Fachtagung und Denkmalenthüllung: Universität ehrt Paracelsus von Hohenheim

Er war Arzt und Alchemist, Gelehrter und Grobian in einem: Paracelsus, der Mann mit den vielen Gesichtern. Eine Tagung der Universität Hohenheim am 26. Oktober wird die verschiedenen Facetten des Universalgenies aus der Familie der Bombaste von Hohenheim beleuchten und ihn mit anderen Berühmtheiten seiner Zeit vergleichen. Am 27. Oktober folgt die feierliche Enthüllung eines Gedenksteins im Botanischen Garten der Universität. Das Denkmal soll künftig an den Wegbereiter der modernen Medizin und Arzneimittelforschung erinnern, dessen Familie aus der Gemarkung stammt, auf der heute die Universität Hohenheim steht.

Der Basaltlavastein ist mit Zitaten des Universalgelehrten und seinem Lebensmotto versehen: „alterius non sit qui suus esse potest“ (Es sei keiner eines anderen Knecht, der sein eigener Herr sein kann). Als idealen Ort wählten die Verantwortlichen die Arzneipflanzengärten im Botanischen Garten der Universität Hohenheim.
„Mit dem Gedenkstein wollen wir den Mediziner Paracelsus ehren, ohne den die moderne Medizin nicht das geworden wäre, was sie heute ist“, sagt Prof. Dr. Ulrich Fellmeth, Leiter des Museums zur Geschichte Hohenheims. Den Anstoß für den Gedenkstein gab der Autor Dr. Gerhard Raff, die Gestaltung übernahm der Bildhauer Uli Gsell. Gestiftet wurde er vom Stuttgarter Dr. Stefan Rösslein.
Fünf Seiten zählt der Gedenkstein, der am 27. Oktober enthüllt wird. Als Mensch präsentierte sich Paracelsus sogar noch vielseitiger, wie die Tagung am Vortag, dem 26. Oktober, belegt.

Die verschiedenen Gesichter von Paracelsus
„Es ist die Verbindung von Magie und Forschung in den Lehren des Paracelsus, die ihn so interessant machen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Fellmeth, Leiter des Museums zur Geschichte Hohenheims. „Gleichzeitig können seine Werke auch als ein Spiegel der Gesellschaft in der Renaissance gesehen werden, in der Rationalität und beginnende systematische Naturforschung ganz zwanglos neben Magie, Astrologie und Okkultismus standen.“
Auf der Tagung suchen Prof. Dr. Fellmeth und Dr. Pia Holenstein Weidmann deshalb auch den Vergleich des Hohenheimer Bombasts mit anderen berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit. „Eine häufige Parallele wird oft zwischen Paracelsus und Nostradamus gezogen“, so Prof. Dr. Fellmeth. „Aber auch Agrippa von Nettesheim und Gerolamo Cardano sieht man zusammen mit Paracelsus in einer Liga.“

Ein literarischer Grobian
Ein weiteres Gesicht des Paracelsus zeigt sich im Verlauf der Tagung bei Betrachtung seiner Sprache. Der Bombaste aus Hohenheim war schon früh für seinen manchmal außerordentlich derben und grob-beleidigenden Rede-Stil bekannt.
Prof. Dr. Fellmeth erinnert sich an ein Beispiel für Paracelsus’ beleidigenden Sprachgebrauch: „Einmal hat Paracelsus seinen gelehrten Kollegen zugerufen: Das schmecket euch ubel, das euer grunt und euere philosophei in dreck muß und ir mit ir, und die seu müssen in euch wüelen und werden nichts nützlichs bei euch finden als den dreck.“
„Dem bekannten Autor Andreas Kotheder fällt es zu, diese Facette während der Tagung näher zu beleuchten“, so Fellmeth. „Dabei wird sich zeigen, dass diese grobschlächtige Mundart im 16. Jahrhundert ein durchaus literarischer Stil war. Paracelsus befand sich in guter Gesellschaft anderer berühmter ‚Grobianisten’. Einer von ihnen war beispielsweise Martin Luther.“

Hand in Hand: Magie und Wissenschaft in der Renaissance
Um Paracelsus, seine Lehren und seine verschiedenen Gesichter zu verstehen, sollen auch seine Werke näher untersucht werden. Lesungen und Interpretationen ausgesuchter Paracelsus-Texte durch seine bekannte Übersetzerin Gunhild Pörksen will die ganze Spannweite dieses gedanklichen Spagats zwischen der Magie und Rationalität von Paracelsus und seinen Zeitgenossen verdeutlichen.
Veranstaltet wird die Tagung vom Archiv der Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft in Salzburg, der Schweizerischen Paracelsus-Gesellschaft und der Deutschen Bombastus-Gesellschaft.

Paracelsus von Hohenheim
Geboren wurde Paracelsus nicht in Hohenheim, sondern in der Schweiz als Theophrastus von Hohenheim. Wissenschaftler vermuten, dass die Namensänderung „Paracelsus“ eine lateinische Form von „Hohenheim“ ist, die er sich selbst während seiner Wanderjahre als Wundarzt gab. Paracelsus selbst ist wohl nie in Hohenheim gewesen. Am 24. September 1541 starb der damals 47- oder 48-Jährige mit dem hellen Verstand und der spitzen Zunge unter bis heute mysteriösen Umständen.
Text: C. Schmid / Klebs

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Ulrich Fellmeth, Universität Hohenheim, Archiv der Universität, Hochschulgeschichtliches Museum, Tel.: 0711/459-22119 oder 22112, E-Mail: fellmeth@uni-hohenheim.de

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