Ergotherapie – effiziente Behandlung verschiedenster Krankheitsbilder

 Im September stellte die BARMER GEK ihren Heil- und Hilfsmittelreport 2012 vor. Danach sind die Ausgaben für Hilfsmittel allein im letzten Jahr auf 6,3 Milliarden Euro angewachsen. Für Hilfsmittel wurden 4,9 Milliarden Euro ausgegeben. Der Vorstandsvorsitzende von der BARMER GEK Dr. Rolf-Ulrich Schlenker erklärte dazu, dass es sich bei den genannten Verordnungen um einen Wachstumsmarkt handele. Transparenz und medizinische Evidenz sollten allerdings mitwachsen. Denn sonst würden Heil- und Hilfsmittel wie „wohlgemeinte therapeutische Streuschüsse“ verteilt.

Seit langem ist bekannt, dass Pillen oft nur vordergründig gegen Schmerzen wirken, sondern dass stattdessen eine Therapie wirkungsvoller ist, die nicht nur Symptome, sondern auch die Ursachen bekämpft.

Klassische Massagen – beliebte Behandlungsmöglichkeit

Klassische Massagen gehören nach wie vor zu den umsatzstärksten Heilmitteln. Dabei werden rund 85 Prozent dieser Verordnungen für akute und chronische Wirbelsäulenerkrankungen verschrieben. Dazu zählen Blockaden, Arthrosen oder Bandscheibenvorfälle. Gerd Glaeske vom Zentrum der Sozialpolitik der Universität Bremen ist der Autor des Heil- und Hilfsmittelreports der BARMER GEK und sieht diese Massageverordnungen eher kritisch. Massagen reichen seiner Meinung nach als alleinige Therapie nicht aus.

Ungenügende Versorgung in Pflegeheimen

Vor allem in Pflegeheimen ist die Versorgung ungenügend. Nur 36 Prozent der  Demenzkranken erhalten eine Physiotherapie, dabei entfallen auf Ergotherapie gerade fünf Prozent. Der Report stellt fest, dass Menschen mit zunehmendem Alter weniger Therapien erhalten. Und das, obwohl feststeht, dass Ergotherapien gerade bei an Demenz Erkrankten hilfreich sind. Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, und das ist bei älteren und behinderten Menschen genauso der Fall wie auch bei Kindern, erhalten durch die Ergotherapie die Möglichkeit, alltägliche Handlungen einzuüben.

Wie Glaeske mitteilte, wird bei an ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) leidenden Kindern die Ergotherapie nur bei zwanzig Prozent der Kids verordnet. Dabei wissen inzwischen Ärzte und auch viele Eltern, dass Ritalin kein Allheilmittel ist, sondern viele Nebenwirkungen hat. Gerade deshalb sollten in diesen Fällen ergänzende Therapien genutzt und beispielsweise Ergotherapie eingesetzt werden.

Wer unter einem sogenannten „Tennisarm“ leidet, wird laut der Analyse zu etwa fünfzig Prozent mit Medikamenten behandelt. Nur 19 Prozent kommen in den Genuss, dass die Arzneimittelgabe mit Physiotherapie kombiniert wird. Ein Drittel aller Patienten haben Pech: sie werden gar nicht behandelt. Eine Operation sollte nach Ansicht von Gerd Glaeske nur ausnahmsweise in Frage kommen.

Was ist nun eigentlich Ergotherapie?

Es gibt viele Krankheitsbilder bei denen die Behandlung durch Ergotherapie Sinn macht. Der Begriff Ergotherapie kommt ursprünglich aus dem Griechischen und heißt übersetzt, Gesund werden durch Handeln und Arbeiten. Dabei wird schon deutlich, dass bei der Ergotherapie, anders wie bei Massagen, der Patient in seine eigene Gesundung direkt eingebunden wird.

Dadurch wird der Patient selber motiviert, seinen eigenen Körper auf das „Gesund werden“ zu programmieren. Bei der Ergotherapie geht es um das Zusammenspiel verschiedener Einzelaspekte wie Bewegung, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

Mit diesem Ansatz sollen körperliche und seelische Leiden verbessert werden. Damit kann eine Schmerzlinderung erreicht werden. Bei älteren Patienten soll dadurch die Pflegebedürftigkeit verhindert, oder zumindest hinausgezögert werden.

Der Unterschied zur klassischen Massage ist vor allem, die Selbstwahrnehmung des Patienten. In der Massage ist er Objekt, während er in der Ergotherapie zum aktiven Helfer des Therapeuten wird. Er steht in der Selbstverantwortung und trägt damit zur eigenen Heilung bei.

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