Fachtagung „Geschlossene Unterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe“

Am heutigen Freitag, 23. März, fand unter dem Titel „Geschlossene Unterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe – Befunde und Forschungsperspektiven zu einem strittigen Modell am Beispiel der GITW Lohne“ eine Fachtagung an der Universität Vechta statt. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Nina Oelkers (Soziale Arbeit) stellte dort gemeinsam mit Vertretern der Geschlossenen intensivtherapeutischen Wohngruppe (GITW) Lohne die ersten Ergebnisse der Begleitforschung vor.
Neben der Vorstellung der Forschungsergebnisse beleuchteten kritische Kommentatorinnen und Kommentatoren das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Prof. Dr. Gabriele Nellissen, Professorin für Recht der sozialen Dienstleistungen an der Universität Vechta, nahm die rechtlichen Aspekte in den Blick und ging auf Problematiken in diesem Bereich ein. Prof. Dr. Hans-Joachim Plewig (Leuphana Universität Lüneburg), betrachtete das Thema aus den Perspektiven der Devianzpädagogik und Justiz. Plewig fokussierte unter anderem die Hilfeplanung und betonte die Wichtigkeit Integrierter Hilfen. Dr. Hanna Permien vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) forscht selbst seit Jahren zum Thema Geschlossene Unterbringung und referierte u.a. zu der Frage, ob diese Form der Hilfe wieder auf dem Vormarsch sei.
Zusammenfassend lässt sich über die GITW feststellen, dass sie sich nach einer Konsolidierungsphase von einem Jahr in der Jugendhilfelandschaft und als Team etabliert hat. Die Aspekte Vernetzung, Information und Anerkennung der Tätigkeiten haben dazu maßgeblich beigetragen. Der Großteil der Jungen, die in der GITW leben, hat sich nach anfänglicher Ablehnung gut in der Wohngruppe eingelebt und die Beziehungsangebote angenommen. Sie zeigten sich lernfähig und lernwillig und nutzten das Stufensystem der Betreuung, um nach und nach mehr Freiheiten zu erreichen. „Besonders die Gelegenheiten, die GITW zu Stadtbesuchen oder zum Einkaufen zu verlassen, sind den Jungen wichtig“, berichtete Oelkers.
Kritisch betrachtet wurden die fehlenden Anschlussmaßnahmen, die die erfolgreichen Betreuungsverläufe der GITW gefährden können. Auch die institutionellen Rahmenbedingungen und der mediale Druck werden von den Beteiligten kritisch gesehen. Die direkte Arbeit der Betreuerinnen und Betreuer sei der ausschlaggebende Faktor für die sehr guten Erfolge der GITW. Ob die vieldiskutierte „Mauer“ der Einrichtung dafür notwendig ist, bleibt zu klären.

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