Erinnern – Gedenken – Mahnen: Die jüdischen Ärztinnen und Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital

Manche mussten binnen eines Tages das Haus verlassen, wurden schikaniert, verhaftet, in den Suizid getrieben und ermordet. Diejenigen, denen die Flucht gelang, hatten mittellos in der Fremde oft große Schwierigkeiten. Die Kinderheilkunde war insgesamt besonders stark von der antijüdischen Ausschaltungspolitik der Nationalsozialisten betroffen. Denn mehr als die Hälfte der Anfang 1933 im Deutschen Reich tätigen Kinderärztinnen und -ärzte war im Sinne der NS-Rassengesetze jüdischer Abstammung. 31 von ihnen wirkten über Jahre oder gar Jahrzehnte am Dr. von Haunerschen Kinderspital im Herzen Münchens, darunter Koryphäen der Kindermedizin wie Erich Benjamin, Ernst Moro und Albert Uffenheimer, deren Pionierarbeit aus der Kinderheilkunde nicht mehr wegzudenken ist.

Diesen verfolgten jüdischen Kinderärzten war die Gedenkstunde im Großen Hörsaal des „Haunerschen“ gewidmet. In seiner Begrüßung betonte Professor Dr. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik, die Wichtigkeit des Erinnerns und die großen Beiträge jüdischer Kinderärzte in Medizin und Gesellschaft. Frau Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, knüpfte an ihr persönliches Erleben der Reichspogromnacht 1938 an und mahnte zur Wachsamkeit angesichts gefährlicher antidemokratischer und antisemitischer Tendenzen in der Gegenwart. Professorin Naama Constantini, eigens aus Israel angereist, erzählte von ihrer Großmutter Bella Wirz. Die gebürtige Münchnerin war nach dem Ersten Weltkrieg zunächst am Haunerschen tätig und emigrierte 1933 nach Palästina. So standen die Schicksale der Einzelnen im Zentrum der Veranstaltung: Professor Dr. Joseph Rosenecker und Dr. Andrea Autenrieth stellten in einem Vortrag die nach langer Recherche entstandenen Biographien der verfolgten jüdischen Mediziner am Kinderspital vor. Die Lebenswege, die am besten erforscht werden konnten, waren in der an-schließenden Ausstellung „Ärztinnen und Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden“ dargestellt. Zur Eröffnung fand die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel statt. Diese kann im Erdgeschoss des Haunerschen besichtigt werden. Sie soll ein Beitrag dazu sein, das Leid der verfolgten Kolleginnen und Kollegen vor dem Vergessen zu bewahren und es als Mahnung für die Gegenwart zu verstehen.

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) werden jährlich an den Standorten Campus Großhadern und Campus Innenstadt rund 500.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt. Den 29 Fachkliniken, zwölf Instituten und fünf Abteilungen sowie den 46 interdisziplinären Zentren stehen etwas mehr als 2.000 Betten zur Verfügung. Von ins-gesamt 9.500 Beschäftigten sind rund 1.600 Mediziner und 3.200 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an vier Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 684, 914, 1054, 1123), an drei Transregios (TRR 127, 128, 152), der klinischen Forschergruppe 809 sowie an zwei Graduiertenkollegs der DFG (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die Exzellenzeinrichtungen „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Mu-nich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU), die „Graduate School of Quantitative Bio-sciences Munich (QBM)“ und „The Graduate School Life Science Munich (LSM)”.

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