EU vergibt 14 Millionen Euro Fördergelder an UZH-Forschende

Zwei Biochemiker der Universität Zürich (UZH) haben gemeinsam einen ERC Synergy Grant erhalten, ein neues Förderinstrument des Europäischen Forschungsrates (ERC). Mit bis zu 10 Millionen Euro werden Gruppen von zwei bis vier herausragenden Forschenden und ihre Teams mit verschiedenen komplementären Kompetenzen dabei unterstützt, interdisziplinäre Forschungsprojekte für maximal sechs Jahre durchzuführen.

Zelluläre Rezeptorstrukturen mit sehr hoher Auflösung

Ziel der Biochemiker Andreas Plückthun und Ohad Medalia ist es, ein neuartiges, hochauflösendes 3D-Verfahren zu entwickeln, um die Struktur biologischer Moleküle in einer Zelle sichtbar zu machen. Sie interessieren sich vor allem für die Oberflächenrezeptoren der Zellen, die Signale von aussen in die Zelle übertragen – ein Prozess, den es strukturell zu verstehen gilt, um neue Medikamente zu entwickeln. Die Rezeptoren sind jedoch sehr flexibel und anpassungsfähig. Daher stossen bestehende strukturbiologische Methoden an ihre Grenzen, um solche zellulären Prozesse im atomaren Detail zu beobachten. Gemeinsam mit Teams aus Spanien und Dänemark wollen die UZH-Wissenschaftler eine Lösung entwickeln, die Protein-Engineering, Elektronentomographie, Mathematik und Proteomik kombiniert.

Mit den Consolidator Grants fördert der ERC herausragende Forschende mit sieben bis zwölf Jahren Postdoc-Erfahrung. Die Projekte der Forschenden werden mit maximal 2 Millionen Euro für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren gefördert. Fünf UZH-Forscherinnen und -Forscher wurden mit einem der begehrten Grants ausgezeichnet.

Wie Menschen auf Gefahr reagieren

Weglaufen, ausweichen, sich wegducken und beobachten – Dominik Bach von der Psychiatrischen Universitätsklinik will in seinem Projekt verstehen, mit welchen psychologischen und neuronalen Mechanismen der Mensch mit bedrohlichen Situationen umgeht und ein breites Spektrum möglicher Handlungen koordiniert. Mit Hilfe von Virtual-Reality-Techniken, die den Probanden ein Gefühl der Gefahr vermitteln, werden die Forschenden ihre Bewegungen verfolgen und neuronale Reaktionen mittels Magnetenzephalographie aufzeichnen. Dies soll weitere Erkenntnisse über psychische Erkrankungen wie Phobien oder posttraumatische Belastungsstörungen liefern, aber auch helfen, korrektes Verhalten in gefährlichen Arbeitsumgebungen zu trainieren.

Entwicklung und Funktion von Fresszellen im Gehirn

Als Teil des angeborenen Immunsystems sind Makrophagen entscheidend für die Erkennung und das «Fressen» von Krankheitserregern. Melanie Greter vom Institut für Experimentelle Immunologie und ihr Team sind an einer speziellen Art von Makrophagen interessiert – jene im Gehirn. Diese Zellen stammen aus embryonalen Vorläufern und beginnen bereits vor der Geburt, wichtige Aufgaben in der Gehirnentwicklung zu erfüllen. Ziel dieses Projekts ist es, zu untersuchen, welche Faktoren wichtig für die Entwicklung der verschiedenen Hirnmakrophagen sind, und welche funktionelle Spezialisierung sie in verschiedenen Lebensabschnitten erfüllen. Darüber hinaus will das Team die Funktion dieser Fresszellen bei verschiedenen Hirnerkrankungen besser verstehen.

