Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH): Wie die Gefahr einer Herzschwäche vermeiden?

Schätzungsweise 180.000 bis 280.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) leben in Deutschland. Die große Mehrheit der angeborenen Herzfehler kann heute operativ so gut behandelt werden, dass die meisten ein fast normales Leben führen; einfachere Fehlbildungen des Herzens lassen sich zum Teil ohne Operation, d. h. per Kathetereingriff (interventionell) korrigieren.

Jedoch können Herzfehler operativ oder interventionell nicht immer vollständig korrigiert werden. Die Medizin spricht von Restzuständen (Residuen), die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Doch auch nach erfolgreichen Korrektureingriffen ohne nennenswerte Restzustände kann es im Lauf der Jahre zu Verschlechterungen kommen, beispielsweise wenn eine operierte Herzklappe undicht wird oder sich verengt. „Wenn diese Undichtigkeiten oder Verengungen nicht rechtzeitig behandelt werden, besteht die Gefahr, dass sich im Lauf der Zeit eine fortschreitende Herzschwäche entwickelt“, warnen die Herzspezialistinnen PD Dr. med. Tanja Rädle-Hurst und Dr. med. Ingrid Kindermann vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar, in der Zeitschrift „herzblatt“ der Deutschen Herzstiftung (kostenfreies Probeexemplar unter info@kinderherzstiftung.de). Weitere mögliche Spätfolgen sind schwere Herzrhythmusstörungen. Von einer Herzschwäche sind insbesondere Menschen mit angeborenem Herzfehler bedroht, bei denen nur eine einzige funktionstüchtige Herzkammer die gesamte Herzarbeit leisten muss oder bei denen die rechte – statt der linken – Herzkammer das Blut durch den Körperkreislauf pumpt.

Schleichende Gefahr: Spätfolgen können lange unbemerkt bleiben
Erschwerend kommt hinzu, dass Verschlechterungen der Klappenfunktion, die zum Beispiel nach der Korrektur einer Fallot’schen Tetralogie* vorkommen, auch im fortgeschrittenen Stadium unbemerkt bleiben können. „Wir legen EMAH-Patienten deshalb nahe, sich auch nach einer erfolgreichen Korrektur ihres Herzdefekts regelmäßig untersuchen zu lassen, um dadurch eine rechtzeitige Behandlung zu ermöglichen und eine Herzschwäche zu vermeiden“, betonen die Ärztinnen. Diese Verlaufskontrollen sollten bei einem Kinderkardiologen bzw. Erwachsenenkardiologen mit nachgewiesenen Fachkenntnissen in spezialisierten EMAH-Praxen und -Zentren erfolgen.

Behandlung der Herzschwäche bei EMAHs: Welche Möglichkeiten gibt es?
Wenn möglich, werden die Ärzte immer zuerst die Ursache der Herzschwäche ausschalten, zum Beispiel durch einen erneuten Eingriff an einer defekt gewordenen Klappe. Die medikamentöse Behandlung für EMAH-Patienten lehnt sich zwar an die Leitlinien zur Behandlung der Herzschwäche bei Erwachsenen ohne angeborenen Herzfehler an. Aufgrund der deutlich komplexeren und je nach angeborenem Herzfehler abweichenden Krankheitsmechanismen der Herzinsuffizienz bei EMAHs können diese Empfehlungen jedoch nur teilweise übernommen werden.

*Nach Angaben des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler liegt die Häufigkeit der Fallot’schen Tetralogie bei 5,5% aller angeborenen Herzfehler.

Mehr Infos:
Mehr Informationen zur Therapie der Herzschwäche bei EMAH-Patienten, zu den unterschiedlichen Formen der Herzschwäche und wie sie diagnostiziert werden, bietet die aktuelle Ausgabe von „herzblatt“, Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung, in dem Experten-Beitrag „Therapie der Herzschwäche bei Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler“ (PD Dr. T. Rädle-Hurst, Dr. I. Kindermann). Das Heft (53 Seiten) mit zahlreichen Abbildungen und Illustrationen kann jetzt kostenlos angefordert werden bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt a. M., Tel. 069 9551280, oder per Mail unter info@kinderherzstiftung.de bzw. www.kinderherzstiftung.de

Für Menschen mit einer Herzschwäche bietet die Herzstiftung den neuen Ratgeber „Das schwache Herz – Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“ an. Herzexperten informieren darin über Diagnose- und Therapieverfahren, sowie über Möglichkeiten der Vorbeugung. Der Band (160 S.) ist gegen Einsendung von 3 Euro in Briefmarken (Versand) erhältlich bei der Deutschen Herzstiftung (s. oben) oder im Netz unter www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

Das Herztagebuch für Patienten mit Herzschwäche hilft, einem lebensbedrohlichen Verlauf der Herzschwäche vorzubeugen. Darin kann täglich der Verlauf der Krankheit, sowie Beschwerden auf Basis von Werten wie Körpergewicht, Blutdruck und Puls notiert werden, um diese dann mit dem Arzt besprechen zu können. Das Tagebuch ist gegen Einsendung von 1,45 Euro in Briefmarken (Versand) erhältlich bei der Deutschen Herzstiftung (s. oben) oder unter www.herzstiftung.de/Herztagebuch.html

33/2013
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

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