Fibromatosen an den Händen: Frühe Strahlentherapie ist eine Behandlungsoption

Forschung im Labor

Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht derzeit ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Federführung der Medizinischen Hochschule Hannover, ob der frühe Einsatz der Strahlentherapie bei der Behandlung von Fibromatosen an Hand oder Fuß den Betroffenen Vorteile gegenüber den bisher üblichen Injektionen oder Operationen bietet.

Fibromatosen – was bringt eine Strahlenthrapie?

Vorläufiges Ergebnis: Gegenüber einer abwartenden Strategie kann eine frühe Strahlentherapie bei Betroffenen mit Fibromatosen an den Händen dazu führen, dass die Krankheit langsamer fortschreitet. Für die Strahlentherapie-Behandlung von Betroffenen mit Fibromatosen an den Füßen liegen keine Studiendaten vor.

Zu diesem vorläufigen Bericht der externen Wissenschaftlergruppe bittet das IQWiG nun bis zum 01.02.2023 um Stellungnahmen. Es handelt sich dabei um eine Gesundheitstechnologie-Bewertung (engl. Health Technology Assessment = HTA) im Rahmen des IQWiG-Verfahrens ThemenCheck Medizin. Die Fragestellungen der ThemenCheck-Berichte gehen stets auf Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern zurück.

Anfrage einer Bürgerin als Ausgangspunkt des ThemenCheck-Berichts

Eine Fibromatose ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes, bei der sich Verwachsungen und Wucherungen bilden. Beispielsweise im Bereich der Sehnen in Hand oder Fuß entstehen dadurch Knötchen und Stränge, die Greifen oder Gehen stark beeinträchtigen können. Fibromatosen an den Händen nennt man „Morbus Dupuytren“, Fibromatosen an den Füßen „Morbus Ledderhose“.

Derzeit gibt es keine heilende Therapie für beide Erkrankungen. Die angewendeten Behandlungen (Operationen, Strahlentherapie, Injektionen) zielen darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, Schmerzen zu lindern und Funktionsdefizite zu mindern.

Zentrale Frage einer Bürgerin an den ThemenCheck Medizin war, ob Betroffene mit Fibromatosen an Hand oder Fuß von einer frühen Strahlentherapie profitieren können. Hintergrund ist, dass Gewebe in der Wachstumsphase als besonders empfindlich für die Bestrahlung gilt.

Nach Bestrahlung: Die Krankheit schreitet langsamer voran

Auf Basis einer nicht randomisierten Studie mit 624 Probanden kommt das externe Wissenschaftsteam zu dem vorläufigen Ergebnis, dass eine frühe Strahlentherapie bei Fibromatosen an den Händen Vorteile gegenüber einer abwartenden Strategie bietet. Demnach kann durch die Bestrahlung das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden: 10 Jahre nach der Strahlentherapie waren weniger Finger von Einschränkungen betroffen und es kam seltener zu Interventionen (Operationen und Injektionen), um Funktionsdefizite zu mildern oder Schmerzen zu lindern.

Diesen Vorteilen stehen unerwünschte Ereignisse nach der Strahlentherapie gegenüber (Erythem, Hauttrockenheit, Schuppung oder milde Hautatrophie mit leichter subkutaner Fibrose), die aber gut bekannt sind und von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als vertretbar eingestuft werden, weil sie z. B. einfach mit Hautcremes behandelbar sind.

Das IQWiG bittet um Stellungnahmen

Zu dem nun vorliegenden vorläufigen Bericht bittet das IQWiG bis zum 01.02.2023 um Stellungnahmen. Alle interessierten Personen, Institutionen und (Fach-)Gesellschaften können Stellungnahmen abgeben. Gegebenenfalls führt das IQWiG eine wissenschaftliche Erörterung zur Klärung von weitergehenden Fragen aus den schriftlichen Stellungnahmen durch. Die Ergebnisse aus der Anhörung können zu Änderungen und/oder Ergänzungen des vorläufigen Berichts führen.

Die ThemenCheck-Berichte werden nicht vom IQWiG selbst verfasst, sondern von externen Sachverständigen. Deren Bewertung wird gemeinsam mit einer allgemein verständlichen Kurzfassung (ThemenCheck kompakt) und einem IQWiG-Herausgeberkommentar veröffentlicht.

Originalpublikation:
https://www.iqwig.de/sich-einbringen/themencheck-medizin/berichte/ht21-01.html

Scroll to Top