Erneute EU-Förderung: Silvio Rizzoli erhält hochdotier- ten „ERC Consolidator Grant“

(cnmpb/umg) Prof. Dr. Silvio Rizzoli vom Exzellenzcluster und DFG-Forschungszentrum für Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns (CNMPB) der Universitätsmedizin Göttingen erhält erneut eine Förderung des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC). Zum zweiten Mal in Folge konnte der Göttinger Forscher die ERC-Kommission von seinen Forschungsvorhaben und seinen Fähigkeiten als Spitzenforscher im Life Science Bereich überzeugen. Mit der Einwerbung eines ERC Consolidator Grant 2013 erhält Prof. Rizzoli eine Förderung in Höhe von rund 2 Millionen Euro für die Erforschung der molekularen Anatomie von Nervenzellen. Ziel der Forschung: Die Architektur des Gehirns soll besser verstanden werden. Das Projekt startet am 1. April 2014 und wird für fünf Jahre gefördert.

„Zwei ERCs hintereinander sind eine ganz außergewöhnliche Leistung und Auszeichnung für einen Wissenschaftler. Die UMG gratuliert Herrn Prof. Rizzoli zu diesem seltenen und herausragenden Erfolg“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandssprecher und Vorstand Forschung und Lehre der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). „Dies zeigt, dass exzellente Forschung an der UMG im Verbund mit anderen Forschungseinrichtungen am Standort Göttingen international führend sein kann“, so Kroemer.

Prof. Rizzoli bedient sich verschiedener Techniken, um die räumliche Anordnung einzelner Moleküle in Nervenzellen untersuchen zu können. Zum Einsatz kommen eine Kombination aus hochauflösender Fluoreszenzmikroskopie und neuester Techniken der Fluoreszenzmarkierung sowie biochemischer Analysen, wie der quantitativen Massen-Spektronomie. Die 200 wichtigsten neuronalen Proteine in Nervenzellen will Prof. Rizzoli sichtbar machen, sie quantifizieren und exakt lokalisieren. Die erhobenen Daten werden in ein von Rizzoli entwickeltes, komplexes computergeneriertes 3D-Modell einer Nervenzelle übertragen.

Diese Studie trägt dazu bei, die generelle Proteinverteilung im gesunden Gehirn zu verstehen. Außerdem lassen sich Veränderungen in der neuronalen Anatomie identifizieren, die bei neurodegenerativen Erkrankungen, wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson, entstehen. Die biochemischen und mikroskopischen Präparate werden in einer Probenbank gesammelt und weltweit für die Charakterisierung weiterer Proteine zur Verfügung gestellt.

Mit seinem als exzellent bewerteten Forschungsvorhaben „Die molekulare Anatomie von Neuronen“ hat sich Prof. Rizzoli in einem zweistufigen Evaluierungsprozess erfolgreich allen Bewertungskriterien des ERC gestellt und überzeugt. Von insgesamt 3.673 eingereichten Projektanträgen internationaler Wissenschaftler aller Fachdisziplinen wurden 312 für eine Forschungsförderung ausgewählt. Damit lag die Förderquote bei nur acht Prozent. 14 der 114 erfolgreich ausgezeichneten Life Science-Projekte stammen aus Deutschland. Die Universitätsmedizin Göttingen war dabei als einzige niedersächsische wissenschaftliche Einrichtung mit einem Projekt erfolgreich. Erfolgreich betreut wurde der Projektantrag von Christiane Hennecke, der Leiterin des Geschäftsbereichs Internationale Beziehungen / EU- Hochschulbüros an der UMG.

Der Wissenschaftler: Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli, geboren 1977, studierte Biochemie an der Universität Bukarest in Rumänien und wurde nach einem vierjährigen Forschungsaufenthalt an der Universität von Colorado in den USA im Jahr 2004 promoviert. Nach einer dreijährigen Postdoc-Zeit an der Abteilung für Neurobiologie am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen leitete er eine eigene unabhängige Forschergruppe am European Neuroscience Institute (ENI). Diese wurde aus dem bereits 2008 eingeworbenen und mit 1,7 Millionen Euro dotierten „ERC Starting Independent Researcher Grant“ finanziert. Seit März 2012 ist Prof. Rizzoli als ordentlicher Professor am Institut für Neuro- und Sinnesphysiologie der UMG tätig. Er ist fest eingebunden in das Exzellenzcluster und DFG-Forschungszentrum für Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns (CNMPB) der Universitätsmedizin Göttingen und der Georg-August-Universität. Seine Forschungsschwerpunkte sind die molekularen Prozesse der Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Prof. Rizzoli benutzt hoch- auflösende Lichtmikroskopie, um Transport und Funktion von intrazellulären „Bläschen“, so genannten Vesikeln, in den Synapsen der Nervenzellen zu verstehen.

Die ERC Consolidator Grants wurden 2013 erstmals als eigenes Förderprogramm ausgeschrieben und waren bis dahin Teil der Starting Grants. Sie dienen der Förderung exzellenter Forscherinnen und Forscher mit einer vielversprechenden wissenschaftlichen Erfolgsbilanz und erlauben, die Konsolidierung einer kürzlich etablierten eigenen Nachwuchsgruppe unabhängig voranzutreiben. Auswahlkriterium ist allein die wissenschaftliche Exzellenz, die sich unter anderem an hochrangige Publikationen in führenden internationalen Fachzeitschriften sowie nationalen und internationalen Wissenschaftspreisen bemisst.

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