das Projekt wurde im Rahmen des Ziel2.NRW-Programms gefördert.

Tagung: Reduktion von Krankenhauseinweisungen von Bewohnern und Bewohnerinnen – innovative Versorgung akut erkrankter Bewohner/innen in Altenheimen (IVA)
3. Februar 2017, 11 bis 15 Uhr
Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen Str. 50, Audimax

Weitere Informationen und Anmeldung: Sabine Reschke 02302-926-301 sabine.reschke@uni-wh.de

Programm:
11.00 Uhr Begrüßung: Prof. Ch. Bienstein
11.10 Uhr Ziel der Studie, Vorgehen: Prof. Ch. Bienstein
11.30 Uhr Vorstellung der quantitativen Ergebnisse: C. Nürnberger, MScN
11.50 Uhr Vorstellung der qualitativen Ergebnisse: N. Chicharzede, MScN und A. Hartenstein-Pinter, MScN
12.30 Mittagspause
13.15 Uhr Vorstellung der ökonomischen Auswirkungen: Prof. Dr. S. Bohnet-Joschko
13.50 Uhr Vorstellung des Arbeitsbuches: Prof. Ch. Bienstein
14.00 Uhr World-Café in rotierenden Kleingruppen anhand der Interventionsphasen/-maßnahmen

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

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