Europäische Teilchenbeschleuniger-Community veröffentlicht erstes Branchen-Kompendium

Bereits Goethe ließ seinen Faust aussprechen, was bis heute die Menschheit – insbesondere die Physik bewegt – nämlich was die Welt im Innersten zusammenhält. Dafür wurden bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts Teilchenbeschleuniger entwickelt, mit deren Hilfe man unter anderem Struktur von Materie,Elementarteilchen und deren
Wechselwirkungen untersucht. Das wohl bekannteste Beispiel ist der weltgrößte
Teilchenbeschleuniger in CERN. Daneben existieren aber weitaus mehr Beschleunigeranlagen, als man erahnt. Über 17.000 Anlagen, darunter einige Hundert in der Forschung und über 7.000 in der Medizin dienen den unterschiedlichsten Anwendungen.

Eine Kernkompetenz des Fraunhofer FEP ist seit über 25 Jahren die versierte Entwicklung
von Elektronenstrahltechnologien und die Nutzung der beschleunigten Elektronen für verschiedenste Anwendungen in der Oberflächenbearbeitung und Veredelung. Angewandt in klassischen Bereichen wie der Metallbearbeitung, Automobilindustrie aber auch in auf den ersten Blick ungewohnten Branchen wie der Saatgutbehandlung, und neuerdings auch der Medizin und Pharmazie, können niederenergetische Elektronen großen Nutzen erzielen. Neben der Technologieentwicklung hat sich das Fraunhofer FEP bereits über die Jahrzehnte einen Namen in der Konzeption und Bereitstellung kompletter, kundenspezifischer Elektronenstrahlanlagen gemacht.

So lag es nahe, dass das Institut auch zur Mitarbeit in der APAE-Arbeitsgruppe gebeten wurde. Bei der daraus entstandenen APAE-Broschüre handelt es sich um das Ergebnis der gleichnamigen Arbeitsgruppe, welche industrielle und politische Entscheider über Stand und Potenzial der unterschiedlichsten Arten von Teilchenbeschleunigern, ihre Anwendungen sowie ihren Nutzen auf den Gebieten Gesundheit, Industrie, Energie, Sicherheit und Analytik umfassend informieren soll. Sie erklärt sehr anschaulich den aktuellen Stand der Technik und das breit gefächerte Einsatzspektrum von Teilchenbeschleunigern, das in der öffentlichen Wahrnehmung meist nur auf die Großforschungseinrichtungen begrenzt ist.

Weitestgehend unbekannt sind dagegen die vielfältigen etablierten industriellen Technologien, die zum Beispiel auf Elektronenstrahlquellen basieren. Ein erfolgreiches
Beispiel ist hier der langjährige Einsatz von mobilen Saatgutbehandlungsanlagen, die
vor Ort flexibel einsetzbar sind. Des Weiteren identifiziert sie zukünftige Entwicklungsschwerpunkte sowie den Förder- und Bildungsbedarf in diesen Sektoren und stellt die Bedeutung der Teilchenbeschleuniger für die Forschung und Industrie in Europa und ihre daraus resultierenden Auswirkungen auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen heraus.

Experten aus Wissenschaft, Forschung und Industrie arbeiteten fachübergreifend als
Co-Autoren an der Broschüre mit. Frank-Holm Rögner, Leiter der Abteilung „EB-Prozesse“
am Fraunhofer FEP, war dabei maßgeblich an der Entstehung des Unterkapitels
„Accelerators and Industry – Very Low-Energy E-Beams“ beteiligt.

„Es ist das erste Mal, dass das gesamte Branchenspektrum der EU zusammengearbeitet
hat – von den Höchstenergiebeschleunigern der Grundlagenforschung, bis zu den
Niederenergieanwendungen in der industriellen Produktion“, erklärt Frank-Holm
Rögner. „So ist erstmals ein umfassender Überblick der europäischen Kompetenz auf
dem Gebiet der Teilchenbeschleuniger entstanden. Das ist nicht selbstverständlich,
denn auch innerhalb der Community der Teilchenbeschleuniger gibt es Nachholbedarf
in der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Technologien und Anwendungen.
Umso höher ist deshalb der Erfolg einzustufen, dass das Fraunhofer FEP aktuell
Partner in einem der größten Europäischen Netzwerkprojekte für Teilchenbeschleuniger
ARIES (Accelerator Research and Innovation for Europe Science and Society) mit
insgesamt 41 Partnern ist (Förderkennzeichen 730871). Damit haben wir entscheidend
dazu beigetragen, die industrielle Bedeutung der Niederenergie-Elektronenstrahltechnik
auch in der Europäischen Forschungslandschaft richtungsweisend zu verankern.“

Das erste ARIES Jahrestreffen wird vom 22. bis 25. Mai 2018 in Lettlands Hauptstadt an
der Technischen Universität Riga stattfinden. Dabei werden sich die Partner zu Themen
wie zum Beispiel aktuelle sowie zukünftige Konzepte und Elektronenstrahltechnologien sowie deren Anwendungen austauschen.
Gleichzeitig wird auch am Fraunhofer FEP an der kontinuierlichen Weiterentwicklung und Optimierung der Technologien für neue Anwendungen und an dafür passgenauen Hardwarekomponenten und -konzepten gearbeitet. Schwerpunkt der Entwicklungsaktivitäten des Fraunhofer FEP ist die Verknüpfung der umweltfreundlichen Aspekte der Technologie mit einer energieeffizienten und wirtschaftlichen Gestaltung der Prozessketten bei unseren Kunden.

Die Broschüre ist frei verfügbar und als PDF bei allen Partnern abrufbar.

APAE Broschüre als PDF:
http://apae.ific.uv.es/apae/wp-content/uploads/2015/04/EuCARD_Applications-of-Accelerators-
2017.pdf

ARIES: https://aries.web.cern.ch

Weiterführende Informationen zum 1. ARIES Jahrestreffen in Riga:
https://indico.cern.ch/event/699219

Pressekontakt:

Frau Annett Arnold

Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP
Telefon +49 351 2586 333 | presse@fep.fraunhofer.de
Winterbergstraße 28 | 01277 Dresden | Deutschland | www.fep.fraunhofer.de

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