Experiment in der Tierwelt: Liebeskummer hat evolutionären Sinn

Appetitlosigkeit, Wut, Depressionen: Liebeskummer schmerzt seelisch wie körperlich. Und das ist gut so. Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass Liebeskummer das Leben sichert. Geht eine Beziehung in die Brüche, wissen viele Menschen nichts mehr mit ihrem Leben anzufangen. Sie bekommen Depressionen, denken im schlimmsten Fall an Selbstmord. Für Psychologen sind Selbstmordgedanken der letzte Schritt auf dem Weg der Liebeskummerbewältigung. Warum reagieren Menschen so extrem auf Liebeskummer? Was hat sich die Natur dabei gedacht?

 

Wühlmäuse zeigen depressives Verhalten 

Viele Wissenschaftler stellen sich die Frage, welcher Sinn hinter dem Herzschmerz und seinem oft selbstzerstörerischen Mechanismus steckt. Auch Neurobiologe Oliver Bosch hat sich mit dem Thema beschäftigt und Antworten in der Tierwelt gesucht. Dazu erforschte er das Verhalten der Präriewühlmäuse, die für ihre lebenslangen Beziehungen bekannt sind. Männchen und Weibchen bleiben ein Leben lang zusammen. Kurzeitige Trennungen gibt es nur auf der Nahrungssuche.

Der Neurobiologe hat in seinem Experiment Weibchen und Männchen getrennt, um zu sehen, wie vor allem das männliche Geschlecht reagiert. Tatsächlich verhielten sich die Männchen anders, als die Weibchen nicht mehr ins Heim zurückkehrten. Der eigentlich aktive Mäuserich verwandelte sich in kurzer Zeit zu einem antriebslosen Wesen. Er verfiel in eine Art Depression. Als Beweis dafür verabreichte Bosch den leidenden Mäusen Antidepressiva. Der Zustand verbesserte sich sogleich.

 

Botenstoff für Emotionen ist Schuld

Oliver Bosch hat auch herausgefunden, warum die Wühlmäuse in den antriebslosen Zustand verfallen. Der Botenstoff CRH löste die Mäusedepressionen aus. Der Stoff ist in den Hirnregionen aktiv, die mit Emotionen und Stressverarbeitung zu tun haben. In einer langen Partnerschaft erlebt man beides. Jede Maus, die eine Beziehung mit einer anderen eingegangen war, zeigte im Test erhöhte Werte. Bei einer längeren Trennung kam es dann zu den unangenehmen Gefühlen. Um diese zu vermeiden, kehren die männlichen und weiblichen Wühlmäuse stets zu ihrem Partner zurück.

Eine Trennung wie einen Schmerz zu empfinden, ist die größte Motivation zu dem Partner zurückzukehren. Das hat zur Folge, dass die Mäuse bei einem Partner bleiben und so das Überleben der Nachkommen sichern. Dasselbe soll auch für die Menschen gelten: Auch Menschen schmerzt es körperlich, wenn sie sich aus einer Beziehung lösen. Stress und Depressionen können in diesem Fall nur vermieden werden, wenn man in der Beziehung bleibt. Liebeskummer ist also ein einfacher Trick der Natur, das Überleben zu sichern.

Quelle:

christian-sander.net

sueddeutsche.de

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