EU-OPENSCREEN Symposium anlässlich der Aufnahme auf die BMBF-Roadmap für Forschungsinfrastruktur

Ehrgeizige Forschungsvorhaben benötigen sowohl eine gezielte Förderung durch nationale Mittel als auch internationale Zusammenarbeit – das gilt auch für die biomedizinische Forschung. Die Biowissenschaften haben in den vergangenen Jahren immer genauere Einsichten in die physiologischen Abläufe und die Entstehung von Krankheiten gewonnen, allerdings hapert es häufig noch bei der Umsetzung in entsprechende Therapien.
Um die Suche nach neuen Wirkstoffen voranzutreiben, können heute hochleistungsfähige Roboter riesige Substanz-Sammlungen auf gewünschte physiologische Wirkungen hin testen. Seit 2003 arbeiten am FMP in Berlin-Buch schon solche Roboter in der sogenannten Screening-Unit. Neben den FMP-Forschern nutzt insbesondere das benachbarte Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) die Einrichtung für viele seiner Forschungsprojekte, prinzipiell haben aber alle Antragssteller Zugang zu dieser einzigartigen Hochtechnologie. Die Substanzsammlung am FMP ist inzwischen auf mehr als 60.000 angewachsen – dem gegenüber stehen allerdings über 30 Millionen chemischer Verbindungen, die heutzutage prinzipiell kommerziell verfügbar wären und die sich bei Bedarf weiter chemisch abwandeln ließen.
Das Projekt EU-OPENSCREEN möchte daher seine Kapazitäten ausbauen und ähnliche Forschungszentren in ganz Europa miteinander vernetzen, wobei die Daten im Gegensatz zur industriellen Pharmaforschung öffentlich zugänglich sein sollen. Die gefundenen Wirkstoffe können neue Werkzeuge für die Grundlagenforschung sein, aber auch Ausgangspunkt für neuartige Medikamente, Pflanzenschutzmittel und anderes.
Das BMBF hatte 2011 den Wissenschaftsrat beauftragt, große wissenschaftliche Infrastrukturvorhaben zu prüfen; in der nun veröffentlichten „Roadmap für Forschungsinfrastrukturen“ wird EU-OPENSCREEN neben zwei physikalischen Großvorhaben als besonders förderungswürdige neue Forschungsinfrastruktur herausgestellt. Die hohe Priorisierung gibt der Großfahndung nach Wirkstoffen neuen Rückenwind: „Wir haben uns riesig über diese Entscheidung gefreut, schließlich arbeiten wir schon seit 2005 auf dieses Ziel hin“, sagt Ronald Frank, Koordinator von EU-OPENSCREEN. „Damals wurde offensichtlich, dass die Wissenschaftler solche Einrichtungen benötigen, und wir begannen, ein Netzwerk von Instituten aufzubauen – in Deutschland ChemBioNet.“ Das FMP hat gemeinsam mit dem MDC und dem Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) das Projekt erarbeitet und gleichzeitig die Gesamtkoordination der europäischen Initiative übernommen. Durch die nationale Anerkennung sieht sich Ronald Frank in den komplizierten Verhandlungen mit den europäischen Partnern bestärkt. Innerhalb des Netzwerks soll künftig jeder raschen Einblick erhalten, wo welche Substanzen vorhanden sind und welche Ergebnisse bislang mit ihnen erzielt wurden.
Konkret planen die Verantwortlichen nun am FMP ein neues Gebäude, um dem wachsenden Platzbedarf des Projekts zu genügen; beim BMBF sind dafür 14 Millionen Euro beantragt: „Bei uns hier am FMP passt nichts mehr rein“, so Ronald Frank. Mit ihm zusammen freut sich FMP-Direktor Volker Haucke über den Erfolg: „Die Gesellschaft erwartet zu Recht, dass aus der biologischen Grundlagenforschung ein medizinischer Nutzen entspringt. EU-OPENSCREEN wird gemeinsam mit dem in der Gründung befindlichen Berlin Institute of Health dazu beitragen, Berlin als führendes Zentrum der translationalen Medizin zu etablieren.“

Ansprechpartner
Dr. Ronald Frank
Tel.: 0049-30-9406 3066
Email: office@eu-OPENSCREEN.eu

Das Symposium beginnt heute um 13:00 Uhr und findet im Großen Seminarraum des Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) statt. Den Ablauf und Sprecher finden Sie auf der FMP-Website.
Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin

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