Europäische Millionenförderung für FMP-Spitzenforscher

Thomas Jentsch ist Physiker und Mediziner. Zusammen mit seinen Kollegen eröffnete er bereits vor Jahren ein völlig neues Forschungsfeld im Bereich des Ionentransports. In einem elektrischen Organ des Zitterrochens identifizierten und isolierten sie das Gen für einen spannungsabhängigen Chloridkanal. Ein von diesem Gen kodiertes Protein schleust das negativ geladene Chlorid-Ion in Abhängigkeit von der elektrischen Spannung durch die Zellmembran. Inzwischen sind knapp ein Dutzend verschiedene Gene für verwandte Chloridtransporter auch bei Säugetieren und dem Menschen bekannt. Sie haben unterschiedliche Funktionen in den verschiedenen Geweben und Zellen. Neben der Charakterisierung ihrer grundlegenden biophysikalischen Eigenschaften interessierte Thomas Jentsch vor allem die Rolle dieser Transportproteine in die Zelle und im Organismus, sowie ihre Beteiligung bei humangenetischen Erkrankungen. So entdeckten er und seine Mitarbeiter, dass diese Chloridtransporter bei mehreren Erbleiden mutiert sind, deren Krankheitsmechanismus er dann oft im Detail untersuchte. Dies schließt so unterschiedliche Erkrankungen wie Nierensteine, Taubheit, lysosomale Speicherkrankheit und Neurodegeneration, Osteopetrose (zu starke verkalkte Knochen) und Muskelsteifigkeit (Myotonie) ein. Thomas Jentsch dehnt seine Arbeiten auf andere Ionentransportprozesse aus, so z.B. Kaliumkanäle – dies immer mit einem starken Fokus auf Physiologie und Pathologie. So konnte sein Labor zeigen, dass Mutationen in bestimmten Kaliumkanälen zu einer Form der Neugeborenenepilepsie oder zu Taubheit und Sensibilitätsstörungen führt.

Thomas Jentsch ist Leiter der Arbeitsgruppe Physiologie und Pathologie des Ionentransports am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin-Buch. Die Arbeitsgruppe wird zu gleichen Teilen vom FMP (Leibniz-Gemeinschaft) und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch (Helmholtz-Gemeinschaft) finanziert. Thomas Jentsch ist gleichzeitig Professor an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Zur Person
Thomas J. Jentsch studierte Humanmedizin und Physik an der Freien Universität in Berlin (FU). 1982 promovierte er am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (Berlin) bei Prof. Dr. Block. Zwei Jahre später, 1984, folgte die Promotion in Medizin am Institut für Klinische Physiologie der Freien Universität Berlin bei Prof. Dr. Wiederholt. Danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klinische Physiologie an FU Berlin. Zwischen 1986 und 1988 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung von Harvey F. Lodish am renommierten Whitehead-Institut für biomedizinische Forschung des Massachusetts Institute of Technology. 1988 ging er nach Hamburg und war bis 1993 Leiter einer Arbeitsgruppe am Zentrum für Molekulare Neurobiologie der Universität Hamburg. Von 1993 bis 2006 war er Professor und Direktor des Instituts für Molekulare Neuropathobiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Von 1995 bis 1998 und erneut von 2001 bis 2003 war Jentsch Direktor des Zentrums für Molekulare Neurobiologie in Hamburg (ZMNH).
2006 wechselte er nach Berlin und wurde Leiter der Arbeitsgruppe „Physiologie und Pathologie des Ionentransports“ am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und dem MDC in Berlin-Buch. Jentsch ist zudem Gründungsmitglied des Exzellenzclusters NeuroCure an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, wo er seit 2007 forscht.

Kontakt
Prof. Thomas J. Jentsch
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin
Tel: 0049-30-9406-2961
E-mail:Jentsch@fmp-berlin.de
Internet http://

Pressestelle
Silke Oßwald
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin
Tel: 0049-30-94793-104
E-mail osswald@fmp-berlin.de
Internet http://

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