Forscher äußern sich in Zeitschrift „Nature“ über Schweineversuch im österreichischen Ötztal

In der aktuellen "Nature"-Ausgabe vom 18. Februar äußern sich Studienleiter Hermann Brugger vom Institut für Alpine Notfallmedizin der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), Peter Paal von der Abteilung für Anästhesie und Wiederbelebung der Universitätsklinik Innsbruck und Biostatistiker Markus Falk.

Die drei Experten erläutern, dass sie mithilfe des Versuchs mit betäubten Schweinen reale Maßstäbe für die Überlebenschance von Lawinenopfern bekommen wollten. Die Ergebnisse hätten einen entscheidenden Beitrag zur Rettung von Menschenleben leisten können, so sagen sie. Sensationsmeldungen, die verbreitet hatten, dass ‚Tiere im Schnee zu Tode gequält werden‘, hatten zur Folge, dass die beteiligten Wissenschaftler von Tierversuchsgegnern bedrängt wurden, sogar Morddrohungen erhielten und schlussendlich das Forschungsprojekt abbrechen mussten – ein unschätzbarer Verlust für die notfallmedizinische Forschung, findet Studienleiter Brugger. Die Wissenschaftler bestätigen, dass das Projekt ordnungsgemäß eingereicht und von der zuständigen österreichischen Tierversuchskommission und dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung genehmigt worden war.
Angesichts dieses herben Rückschlags für das Forschungsprojekt und gleichzeitig für die Freiheit der Wissenschaft fordert Brugger in der Zeitschrift "Nature" zu einem breiteren öffentlichen Diskurs über Tierversuche auf. Es herrsche darüber offensichtlich eine große Unsicherheit und ein Informationsdefizit, so Brugger. "Dass Tierversuche, die unter strengen ethischen und juridischen Kriterien durchgeführt werden, für die medizinische Forschung und somit auch für unseren Lebensstandard unabdingbar sind, wird zu wenig wahrgenommen", macht Brugger deutlich. Er appelliert, die Notwendigkeit der freien Forschung in der Öffentlichkeit zu begründen, um zu verhindern, dass eine kleine radikale Minderheit eine für die Allgemeinheit wichtige wissenschaftliche Untersuchung derart torpedieren kann.

Für jeden Wissenschaftler ist es von unschätzbarem Wert, im renommierten britischen Journal "Nature" veröffentlicht zu werden. Der Weg in die Zeitschrift ist unter Wissenschaftlern hart umkämpft und aufwendig. Jeder Text durchläuft strengste Überprüfungen durch jeweilige Fachexperten. Es zeugt umso mehr von höchster Auszeichnung, dass Redakteure der "Nature" aus eigenem Interesse und aus Wertschätzung gegenüber dem umstrittenen Lawinenprojekt und dem hochkarätig besetzten Forscherteam den persönlichen Kontakt suchten.
(idw, 02/2010)

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