Europas modernster neurochirurgischer Operationssaal eröffnet – Internationales Symposium

Der bewegliche intraoperative MRT wird bei Operationen von Hirntumoren, bei Epilepsieeingriffen, zur Tiefenhirnstimulation, bei Operationen an der Hirnanhangsdrüse sowie bei Aneurysma-Operationen eingesetzt. Er ermöglicht minimalinvasive mikrochirurgische Operationen unter Schonung von Funktionsarealen und Hirnbahnen. Für den Patienten bedeutet dies ein erheblich geringeres Operationsrisiko.

Mit Hilfe der Bildgebung können die Resektionsausmaße, also die Ausmaße des entfernten Gewebes, bereits während der Operation überprüft und gegebenenfalls Resttumoranteile entfernt werden. Des Weiteren können mit dem intraoperativen MRT spezielle Sequenzen, sogenannte Diffusions-Tensor-Sequenzen (abgekürzt DTI von engl. diffusion tensor imaging), zur Darstellung von Hirnbahnen noch während der Operation durchgeführt werden. Mit funktionellen MRT-Bildern können der Motorcortex (Hirnareal zur Steuerung der Bewegung) aber auch die Sprachareale im Gehirn eindeutig lokalisiert, sensible Hirnareale und die wichtigsten Verbindungen des hochkomplexen neuronalen Netzwerkes im Gehirn noch während des operativen Eingriffes dargestellt werden. Die funktionelle Bildgebung wird vor allem bei Wach-Operationen eingesetzt, wenn Tumoren im Sprachareal entfernt werden müssen. Dabei wird der Patient nicht in Narkose versetzt, er kann auf Anweisungen des Arztes reagieren.

Entscheidende Vorteile des neuen intraoperativen MRT-Systems im Vergleich zur herkömmlichen Technik sind, dass weder Patient noch der OP-Tisch für die Aufnahmen an Kopf oder Halswirbelsäule bewegt werden müssen. Dies erhöht die Patientensicherheit. Da der MRT nur bei Bedarf in den Saal gefahren wird, hat das Team aus Neurochirurgen und Anästhesisten mehr Platz im OP. Die Geräuschbelastung vor allem bei langen Eingriffen durch die Heliumpumpe des MRT fällt weg. Das vollintegrierte Multimediasystem erlaubt es, Operationen zur Ausbildung von Studenten in den Hörsaal und bei Konferenzen auch weltweit zu übertragen. Fragen an den Operateur können via Übertragung noch während des Eingriffs gestellt und beantwortet werden.

Finanziert wurde das rund fünf Millionen Euro teure Projekt mit dem Gerät der kanadischen Firma IMRIS (Winnipeg, Kanada) mit einer Million Euro aus den Investitionsmitteln des Klinikums und vier Millionen Euro aus Landesmitteln.

Das Programm des Symposiums finden Sie im Anhang.

Universitätsklinikum Tübingen
Das 1805 gegründete Tübinger Universitätsklinikum gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin und trägt als eines der 32 Universitätsklinika in Deutschland zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei.
Mit rund 3200 Operationen im Jahr zählt die Tübinger Universitätsklinik für Neurochirurgie zu den größten neurochirurgischen Zentren in Deutschland.

Die Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT)
wurde in den 70er Jahren entwickelt. Das bildgebende Verfahren kommt ohne Röntgenstrahlen aus und basiert – vereinfacht gesagt – auf dem Verhalten der Wasserstoffatome in einem sehr starken Magnetfeld. Tübingen erhielt bereits 1984 eines der ersten Geräte. Die Untersuchung in modernen MR-Tomographen ist heutzutage – je nach untersuchtem Organ – sehr viel schneller als früher. Mit der Methode lassen sich vor allem viele Organe und Weichteilgewebe im Körper sehr gut darstellen und Details, z.B. des Gehirns, des Rückenmarks oder der Gelenke sind damit am besten zu erkennen. Durch schnelle Aufnahmeverfahren können sogar Organe in Bewegung dargestellt werden, wie beispielsweise ein schlagendes Herz.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen

Klinik für Neurochirurgie

Dr. Dr. Günther C. Feigl

Leiter des Bereichs Intraoperative Bildgebung und Navigation

Hoppe-Seyler-Str. 3, 72076 Tübingen

Tel. 07071/29-8 64 41

E-Mail guenther.feigl@med.uni-tuebingen.de

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