Familienschicksal Krebs: Vorsorgliche Dickdarm-Entfernung senkt Risiko bei erblichem Darmkrebs

Darmkrebs ist die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Im Jahr 2011 erkrankten nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 72.000 Menschen neu an Dickdarmkrebs, 28.000 starben daran. Nur selten können Wissenschaftler die Erkrankung bislang bestimmten Genen zuordnen. „Bei etwa 20 bis 25 Prozent der Betroffenen gibt es bereits Fälle von Darmkrebs in der Familie, doch nur bei etwa zwei bis fünf Prozent sind die krankheitsverursachenden Genveränderungen bekannt“, erläutert Professor Dr. med. Wolff Schmiegel, Leiter der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus an der Ruhr-Universität Bochum.

Für Menschen mit „Krebsgenen“ stehen die Chancen schlecht, gesund alt zu werden: Patienten mit einer Veranlagung für das „Lynch-Syndrom“, der häufigsten Form des erblichen Darmkrebses, haben ein 80-prozentiges Risiko an Darmkrebs zu erkranken. „Eine generelle Empfehlung, sich deshalb den Dickdarm entfernen zu lassen, gibt es nicht“, sagt Schmiegel, Leiter des Leitlinienkomitees der DGVS-S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom: Prävention, Diagnostik und Therapie“. „Doch wenn bereits ein Karzinom aufgetreten ist, sollte die Option einer Kolektomie individuell mit dem Patienten besprochen werden“, rät der Experte. Da die Betroffenen auch ein erhöhtes Risiko für andere Krebserkrankungen haben, sollten Frauen – nach Abschluss der Familienplanung – auch über die Möglichkeit einer prophylaktischen Entfernung der Gebärmutter und eventuell der Eierstöcke informiert werden. „Außerdem ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bei allen Patienten, bei denen in der Familie Darmkrebs aufgetreten ist, das A und O“, erläutert Schmiegel.

Für Patienten mit „familiärer adenomatösen Polyposis“, kurz „FAP“, einer selteneren Darmkrebsform, sind die Empfehlungen drastischer: „Patienten mit genetisch nachgewiesener FAP empfehlen wir die prophylaktische Entfernung des Dickdarmes inklusive des Mastdarmes zwischen Abschluss der Pubertät und dem 20. Lebensjahr“, erläutert DGVS-Experte Schmiegel. Da sich bei dieser Krankheit viele Polypen im Darm bilden, die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit entarten, ist die Kolektomie hier die einzige Möglichkeit einer wirksamen Vorsorge gegen die meist tödlich verlaufende Erkrankung.

Generell sollten Ärzte ihre Patienten und Angehörige ausführlich über mögliche Operationsrisiken und zu erwartende Einschränkungen der Lebensqualität aufklären. Mit dem Eingriff werde häufig auch das Anlegen eines künstlichen Darmausgangs nötig, so Schmiegel. Der Experte rät Betroffenen zudem die Betreuung und Beratung der Deutschen Krebshilfe in Anspruch zu nehmen, die 1999 das Verbundprojekt „Familiärer Darmkrebs“ ins Leben gerufen hat und spezialisierte Zentren bundesweit unterstützt.

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

Im Internet:
S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom der DGVS:

Informationsseiten der Deutschen Krebshilfe:

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