Förderpreis für Palliativmedizin für Arbeit zum Umgang mit multiresistenten Erregern am Lebensende

Die multidisziplinäre Jury unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Frickhofen entschied sich entlang inhaltlicher, wissenschaftlicher und formaler Bewertungskriterien für die Vergabe des Preises an die Arbeit mit dem Titel „MRSA in der Versorgung am Lebensende (MEndoL)“.

Das Ziel der Studie bestand in der Entwicklung einer Strategie für den Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen, die mit problematischen Infektionserregern kolonisiert oder infiziert sind („multiresistente Erreger“, kurz MRE). Den Mittelpunkt bildeten die Sichtweisen der Patientinnen und Patienten, der Angehörigen und der Mitglieder des Versorgungsteams. Dabei wurden Hypothesen zum Einfluss von MRE und angewandten Schutz- und Isolationsmaßnahmen auf diese Personengruppen entwickelt. Ergänzt um institutionelle Einschätzungen zum Umgang mit von MRE betroffenen Patientinnen und Patienten am Lebensende und den entsprechenden Schutz- und Isolationsmaßnahmen flossen diese unterschiedlichen Perspektiven in ein Modell ein, aus dem eine Handlungsempfehlung zur Krankenhausversorgung von Patientinnen und Patienten mit MRE am Lebensende abgeleitet werden konnte.

In der Gesamtbewertung kam die Jury laut Professor Frickhofen zu folgendem Ergebnis: “Patienten mit MRE sind häufig und stellen die Patienten selbst und das Fachpersonal in allen stationären Einrich-tungen vor Probleme. Isolation der betroffenen Menschen zur Vermeidung einer Verbreitung dieser Keime ist eine wichtige Maßnahme. Isolation steht aber diametral zu dem palliativmedizinischen Ansatz einer intensiven persönlichen Betreuung. Am Lebensende ist der persönliche Kontakt und die Möglichkeit körperlicher Nähe wichtig, wenn man auf die Bedürfnisse eines Menschen in dieser Situation eingehen will. Die Studie ermittelte aus der Perspektive aller Beteiligten die Problemfelder und erarbeitete Lösungswege. Daraus resultierten Handlungsanweisungen, die publiziert wurden und über die Fachgesellschaft allen palliativmedizinisch Tätigen zur Verfügung gestellt wurden. Damit wird Sicherheit im Umgang mit den betroffenen Menschen geschaffen und die Maßnahmen zur Kontrolle der Keime auf das medizinisch Notwendige konzentriert. Es bleibt Raum für das am Lebensende Wesentliche, die liebevolle, persönliche Betreuung.“

Dr. Ingrid Spohr, Leiterin Medizin, Mundipharma, schickte den Preisträgern ihre Glückwünsche: „Wir freuen uns sehr, dass wir nunmehr seit 20 Jahren die wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Palliativmedizin fördern und auch würdigen können.“

Den Preis übergab Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), im Rahmen des 12. Kongresses der DGP in Bremen, wobei er die Bedeutung der aus der wissenschaftlichen Arbeit entwickelten Handlungsempfehlung hervorhob: „MRE im Krankenhaus führen für alle Beteiligten zu einer Gratwanderung zwischen der notwendigen Einhaltung unabdingbarer Hygienemaßnahmen und dem Wunsch, schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen auch unter diesen Bedingungen ein größtmögliches Maß an Begegnung und Nähe zu ermöglichen.“

Sein Dank galt in diesem Jahr besonders den langjährigen Stiftern der Mundipharma GmbH, die sich der Förderung der klinischen Wissenschaft in der Palliativmedizin verschrieben und im Rahmen dieses Engagements über nunmehr 20 Jahre mehr als 30 preiswürdige Arbeiten auf dem Forschungsgebiet der Palliativmedizin ausgezeichnet haben.

Zur Förderung der klinischen Wissenschaft verleiht die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. seit 1999 auf ihren Jahrestagungen den „Förderpreis für Palliativmedizin“. Die Auswahl der Preisträger wird von einem Fachgremium vorgenommen. Der Preis wird jährlich ausgeschrieben. Auszüge aus den prämierten Arbeiten werden in der Zeitschrift für Palliativmedizin veröffentlicht.

Originalpublikation:
https://www.dgpalliativmedizin.de/images/RZ_170213_MRE_online.pdf

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