Europäische Kampagne: Instandhaltungsarbeiten sicherer machen

Ob Störungsbeseitigung oder Wartung: Die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen ist unverzichtbar, um Gefährdungen am Arbeitsplatz und wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. Dabei gehört die Instandhaltung zu den Tätigkeiten, die für das Personal mit hohen Risiken verbunden ist. Schätzungen zufolge sind in Europa 10 bis 15 Prozent aller tödlichen Unfälle bei der Arbeit auf Instandhaltungsarbeiten zurückzuführen. Alle Beteiligten sind daher verpflichtet, diese ordnungsgemäß durchzuführen und dabei die Belange des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes zu berücksichtigen.

Laut einer Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ereignete sich in Deutschland zwischen 1999 und 2008 mehr als jeder fünfte tödliche Unfall (22 Prozent) in der gewerblichen Wirtschaft bei Instandhaltungsarbeiten. Dabei bildeten die Störungsbeseitigung einer unbeabsichtigten Unterbrechung (6,5 Prozent) und der Austausch von Bauelementen (6 Prozent) deutliche Unfallschwerpunkte. Bei mehr als jedem vierten Unfall spielten Mängel an der Arbeitsstätte eine Rolle. Nach Verhaltensfehlern (90 Prozent) gehören Organisation (35,7 Prozent) und technische Mängel (18,7 Prozent) zu den häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle bei der Instandhaltung.

Die Gründe liegen auf der Hand: Insbesondere bei der Störungsbeseitigung befinden sich Maschinen nicht immer in sicherem Zustand. Zudem müssen häufig Schutzvorrichtungen außer Kraft gesetzt werden, um Reparaturen durchführen zu können. Zusätzlich kann es zu Gefährdungen durch Gefahrstoffe kommen, die der Betrieb produziert oder in der Produktion einsetzt. Die oft schwere körperliche Arbeit findet meistens unter Zeitdruck statt, da sich der Produktionsausfall in Grenzen halten soll.

Probleme tauchen aber auch bei der Revision von Anlagen und Maschinen auf. Oft führen Fremdfirmen die regelmäßige Wartung von Anlagen durch. Hier kann es allein durch fehlende Handlungsanleitungen, aber auch durch mangelnde Einweisungen zu Unfällen kommen. Dabei spielt auch der enge Terminplan der Instandhaltungsservices eine große Rolle. Durch Zeitmanagement und bessere Organisation lassen sich jedoch die Belastungen und Gefährdungen deutlich senken.

Dass bei Revisionen höhere Belastungen zu erwarten sind, zeigte unter anderem der Forschungsbericht F 1054 der BAuA „Staubbelastungen in Müllverbrennungsanlagen“ (<www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1504.html>). Bei Revisionsarbeiten wurden die Grenzwerte für Stäube überschritten. Unsachgemäße Benutzung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) bei Reinigungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten verschärft noch die Situation. Bei einer weiteren Studie waren rund drei Viertel der Arbeiter bei Servicefirmen sind nicht gut geschützt, weil PSA nicht korrekt bereitgestellt oder getragen wurde oder ungeeignete PSA zur Verfügung stand.

Andererseits gibt es aber auch in Deutschland genügend Beispiele guter Praxis, die zeigen, wie sich die Sicherheit bei der Instandhaltung verbessern lässt. Dazu veranstaltet die BAuA am 26. Oktober 2010 den Workshop „Handlungsfehler und Unfälle bei der Instandhaltung vermeiden“.

Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Sozialpartner, Sicherheitsbeauftragte, Fachkräfte für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Präventionsdienste und andere Akteure werden aufgerufen, sich an der Kampagne aktiv zu beteiligen.
Fragen zur Kampagne beantwortet die nationale Kontaktstelle der EU-OSHA: Tel.:030-18 527 6766, E-Mail: <reinhard.gerber@bmas.bund.de> , <http://osha.europa.eu/fop/germany/de/>.

Für die Kampagne stellt die Europäische Arbeitsschutzagentur eine Reihe von Materialien bereit, die auch vom Internetauftritt der Kampagne <http://hw.osha.europa.eu> heruntergeladen werden können. Dazu gehört ein Leitfaden zur Kampagne, der das Thema Instandhaltung kurz und prägnant beleuchtet. Weitere Hintergrundinformationen enthalten die Faktenblätter Facts 88 „Sichere Instandhaltung – Sicherheit für alle“, Facts 89 „Sichere Instandhaltung – Für Arbeitgeber“ und Facts 90 „Bedeutung der Instandhaltung für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit aus statistischer Sicht“. Darüber hinaus stellt die Agentur Werbematerialien wie Poster und Flyer zur Verfügung.

Das in deutscher Sprache gedruckte Informationsmaterial zur Kampagne kann über das Informationszentrum der BAuA, Telefon 0231.90 71 20 71, Fax 0231.90 71 20 70, E-Mail <info-zentrum@baua.bund.de> oder über die nationale Kontaktstelle angefordert werden.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
(idw, 05/2010)

Scroll to Top