Exzellente Möglichkeiten für Leipziger Forscher

Seit September 2014 wurde die HZDR-Forschungsstelle für rund 10 Millionen Euro modernisiert. Die Mittel für die Sanierung hat der Freistaat Sachsen bereitgestellt. Den HZDR-Wissenschaftlern, die in Leipzig auf den Gebieten der Krebs- und Endlagerforschung arbeiten, stehen nun auf einer Fläche von knapp 1.000 Quadratmetern hochmoderne Labor-Arbeitsplätze für den Umgang mit radioaktiven Stoffen zur Verfügung. Während der Sanierungsarbeiten hatten die Forscher interimsweise in Laborräumen der Universität Leipzig, am HZDR-Standort in Dresden-Rossendorf und in provisorisch eingerichteten Laborräumen in der Forschungsstelle Leipzig gearbeitet.

Investition in hervorragende Forschung

Dass das Geld gut angelegt ist, davon ist der Vorstand des HZDR überzeugt. „Wir freuen uns sehr, dass die Mitarbeiter in Leipzig nun auch die baulichen Rahmenbedingungen erhalten, die dem Niveau der hier geleisteten Arbeit gerecht werden. Wir wollen mit unserer exzellenten Laborinfrastruktur unsere Forschungsarbeiten in den Bereichen Energie und Gesundheit weiter voranbringen“, so der Wissenschaftliche Direktor des HZDR, Prof. Roland Sauerbrey.

Der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, erklärte anlässlich der Einweihung: „Unser finanzielles Engagement für die Helmholtz-Gemeinschaft ist gut investiertes Geld. Die Einrichtung ist ein Aushängeschild des Forschungs- und Wissenschaftsstandortes Sachsen. Hier wird Grundlagenforschung auf höchstem Niveau betrieben, die unter anderem dabei hilft, Fortschritte im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Krebs zu erzielen.“

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung hob die Bedeutung des Forschungsstandortes für die Stadt hervor: „Die Entwicklung des Wissenschaftsparks Permoser Straße ist eine Leipziger Erfolgsgeschichte, auf dem Campus haben Spitzenforschung und angewandte Wissenschaft gleichermaßen ein Zuhause. Mit den jetzt sanierten Laborräumen schaffen wir exzellente Bedingungen für die Wissenschaftler und der Wissenschaftspark wird attraktiver. Das ist eine sehr gute und wichtige Investition in unser Cluster Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie.“

Energie und Gesundheit sind Schwerpunkte

Die HZDR-Wissenschaftler in der Forschungsstelle Leipzig machen sich – wie viele andere Forscher auch – das Phänomen der Radioaktivität zunutze. Sie setzen die Strahlung ein, um Funktionen des Gehirns oder aber den Weg von Wässern durch die unterschiedlichsten Gesteinsformationen zu messen. Dafür arbeiten sie mit speziell entwickelten, radioaktiv markierten Sonden, sogenannten Radiotracern, die genaue Rückschlüsse auf innere bzw. unsichtbare Prozesse erlauben. In Kombination mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), einem hochmodernen bildgebenden Verfahren, lassen sich so Stoffwechselvorgänge im Gehirn ebenso genau studieren wie Transportprozesse in Gesteinsformationen.

Zwar arbeiten in der HZDR-Forschungsstelle Leipzig keine Mediziner, dennoch steht für die Biologen und Chemiker der Abteilung „Neuroradiopharmaka“ die Diagnose von Krankheiten im Gehirn im Mittelpunkt. Ursprünglich spezialisiert auf das Design von Substanzen für die Diagnostik und Erforschung von neurodegenerativen Prozessen wie Demenzen, fokussieren sich die gegenwärtigen Forschungsarbeiten auf die Charakterisierung von Hirntumoren. Die Wissenschaftler kooperieren eng mit den Nuklearmedizinern der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Diese untersuchen die in der HZDR-Forschungsstelle entwickelten Substanzen bezüglich ihrer diagnostischen Aussagekraft – immer mit dem Ziel, sie später im klinischen Alltag zur frühzeitigen und sicheren Diagnose von Hirntumoren anzuwenden.

Besseres Verständnis für Transportprozesse in Gesteinen

Radioaktiv markierte Sonden werden aber auch für geowissenschaftliche Untersuchungen eingesetzt. Genau wie die Hirnforscher nutzen die Wissenschaftler der Abteilung „Reaktiver Transport“ dafür eine PET-Kamera, die jede radioaktive Umwandlung studiert, die im Inneren von Gesteinen stattfindet. Mit Hilfe aufwändiger Rechenprogramme entstehen so aussagekräftige, bewegte Bilder von Transportvorgängen. Diese Erkenntnisse bringen die Forscher bei der Suche eines geeigneten Endlagers für radioaktive Abfälle ein. „Denn erst wenn wir verstehen, wie radioaktive Stoffe langfristig mit der Umgebung reagieren, wenn sie in Salzstöcke, Granit oder Toninformationen gelagert werden, können wir eine Empfehlung für die Wahl eines Standortes geben“, erläutert Roland Sauerbrey. „Gerade bei diesen langen Zeiträumen, von denen wir hier sprechen, müssen wir wissen, welche Verbindungen die Stoffe eingehen und unter welchen Umständen sie wieder freigesetzt werden.“

Darüber hinaus werden an der Forschungsstelle Leipzig auch Kurse zum Erwerb und zum Erhalt der Fachkunde im Strahlenschutz durchgeführt. Die Teilnehmer trainieren den Umgang mit radioaktiven Stoffen und werden in der Anwendung verschiedener Messtechniken geschult. Den Bachelorstudenten der Fachrichtung Biochemie der Universität Leipzig wird zudem im Rahmen des Moduls „Radiochemie und Radiopharmakologie“ Fachwissen zur sicheren Herstellung und Anwendung von Radiotracern vermittelt.

Medienkontakt:
Sabine Penkawa | Wissenschaftsredakteurin
Tel. +49 351 260-2515 | E-Mail: s.penkawa@hzdr.de
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf | Bautzner Landstr. 400 | 01328 Dresden | www.hzdr.de

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Energie, Gesundheit und Materie. Folgende Fragestellungen stehen hierbei im Fokus:
• Wie nutzt man Energie und Ressourcen effizient, sicher und nachhaltig?
• Wie können Krebserkrankungen besser visualisiert, charakterisiert und wirksam behandelt werden?
• Wie verhalten sich Materie und Materialien unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen?
Das HZDR ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, hat fünf Standorte (Dresden, Freiberg, Grenoble, Leipzig, Schenefeld bei Hamburg) und beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter – davon etwa 500 Wissenschaftler inklusive 150 Doktoranden.

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