CRISPR 2.0: Molekulare Werkzeuge der nächsten Generation

Bakterien haben verschiedene Mechanismen, mit denen sie sich gegen Virusinfektionen wehren. Ein solches Antivirensystem, CRISPR-Cas, wurde zu einer leistungsfähigen Gentechnologie entwickelt, die Grundlagenforschung, Biotechnologie und Medizin revolutioniert hat. Die Technologie ist sehr effizient und spezifisch, jedoch in bestimmten Anwendungen sind ihre Möglichkeiten beschränkt. Martin Jinek und sein Team vom Biochemischen Institut werden über die bereits bekannten CRISPR-Cas-Systeme hinausschauen und die molekularen Mechanismen von weniger bekannten genetischen Abwehrsystemen von Bakterien untersuchen. Ihr Ziel ist es, neue molekulare Werkzeuge zu entwickeln.

Umstrittene Aspekte moderner Handelsabkommen

Nach Jahrzehnten der Liberalisierung haben die Zölle ein historisch niedriges Niveau erreicht, sodass nicht mehr viel Spielraum für weitere Zollsenkungen bleibt. Daher drehen sich moderne Handelsabkommen heute weitgehend um nichttarifäre Fragen, um auf anderem Weg eine weitere wirtschaftliche Integration zu erreichen. In seinem Projekt untersucht Ralph Ossa vom Institut für Volkswirtschaftslehre die umstrittensten Aspekte solcher Integrationsabkommen, nämlich Investorenschutz, regulatorische Zusammenarbeit und Schutz der Rechte am geistigen Eigentum.

Populäre Gegenreaktion gegen internationale Institutionen

Stefanie Walter vom Institut für Politikwissenschaft untersucht, wie nationale Referenden zur Umkehrung internationaler Integration – etwa die Schweizer Masseneinwanderungsinitiative oder die britische Brexit-Abstimmung – in anderen Ländern nachhallen. Wann und wie fördert eine solche Abstimmung ähnliche Forderungen im Ausland oder schreckt sie ab? Wie werden diese Effekte von einheimischen Eliten und Diskursen geprägt? Inwieweit tragen die übrigen Mitgliedsstaaten den Forderungen des Referendumslandes während der Desintegrationsverhandlungen Rechnung? Das Projekt wird Erkenntnisse dazu liefern, wie sich die wachsende gesellschaftliche Gegenreaktion gegen internationale Institutionen auf die Stabilität des internationalen Systems auswirkt.

ERC Synergy Grant 2018

Prof. Andreas Plückthun und Prof. Ohad Medalia zusammen mit Prof. José Maria Carazo (Autonome Universität Madrid) und Prof. Jesper Velgaard Olsen (Universität Kopenhagen) für das Forschungsprojekt “A synergistic approach toward understanding receptor signaling in the cell at very high resolution” (HighResCells)
Fördersumme: 8,3 Millionen EUR (davon 4,7 Millionen EUR für die UZH)
Institut für Völkerrecht und ausländisches Verfassungsrecht, UZH
plueckthun@bioc.uzh.ch

ERC Consolidator Grants 2018

Prof. Dominik Bach für das Forschungsprojekt “Action-Selection Under Threat: the Complex Control of Human Defence” (ActionContraThreat)
Fördersumme: 1’998’750 EUR
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Psychiatrische Universitätsklinik dominik.bach@uzh.ch

Prof. Melanie Greter für das Forschungsprojekt “Regulation of Brain Macrophage Development and Function” (MADEFUN)
Fördersumme: 1’995’500 EUR
Institut für Experimentelle Immunologie, UZH
greter@immunology.uzh.ch

Prof. Martin Jinek für das Forschungsprojekt “Microbial genome defense pathways: from molecular mechanisms to next-generation molecular tools” (CRISPR2.0)
Fördersumme: 1’992’525 EUR
Biochemisches Institut, UZH
jinek@bioc.uzh.ch

Prof. Ralph Ossa für sein Forschungsprojekt “Deep Integration Agreements” (DIA)
Fördersumme: 1’433’281 EUR
Institut für Volkswirtschaftslehre, UZH
ralph.ossa@econ.uzh.ch

Prof. Stefanie Walter für sein Forschungsprojekt “The Mass Politics of Disintegration” (DISINTEGRATION)
Fördersumme: 1’998’626 EUR
Institut für Politikwissenschaft, UZH
walter@ipz.uzh.ch

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