Erste Obduktionsergebnisse von Elefantenbaby Jamuna Toni

Die Symptome einiger sehr schmerzhafter Verschiebungen der Knochen in den Wachstumsfugen, die am Freitagmorgen letzter Woche an den Vorderbeinen diagnostiziert wurden, weiteten sich an den beiden Folgetagen auch auf die Hinterbeine aus. Dies bedingte, dass die kleine Elefantin selbst mit Hilfe einer Haltevorrichtung nicht mehr stehen konnte und liegend behandelt werden musste. Dadurch kam es zu massiven Kreislaufproblemen und einer Lungenentzündung, die den Allgemeinzustand zusätzlich schwer belasteten. Eine erfolgversprechende Behandlungsmethode gab es nicht. Alle Versuche, die Erkrankung nach Beratung mit den führenden Wildtiermedizinern vom IZW positiv zu beeinflussen, schlugen leider fehl.

Bis in die frühen Morgenstunden des Dientags hat das IZW, ein weltweit renommiertes Institut für die wissenschaftliche Erforschung von Erkrankungen bei Elefanten, umfangreiche Untersuchungen am Hellabrunner Elefantenbaby vorgenommen. Das Ergebnis: Zahlreiche nicht traumatisch bedingte Knochenbrüche am ganzen Körper konnten festgestellt werden. Die multiplen Knochenbrüche machten eine stoffwechselbedingte Knochenerkrankung, die Dr. Andreas Knieriem, der zoologische Direktor des Tierparks Hellabrunn, bereits vermutet hatte, immer wahrscheinlicher.

Um die genaue Ursache des sehr komplexen Krankheitsbildes wissenschaftlich abgesichert klären zu können, müssen noch zahlreiche weitere Untersuchungen an Blut, Knochen und allen wichtigen inneren Organen durchgeführt werden. Diese werden Wochen in Anspruch nehmen.

Dr. Andreas Knieriem sagte: „Der extrem rasante Krankheitsverlauf und die erschreckende Art und Anzahl der Knochenbrüche, die nach dem Tod durch eine computertomografische Untersuchung festgestellt wurden, sind bisher noch nie beschrieben worden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann die Ursache noch nicht geklärt werden. Bestandteil weiterer Nachforschungen werden auch genetische und angeborene Ursachen einschließen.“

Das Hellabrunner Elefantenmädchen Jamuna Toni war Montagnachmittag wegen der rapide fortschreitenden Knochenerkrankung eingeschläfert worden. Sie ist anschließend von der leitenden Tierärztin des Tierparks München Hellabrunn, Dr. Christine Kempter, und dem Tierpfleger und Ersatzpapa Thomas Günther zum IZW nach Berlin gebracht worden, um gemeinsam mit dem Berliner Expertenteam eine umfassende Diagnose der rätselhaften Erkrankung zu erarbeiten.

Dr. Thomas Hildebrandt, einer der weltweit führenden Elefantenexperten vom IZW Berlin: „Bei der Erstellung von Jamuna Tonis bisheriger Diagnose hat unser neuer Hochleistungscomputertomograf (CT) eine zentrale Rolle gespielt.“ Die Anschaffung des IZW Forschungstomografen wurde durch das Konjukturpaket II der Bundesregierung und eine Industriekooperation mit dem Gerätehersteller Toshiba möglich. Das neue Forschungsinstrument erlaubt dem IZW die zerstörungsfreie Untersuchung von lebenden und toten Patienten mit bisher nicht erreichter Detailauflösung. Im Fall von Jamuna Toni hat das Gerät, das sich derzeit eigentlich erst in der Testphase befindet, sehr aufschlussreiches Bild- und Datenmaterial geliefert. Die offizielle Inbetriebnahme des Gerätes findet auf der Einweihungsveranstaltung am 06. Juli 2010 statt. Nach der Analyse des Bildmaterials und der Laborergebnisse wird durch die Experten des IZW und dem Team aus Hellabrunn der abschließende Befund erstellt.

Kontakt
Dr. Thomas Hildebrandt
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Tel.(030) 51 68 220
hildebrandt@izw-berlin.de

Presseprecher:
Steven Seet
Tel.(030) 51 68 – 108
Mobil 0177 857 26 73
seet@izw-berlin.de
(idw, 06/2010)

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