Europäischer Forschungsrat bestätigt UKE-Wissenschaftler

Durch die drei UKE-Auszeichnungen landet die Freie- und Hansestadt Hamburg als eines der kleineren Bundesländer hinter den bayerischen Universitäten (insgesamt 11 Auszeichnungen für verschiedene Fakultäten) und Baden-Württemberg (4 Auszeichnungen verschiedener Fakultäten) auf dem dritten Platz (3 UKE-Auszeichnungen). Die hochdotierten Auszeichnungen werden an europaweit herausragende Forscher vergeben, die für neue hoch innovative Forschungsvorhaben die nötigen Freiheiten erhalten sollen. Gefördert wird Forschung, die erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt. Alleinige Auswahlkriterien in der Begutachtung sind die erwiesene herausragende wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller sowie die Originalität und Stimmigkeit der Projektvorschläge.

„Dass das UKE mit gleich drei ERC Grants ausgezeichnet wird, ist ein großartiger Erfolg für das gesamte UKE und zeigt, dass wir uns inzwischen auch auf Europäischer Ebene sehr gut positionieren können. Die Auszeichnungen bestätigen unseren Kurs, in der Forschung zunehmend auf Schwerpunktbildung zu setzen“, sagt Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE. „Dass es gelungen ist, gleich drei ERC Grants ans UKE zu holen ist ein Riesen-Erfolg und zeigt, dass die Forschungsstrategie des UKE die richtigen Akzente setzt. Wir gratulieren den erfolgreichen Antragstellern“, sagt Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät und UKE-Vorstandsmitglied.

Hamburgs Wissenschaftssenatorin und Kuratoriumsvorsitzende des UKE, Dr. Herlind Gundelach, freut sich ebenfalls über den Erfolg: „Ich gratuliere den drei Wissenschaftlern sehr zu dieser Anerkennung ihrer exzellenten Arbeit. Ihre Projekte und erfolgreichen Anträge zeigen, dass das UKE hervorragende Voraussetzungen bietet, um in diesem höchst angesehenen, europaweiten Wettbewerb bestehen zu können. Für den Wissenschaftsstandort Hamburg insgesamt ist es ein tolles Zeichen, dass gleich drei ERC Grants im Bereich der Medizin an das UKE nach Hamburg gehen.“

Zum Forschungsprojekt von Prof. Christian Büchel (Neurowissenschaften): In diesem Projekt geht es darum, wie körpereigene Stoffe die Schmerzverarbeitung modulieren können, das heißt wie die Faktoren Erwartung (was erwarte ich vom Arzt) und Erfahrung (wie gut war die letzte Therapie) sich auf die Schmerzverarbeitung auswirken. Weiterhin wollen wir dies auch im Bereich der Atmung untersuchen. Hier knüpfen wir an viele Beobachtungen an, die zeigen, dass z.B. Asthmatiker schon beim Anblick des Agens gegen das sie allergisch sind einen Asthmaanfall bekommen können. Dieses Phänomen ist durch das Gehirn vermittelt und wir möchten untersuchen welche Gehirnsysteme dafür zuständig sind, sodass man in der Zukunft besser therapeutisch intervenieren kann.

Zum Projekt von Prof. Engel (Neurowissenschaften): Die Integration von Signalen aus verschiedenen Sinnessystemen ist eine sehr komplexe Aufgabe, die unser Gehirn täglich in fast spielerischer Weise bewältigt. Trotz intensiver Forschungen auf diesem Gebiet ist bislang weitgehend ungeklärt, aufgrund welcher Mechanismen diese multisensorische Integration erfolgt. Professor Andreas Engel möchte in dem Projekt, das er zusammen mit Professor Peter König von der Universität Osnabrück eingeworben hat, einen neuen Ansatz zur Erklärung dieses Phänomens verfolgen. Die beiden Forscher gehen davon aus, dass die Interaktion zwischen verschiedenen Sinnessystemen im Gehirn dadurch erfolgt, dass die beteiligten Nervenzellen ihre Aktivität synchronisieren, also in einen Gleichtakt bringen. Diese dynamische Kopplung könnte, so ihre Hypothese, die Grundlage für die Einheit unserer Wahrnehmungseindrücke bilden. Das interdisziplinäre Projekt, das die EU nun mit fast 3.5 Millionen Euro fördern will, vereint psychologische Forschungsansätze mit Neurobildgebung und computergestützter Modellbildung. Über die Grundlagenforschung im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften hinaus schlägt das Projekt die Brücke zu anwendungsbezogenen Fragestellungen. So sollen Störungen der multisensorischen Wahrnehmung bei Patienten untersucht und mögliche Strategien zur Verbesserung von Wahrnehmungsleistungen exploriert werden.

Zum Projekt von Professor Klaus Pantel: Brust-, Prostata-, Lungen- und Darmtumoren sind verantwortlich für 90 Prozent aller neuen Krebserkrankungen in Europa. Die derzeitige Diagnostik basiert hauptsächlich auf der Erfassung der Größe der Tumoren, der Prüfung, ob Metastasen die Lymphe befallen haben, und auf der Sichtbarmachung von möglichen Metastasen durch bildgebende Verfahren. Diese diagnostischen Methoden sind nicht geeignet, um die Verbreitung von Tumorzellen – das Schlüsselereignis der Metastasenbildung – frühzeitig zu erfassen. Das Forscherteam um Prof. Dr. Klaus Pantel hat eine Methode entwickelt, mit der auch einzelne Tumorzellen im Blut und im Knochenmark aufgespürt werden können und auf molekularer Ebene charakterisiert werden. Die Methode erlaubt die direkte Beurteilung sich ausbreitender Tumorzellen und darüber hinaus das Feststellen des therapeutischen Ansatzpunktes des an Krebs Erkrankten. In Zusammenarbeit mit Forschern aus ganz Europa hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt, die Früherkennung einer Metastasierung bei den vier häufigsten Krebserkrankungen durch Blut- und Knochenmarktests zu ermöglichen.

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