Forscher enthüllen Ursache für eine der verheerendsten Pandemien der Geschichte

Die moderne Wissenschaft hat einen historisch ungeklärten Fall gelöst, indem sie
gezeigt hat, dass zwei der schlimmsten Pandemien der Menschheitsgeschichte, die als
„schwarzer Tod“ bekannte Pestseuche und die sogenannte Justinianische Pest von
verschiedenen Formen des gleichen Erregers Yersinia pestis ausgelöst wurden. Beiden
Pandemien fiel jeweils etwa die Hälfte der damaligen europäischen Bevölkerung zum
Opfer.

Ein Forschungsteam aus internationalen Wissenschaftlern, darunter auch Forscher der
University of Sydney, bediente sich kleinster DNA-Fragmente von 1.500 Jahre alten
Zähne zweier Opfern der Justinianischen Pest, und reproduzierte daraus die ältesten
je gewonnenen krankheitserregenden Humangenome. Die Ergebnisse deuten darauf hin,
dass auch in Zukunft neue Pandemien ausbrechen könnten.

„Wir haben festgestellt, dass das für die Justinianische Pest verantwortliche
Bakterium, das durch Ratten auf den Menschen übertragen wurde, von alleine
verschwunden ist“, so Professor Edward Holmes von der biologischen Fakultät der
University of Sydney. Professor Holmes war als einer der führenden Forscher an der
Studie beteiligt, die in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet Infectious Disease
erschienen ist. Die Erkenntnisse eröffnen nicht nur eine neue geschichtliche
Perspektive, sondern könnten auch zu einem besseren Verständnis zur Entwicklung
moderner Infektionskrankheiten beitragen.

Die Erkenntnisse sind bedeutsam, da bisher sehr wenig über die Ursache der
rätselhaften Justinianischen Pest bekannt war, die zum Ende des Römischen Reiches
beigetragen hat, indem sie nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung auslöschte, als sie
sich über Asien, Nordafrika, den Nahen Osten und Europa verbreitete.

Die Stichproben stammten von Opfern der Pest, die auf einem kleinen Friedhof im
oberbayrischen Aschheim begraben sind. Man geht davon aus, dass sie der Pest zum
Opfer fielen, als diese zwischen 541 und 543 den Süden Bayerns erreichte.

Für die Studie rekonstruierten Forscher das älteste je reproduzierte
krankheitserregende Genom und glichen dieses mit einer Datenbank von über hundert
heutigen Stämmen des Yersinia pestis Genoms ab.

Dabei fanden sie heraus, dass der Ausbruch der Justinianischen Pest evolutionär
gesehen eine Sackgasse war und sich von den Krankheitserregern der anderen
Pest-Pandemien unterschied. Eine dritte Pandemie, die sehr wahrscheinlich durch
einen Nachfolger des Pest-Krankheitserregers ausgelöst wurde, brach 1855 im
chinesischen Yunnan aus und verbreitete sich weltweit. Dabei starben allein in China
und Indien 12 Millionen Menschen.

Dave Wagner, Professor am Zentrum für Mikrobielle Genetik und Genomforschung der
Northern Arizona University meint: „Wir wissen, dass das Bakterium Y. pestis im
Laufe der Geschichte immer wieder von Nagetieren auf den Menschen übertragen wurde
und es auch heute noch weltweit einzelne mit dem Pesterreger infizierte Nagetiere
gibt. Zum Glück haben wir aber Antibiotika zur Bekämpfung der Seuche, was die Gefahr
für einen erneuten Ausbruch einer weitreichenden menschlichen Pandemie minimiert.

Zwei Fragen bleiben jedoch offen: warum war die Justinianische Pest so extrem
ansteckend und was hat zu ihrem Ende geführt?

„Die Studie wirft die faszinierende Frage auf, warum ein Krankheitserreger, der
zugleich so erfolgreich und so tödlich war, ausgestorben ist. Eine zu prüfende
Theorie wäre, dass die menschliche Bevölkerung im Laufe der Entwicklung weniger
anfällig für den Erreger geworden ist“, so Professor Holmes.

Hendrik Poinar, Professor und Direktor des McMaster Ancient DNA Centre und Prüfer am
Michael G. DeGroote Institute for Infectious Disease Research ist Co-Autor der
Studie.

Die Studie wurde in Teilen finanziert vom Social Sciences and Humanities Research
Council of Canada, dem Canada Research Chairs Program, dem US Department of Homeland
Security, den US National Institutes of Health sowie vom Australian National Health
and Medical Research Council.

Weitere Informationen:
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Tel.: 030-20 96 29 593

oder

University of Sydney
Verity Leatherdale
Tel.: + 61 2 9351 4312
Email: verity.leatherdale@sydney.edu.au

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