Fachgesellschaften fordern: Transplantationsmedizin braucht Expertise

Um Qualität zu sichern, gelte es, die Rolle der Transplantationsmedizin in der beruflichen Laufbahn aufzuwerten. Außerdem ist interdisziplinäre Kompetenz von Nöten, um einen Patienten vor, während und nach der Transplantation optimal zu betreuen. Gleichzeitig fordern die drei Gesellschaften Transparenz bei der Vergabe von Organen und im Umgang mit Organtransplantationen und verurteilen jegliche Form unrechtmäßiger Manipulation.

Einen entscheidenden Missstand erkennen DGCH, DGIM und DTG in einem Mangel an Professionalität. Dieser ergebe sich zum einen aus der Bedeutung der Transplantationsmedizin in Aus- und Weiterbildung: Das Gebiet bildet heute lediglich einen Zwischenschritt in der beruflichen Laufbahn. „Das darf es nicht länger sein, denn darunter leidet nicht nur das fachliche Können, sondern auch Werte, die gerade in einem ethisch so bedeutenden Arbeitsfeld von höchster Wichtigkeit sind“, sagt Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der DGCH aus Berlin. In den 90er Jahren gelangen auf dem Gebiet große medizinische Fortschritte, die jedoch bis heute nicht abschließend in die Standardversorgung eingeflossen sind.

Auch eine Weiterbildung zum Transplantationschirurgen oder Transplantationsmediziner gibt es nicht. Die Transplantationsmedizin müsse deshalb qualitativ eine deutliche Aufwertung erfahren, meint Meyer. Ein möglicher Ansatzpunkt wäre es, sie zu einem genau definierten Bestandteil der Weiterbildung zu machen. Wie auch in anderen Fachgebieten könnte ein dreijähriges Ausbildungskonzept zur Sicherung der Qualität beitragen.

Um die ärztliche Berufsethik auf allen Ebenen zu fördern, gelte es zudem, Fehlanreize zu vermeiden. Die Entscheidung für eine Transplantation und die Aufnahme in eine Warteliste müsse auf transparenten, klar definierten medizinischen Kriterien basieren, die von allen Zentren respektiert und praktiziert werden. Ökonomische Aspekte dürften keine Rolle spielen. Wichtig sei es, dass dabei ein interdisziplinäres Team aus Internisten, Chirurgen, Pädiatern und Ethikern zusammenarbeitet. „Vor, während und nach einer Transplantation müssen die Behandler immer den gesamten Patienten und sein in der Regel komplexes Krankheitsbild im Blick haben“, betont Professor Dr. med. Michael Manns, Vorsitzender der DGIM aus Hannover. Bei einem so komplexen Eingriff sei es deshalb auch notwendig, dass chirurgische und internistische Fachkompetenzen im gesamten Behandlungsprozess zusammenwirken.

Im Sinne der Transparenz begrüßen es DGCH, DGIM und DTG, wenn Kliniken Ergebnisse und Kennzahlen öffentlich zugänglich machen. „Denn die Abläufe bei Vergabe und Verpflanzung von Organen müssen so nachvollziehbar wie möglich geregelt sein“, betont Professor Dr. med. Wolf Bechstein von der Deutschen Transplantationsgesellschaft aus Frankfurt. Um darüber hinaus Qualität in allen Teilen des Prozesses zu sichern und zu festigen, empfehlen die drei Fachverbände regelmäßige Vor-Ort-Audits für Transplantationszentren. Dabei überzeugen sich unabhängige Experten vom ordnungsgemäßen Vorgehen.

Unabhängig von den entsprechenden Aktivitäten in Gesundheitswesen und Politik setzen sich DGCH, DGIM und DTG seit langem initiativ damit auseinander, Indikation und Dokumentation von Organtransplantationen zu verbessern. In einer gemeinsamen Task-Force diskutieren DGCH und DGIM Lösungen zum Wohle der Patienten, die auf ein Spenderorgan warten.

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