Fango gegen Rückenschmerzen

Rückenschmerzen – Kein deutsches Bundesland verfügt über eine solche Vielfalt an ortsgebundenen Heilmitteln wie Baden-Württemberg. Zu ihnen gehört auch Fango, ein Naturschlamm, der aus jahrhundertealten Gesteinsschichten gewonnen wird. In dem baden-württembergischen Kurort Bad Boll befindet sich eines von vier deutschen Fango-Werken.

Die dampfende, braune Masse auf der Massageliege sieht verlockend aus. Schon die erste Berührung mit dem warmen Fangoschlamm lässt die Verspannung im Rücken etwas erträglicher erscheinen. Nach 20 Minuten, fest eingewickelt in Frotteetücher und schwitzend wegen der konstanten Hitze der Fangopackung, sind die Schmerzen wie weggeblasen. Im Badhaus Bad Boll schätzen Patienten seit Jahrzehnten die wohltuende und heilsame Wirkung des ortseigenen Jura Fangos.

Nur einen Steinwurf vom Badhaus entfernt, in den Bad Boller Fango-Werken, wird der Rohstoff für die heilenden Fangopackungen gewonnen: Schiefer. Fein gemahlen bildet er die Grundlage für die wohltuenden Breipackungen, die der Verbraucher aus Massagepraxis und Apotheke als Fango kennt. Seit über 70 Jahren wird in Bad Boll Fango produziert. An den Methoden hat sich bis heute wenig geändert. Mit einem Abbruchhammer werden die Schieferplatten aus dem Steinbruch geschlagen und anschließend mit einem Radlader zur Mühle gefahren, wo sie in mehreren Gängen von Fremdstoffen befreit und zu feinem Schieferpulver gemahlen werden. In Tüten abgepackt wird das Pulver anschließend an Apotheken, Therapiezentren und Massagepraxen ausgeliefert.

Heilende Kräfte des Urmeeres
Die Bad Boller Fango-Werke sind eines von vier großen deutschen Fango-Werken. Üblicherweise wird das mineralstoffreiche Fangopulver aus anorganischem Vulkangestein hergestellt, wie etwa der Kaiserstuhl-Fango und der Eifel-Fango. Rohstoff für den Sachsen Fango ist Alumosilicat.

Bad Boll verarbeitet Posidonienschiefer. An den griechischen Meeresgott Po-seidon erinnert der Name nicht ohne Grund: Vor mehr als 170 Millionen Jahren befand sich an der Stelle des Bad Boller Schieferbruchs das Süddeutsche Becken, ein Randmeer, das nach und nach austrocknete – jedoch nicht, ohne einige Tiere, Pflanzen und weitere Meeresbewohner zu begraben. Durch die organischen Einschlüsse ist der Anteil an Steinöl im Bad Boller Fango besonders hoch. „Steinöl enthält Schwefel und Phosphor“, erklärt Reinhold Schön, Betriebsleiter der Bad Boller Fango-Werke die Besonderheit des Bad Boller Juragesteins. „Die Stoffe bewirken, dass mineralische Substanzen im Körper besser wirken können.“

Naturfango versus Parafango
Vermischt mit Wasser entsteht aus dem Gesteinspulver Naturfango. Dieses hat die positive Eigenschaft, Wasser besonders gut binden zu können. So ist eine Behandlung mit der Fangomasse auch bei mehr als 50 Grad Celsius noch möglich. Bei einem Wasserbad wären solche Temperaturen undenkbar.

Die Mineralstoffe des Fangos dringen in die Haut ein und wirken in Kombination mit der Wärme entspannend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Fangopackungen sind aus diesem Grund bei Gelenkentzündungen, Zerrungen und Ähnlichem in vielen Heilbädern eine bewährte Therapiemaßnahme.

Aus hygienischen Gründen wird Naturfango bereits nach einmaliger Verwendung entsorgt. Das ist auch die Hauptursache für die teils recht hohen Behandlungskosten. In vielen Massagepraxen kommt deshalb immer häufiger Parafango, eine Mischung aus Fangopulver und Paraffinöl, zum Einsatz. Dieser kann nach der Behandlung sterilisiert werden und ist dadurch mehrfach verwendbar. Der Nachteil: Das Paraffin umschließt die mineralischen Wirkstoffe im Fango so fest, dass diese nicht in den Körper eindringen können. Dennoch hat auch der Parafango aufgrund der angenehmen Wärmewirkung einen entspannenden Effekt. Therapeutische Erfolge, wie sie etwa bei Gelenkabbau erzielt werden, können jedoch nur mit Naturfango erreicht werden. Viele Heilbäder und Kurorte haben sich die Wirkung ihres Fangos aus diesem Grund patentieren lassen. (Heilbäderverband Baden-Württemberg 01/2010)

Scroll to Top