Fachsymposium riskiert einen Blick über den „Tafelrand“

Die zweitägige Arbeitstagung findet im Rahmen der von Prof. Dr. Maar (Hochschule Esslingen) und Prof. Dr. Stefan Selke (Hochschule Furtwangen) im Jahr 2009 initiierten Forschungsgruppe Tafeln statt, die derzeit ein vom Land gefördertes Forschungsprojekt zum Thema durchführt. Die Tagung in Esslingen ist die Fortsetzung des erfolgreichen ersten Tafelsymposiums in Furtwangen, das bereits 2010 stattfand.

Die Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer beleuchten dabei die Chancen, Grenzen und strukturellen Ambivalenzen der Tafelarbeit, um neue Perspektiven zu eröffnen und das Phänomen „Tafel“ in seiner gesellschaftspolitischen Funktion im Bereich der Armutsbekämpfung einordnen zu können.

Das in Deutschland beinahe flächendeckend von Tafeln und verwandten Einrichtungen organisierte Einsammeln und Verteilen von überschüssigen Lebensmitteln an bedürftige Personen ist nicht nur in öffentlichen Debatten ein kontrovers diskutiertes Thema, sondern erhält stellvertretend für viele gesamtgesellschaftliche Entwicklungen ebenfalls Einzug in die wissenschaftliche und interdisziplinäre Forschung. Das Tafelangebot ist mittlerweile im Netz der Hilfsorganisationen fest verwurzelt und gilt als wesentlicher Bestandteil der Existenzunterstützung für einen zunehmend ansteigenden Bevölkerungsanteil. Inwiefern das Tafelengagement einen Beitrag zur Überwindung von Armut, Ausgrenzung oder der „Wegwerfgesellschaft“ leisten kann und will, wie die Tafelnutzer die Tafelarbeit wahrnehmen und was für eine Rolle sie ihr beimessen, welche sozialpolitischen und rechtlichen Solidaritätsansprüche sich durch die Etablierung eines alternativen Versorgungssystems verschieben können und was für Folgen eine solche Entwicklung für das Verhältnis von Staat und Zivilgesellschaft bzw. für gesellschaftliche Verantwortlichkeiten impliziert, wird unter anderem Thema der Tagung sein.

Da renommierte Wissenschaftler und Vertreter aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungsfeldern zusammentreffen werden, ist ein spannungsreicher, vielseitiger und produktiver Dialog zwischen Wissenschaft, Tafelpraxis und zivilgesellschaftlichen Netzwerken zu erwarten. Der interdisziplinäre Blick über den Tafelrand im Sinne des vertretenen Perspektivenreichtums soll dabei wichtige Signale in Richtung Politik und Gesellschaft senden, auch um eine öffentliche Debatte darüber anzustoßen, wie mit typischen Herausforderungen moderner Wirtschaftsgesellschaften auf Dauer umgegangen werden kann.

Kontakt:
Christian Eberlei, M.A.
Akademischer Mitarbeiter
Projekt: „Tafel-Monitor“

Hochschule Esslingen
Flandernstraße 101
73732 Esslingen
Tel.: 0711.397-4546
E-Mail: Christian.Eberlei(at)hs-esslingen.de

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