Erste interdisziplinäre Tagesklinik für Schmerzpatienten in Thüringen eröffnet

Jena (ukj/dre). In Thüringen gibt es ein neues Behandlungsangebot für Schmerzpatienten: Am Universitätsklinikum Jena (UKJ) wurde heute (4. Juni) die neue interdisziplinäre Tagesklinik für Schmerztherapie offiziell eröffnet. Dort arbeiten Schmerzmediziner, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten eng zusammen. Das Angebot richtet sich speziell an Patienten, bei denen die Gefahr besteht, dass ihre Schmerzen chronisch werden oder bei denen eine so genannte „monodisziplinäre“ Behandlung bisher erfolglos war. Solche Schmerzen können z.B. ausgelöst werden durch Gelenkerkrankungen, Durchblutungsstörungen oder nach Unfällen. Oft ist allerdings auch keine eindeutige körperliche Ursache mehr erkennbar. Durch das neue Angebot am Universitätsklinikum Jena werden die Patienten während der Behandlung nun nicht mehr aus ihrem sozialen Umfeld gerissen: Die Patienten kommen morgens in die Klinik und können sie abends wieder verlassen. Im Schnitt dauert eine Behandlung vier Wochen. Es ist die erste Tagesklinik mit dieser interdisziplinären Ausrichtung für Schmerzpatienten in Thüringen. Insgesamt stehen zehn Behandlungsplätze zur Verfügung.

„Mit der Tagesklinik bauen wir die Zusammenarbeit der Schmerzexperten am UKJ weiter aus und verbessern damit das Angebot für die Patienten“, erklärte Dr. Brunhilde Seidel-Kwem, Kaufmännischer Vorstand des UKJ bei der Eröffnung. Zwar gebe es am UKJ und im Freistaat bereits eine Reihe stationärer Behandlungsangebote, diese richten sich allerdings vor allem an Patienten, die bereits zum Teil seit Jahren an chronischen Schmerzen leiden. Die Tagesklinik am UKJ soll auch dazu beitragen, diese Chronifizierung von Schmerzen und als mögliche Folge eine drohende Arbeitsunfähigkeit zu verhindern. Auch mit den anderen Fachbereichen am UKJ arbeite die Tagesklinik eng zusammen, so Dr. Seidel-Kwem.
Verschiedene Therapieelemente werden kombiniert
Die ärztliche Leitung der neuen Tagesklinik verdeutlicht die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen am UKJ: Prof. Dr. Winfried Meißner, Leiter der Sektion Schmerztherapie am UKJ und Prof. Dr. Ulrich Smolenski, Direktor des Instituts für Physiotherapie am UKJ, sowie das neue Team erstellen für jeden Patienten einen individuellen Behandlungsplan. „Häufig ist es so, dass Patienten mit andauernden Schmerzen eine Vielzahl von Therapieversuchen durchlaufen, die allerdings nicht aufeinander abgestimmt sind. Das kann unter Umständen zu einem langen Leidensweg der Patienten werden. In unserem gemeinsamen Team verbinden wir verschiedene Therapieelemente in einem sogenannten multimodalen Ansatz“, erklärt Prof. Meißner, der am Thüringer Universitätsklinikum in den letzten Jahren zudem das größte Schmerzregister Europas aufgebaut hat.

Hauptelemente der vierwöchigen Therapie sind tägliche psychologische und physiotherapeutische Behandlungen aber auch Maßnahmen zur Stressbewältigung. „Die Physiotherapie nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Dazu zählen Einzelbehandlungen auf Basis des Befundes: Spezielle Massagebehandlungen, Lymphdrainagen, Laser- oder Elektrotherapie, aber auch Gruppentherapie mit Nordic Walking oder Yoga. Wichtig ist dabei: Alle, die an der Behandlung beteiligt sind, tauschen sich aus und entwickeln einen gemeinsamen Therapieplan bzw. ändern den bestehenden Plan, wenn es Hinweise gibt. Und dies ohne Zeitverlust und das der Patient sich neue Termine holen muss“, erklärt Prof. Smolenski. Die neu gestalteten Räumlichkeiten der Tagesklinik befinden sich am Klinik-Standort in Lobeda im Untergeschoss der Klinik für Innere Medizin (KIM).

Dass ausgerechnet am 4. Juni der offizielle Startschuss für die Tagesklinik fällt, ist dabei kein Zufall. Der 4. Juni ist jedes Jahr der bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz“ unter der Federführung der Deutschen Schmerzgesellschaft. Nach Angaben der Fachgesellschaft gibt es in Deutschland rund 13 Millionen Schmerzpatienten mit unterschiedlicher Ausprägung.
Hintergrund: Chronische Schmerzen
Im Gegensatz zum akuten Schmerz hat der chronische Schmerz seine sinnvolle Alarmfunktion verloren. Der Schmerz wird zum eigenständigen Krankheitsbild, das zu deutlicher Beeinträchtigung im Alltag führt. Lange anhaltende Schmerzen können sich von ihrer auslösenden Ursache abkoppeln und verlieren damit ihre biologisch sinnvolle „Warnfunktion“. Der Schmerz erlangt einen eigenständigen Krankheitswert, man spricht von chronischen Schmerzen.
Körperliche Ursachen treten dann in den Hintergrund und psychologische Faktoren tragen zur Aufrechterhaltung der Schmerzen bei. Deren Behandlung erfordert ein besonderes Behandlungskonzept, die so genannte „multimodale Schmerzbehandlung“, bei der unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten.

Kontakt:
Universitätsklinikum Jena
Interdisziplinäre Schmerztherapie Tagesklinik
Ärztliche Leitung:
Prof. Dr. W. Meißner
Prof. Dr. U. Smolenski
Erlanger Allee 101, 07740 Jena
Telefon: (0 36 41) 93 – 2 31 50
Telefax: (0 36 41) 93 – 2 31 52

Schmerztagesklinik@med.uni-jena.de
www.schmerztagesklinik.uniklinikum-jena.de

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