Essstörungen: Internationale Forschergemeinde trifft sich in diesem Jahr in Leipzig

Nachts zum Kühlschrank und alles essen, was einem in die Hände fällt. Im Grunde ist nichts dabei. Nur wer häufig und regelmäßig diese Essanfälle bekommt, also unter einer Binge-Eating-Störung leidet, wird über kurz oder lang übergewichtig. Und das hat Folgen. „Essstörungen treten häufig auf und führen zu schweren psychischen und körperlichen Beschwerden“, sagt Prof. Dr. Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen der Leipziger Universitätsmedizin. Auf dem diesjährigen Kongress der Eating Disorders Research Society, den sie in Leipzig ausrichtet, wird sie über die Behandlungswirklichkeit dieser Essstörung referieren. Welche psychologischen und medizinischen Ansätze sind bei der Binge-Eating-Störung wirksam? Wie sollte eine optimale Behandlung aussehen?

„Denn häufig werden Essstörungen wie die Binge-Eating-Störung gar nicht oder nicht hinreichend behandelt“, erklärt die Expertin. Oft werde eine Essstörung nicht wahrgenommen. „Essstörungen, insbesondere im Kindesalter, sind bisher noch unzureichend erforscht“, sagt Hilbert weiter. Auch Therapeuten würden die Krankheiten nicht immer erkennen, zumal sie erst definiert werden müssen.

Der Kongress der Eating Disorders Research Society will nun Aufklärungsarbeit leisten. Gemeinsam wollen die Forscher über die Zukunft der Essstörungsforschung nachdenken. Ruth H. Striegel Weissman von der Wesleyan Universität in den USA wird am Donnerstag über künftige Forschungsstrategien einen Vortrag halten. Außerdem wird es um die Ursachen von Essstörungen wie Anorexia Nervosa (Magersucht), Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht) und der Binge-Eating-Störung gehen, sowie um Adipositas (Fettleibigkeit). In den Vorträgen werden neue Forschungsergebnisse zu biologischen und psychosozialen Aspekten vorgestellt. Prävention und Behandlung spielen dabei eine große Rolle. Zum Beispiel werden neue Ansätze zur Internet- oder Smartphone-basierten Therapie präsentiert, und es wird beleuchtet, inwiefern moderne Technik die Heilungschancen vergrößert. Denn Essstörungen haben eine politische Dimension. Die Folgekosten belasten das Gesundheitssystem.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Zentrum, das Forschung und Behandlung zu Adipositas, einem der großen, gesellschaftlich relevanten Krankheitsbilder unserer Gesellschaft, unter einem Dach vereint. In der Universitätsmedizin Leipzig steht Adipositas mit deren häufigen Begleiterkrankungen Typ-2-Diabetes, Atherosklerose, Fettgewebestörung und Fettleber im Mittelpunkt der Forschung. Die Erforschung von Zivilisationskrankheiten bildet einen Profilbereich der Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig.

Einladung für Medienvertreter:

Die Präsidentin des Weltkongresses, Prof. Dr. Anja Hilbert, steht am Donnerstag, den 14.9.2017, um 11 Uhr für Interviews zur Verfügung. Treffpunkt ist der Infopunkt im Augusteum. Medienvertreter sind dazu sowie auch zum Kongress herzlich eingeladen. Um vorherige Anmeldung unter presse-mf@medizin.uni-leipzig.de oder unter der Telefonnummer 0341-97 15300 wird gebeten.

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