Erfolgsgeschichte Kardiologie: Herz-Medizin maßgeblich an höherer Lebenserwartung beteiligt

„Die Kardiologie hat in den vergangenen 15 Jahren DIE Erfolgsgeschichte im Bereich der Medizin geschrieben. Von allen Fachrichtungen trägt sie den größten Anteil an der Verlängerung der Lebenserwartung in den westlichen Industrieländern, beispielsweise durch eine Reduktion der Sterblichkeit nach Herzinfarkt um rund 20 Prozent.“ So bilanziert Prof. Dr. Michael Böhm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und Leiter der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes, auf der Herbsttagung der DGK in Nürnberg, bei der rund 2.000 Herzmediziner erwartet werden.

Herz-Medizin maßgeblich an höherer Lebenserwartung beteiligt

In Deutschland betrug zwischen 1980 und der Jahrhundertwende die Zunahme der Lebenserwartung bei Männern 5,75 Jahre. Prof. Böhm: „Den wichtigsten Beitrag dazu leistet die sinkende Sterblichkeit bei Erkrankungen des Kreislauf-Systems, sie ist für 2,62 Jahre gewonnene Lebenserwartung verantwortlich. Zum Vergleich: An einer onkologischen Erkrankung stirbt jeder vierte Deutsche, die Zunahme der Lebenserwartung auf Grund der zurückgegangenen Sterblichkeit bei Krebs beträgt nur 0,6 Jahre.“ Weil andererseits noch immer mehr als 50 Prozent der Menschen in den westlichen Industriestaaten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, „liegt der größte Hebel zur Bekämpfung der Hauptursache von Tod und Krankheit in zukunftsträchtigen Forschungsprojekten der Herz-Medizin.“

Attraktivität für herzmedizinischen Nachwuchs steigern

Die DGK setzt auf vielen Ebenen Impulse, um Herz-Kreislauf-Forschung zu fördern, Forschungsaktivitäten zu vernetzen, die Aus-und Weiterbildung zu optimieren, und der Herz-Medizin insgesamt ein Maximum an Effizienz zu verleihen. „Letztlich sollen diese Impulse natürlich den Patientinnen und Patienten direkt zugutekommen“, so der DGK-Präsident. „Es geht aber auch darum, die Attraktivität für den medizinischen Nachwuchs weiter zu steigern. Wir beobachten eine gewisse Tendenz, dass viel versprechende Nachwuchs-Kardiologen ins Ausland abwandern. Unser erklärtes Ziel ist, ihnen in Deutschland ein optimales Umfeld und immer bessere individuelle Bedingungen für ihre medizinische Tätigkeit und ihre Laufbahn zu bieten.“
Hier eine Reihe aktueller Maßnahmen, die diese genannten Ziele verfolgen:

Zwei neue Register optimieren Therapie: Zwei sehr häufige Eingriffe, die Rekonstruktion der Aortenklappe und der Mitralklappe, können seit kurzer Zeit mit einem wenig belastenden minimalinvasiven Verfahren durchgeführt werden. Um dafür möglichst aussagekräftige Langzeitergebnisse zu erhalten, ist die DGK an der Einrichtung zweier Register beteiligt: Diese erheben die relevanten Daten zu allen Aorten- bzw. Mitralklappen-Operationen, unabhängig von der jeweils angewandten Operationsmethode, und werten diese aus. Prof. Böhm: „Unser Ziel ist, präzise Empfehlungen abgeben zu können, für welche Patienten welche Methode die am besten geeignete ist.“
Ein weiteres Register ist für die völlig neue Sympathektomie der Niere geplant. Diese Operation behebt therapieresistenten arteriellen Bluthochdruck durch die Durchtrennung des Nervs, der für die Stressphasen der Niere sorgt.

Neue Methode gegen Restenose in Stents bekannter machen: Nach aktueller Datenlage beugen Medikamenten-beschichtete Ballons dem erneuten Verschluss eines gedehnten Gefäßes (Restenose in Stents, sowohl bei Medikamenten-beschichteten als auch nicht Medikamenten-beschichteten) am wirksamsten vor. Prof. Böhm: „Damit möglichst viele dafür in Frage kommende Patienten von diesem revolutionären Verfahren profitieren, werden wie Kardiologinnen und Kardiologen konsequent über diese Entwicklung und ihre optimale Anwendung informieren.“

Gesundheitszentren zu Herzforschungs-Netzwerk verbinden: Die DGK plant, die kardiologischen Abteilungen der in Deutschland gegenwärtig kurz vor ihrer Gründung stehenden neuen Gesundheitszentren zu einem Herzforschungs-Netzwerk zu verbinden. Prof. Böhm: „Forschung ist überall dort besonders effizient, wo mehrere Zentren ihre jeweiligen Erfahrungen und Erkenntnisse einander zugänglich machen.“

Weiterbildung auf höchstem Niveau: Die herzmedizinische Versorgung der Bevölkerung kann nur so gut sein wie die Ausbildung der Kardiologen. „Daher arbeiten wir in Abstimmung mit der European Society of Cardiology (ESC) an neuen, präziseren Weiterbildungs-Curricula für künftige Fachärzte für Kardiologie, die die Errungenschaften der letzten Jahre mit einbeziehen, und an Qualifikationskriterien für die Subspezialitäten unseres Fachs“, sagt der DGK-Präsident.

Forschungsförderung durch Förderung der Forscher: Umfassende Forschungsförderung ist einer der wichtigsten Schwerpunkte der DGK-Aktivitäten. Dazu zählt direkte Projektförderung für junge Absolventen durch Stipendien und Sachbeihilfen ebenso wie die Einladung an Doktoranden, ihr Dissertationen auf unseren Tagungen vorzustellen.

Kurse für Forschungs- und Karriereplanung: In speziellen Kurse wird vermittelt, wie man Studien optimal plant, was bei Anträgen auf Forschungsförderung beachtet werden muss, wie die eigene Karriere sinnvoll geplant werden kann, etc. Geplant sind auch ein Forum „Junge Kardiologie“, eine Job-Börse sowie eigene Symposien für junge Kollegen, auf denen sie ihre Erfahrungen austauschen und sich untereinander vernetzen können.

Wenige Kongresse, aber umfassend und überregional: „Fachkongresse sind informativ und wichtig, kosten aber auch viel Zeit“ so der DGK-Präsident. „Neben den zahlreichen regionalen und themenzentrierten Weiterbildungsveranstaltungen, konzentrieren wir den überregionalen Austausch von High-End-Forschungsergebnissen und Top-Level-Weiterbildung auf lediglich zwei Ereignisse: unsere Herbst- und unsre Frühjahrstagung.
Durch die Kooperation mit der Österreichischen und der Schweizer Kardiologengesellschaft entstand eine transalpine Fortbildungsgemeinschaft über den deutschen Sprachraum, deren interessantester Ausdruck auf der aktuellen Herbsttagung die Live-Übertagungen aus interventionellen Labors aller drei Länder sein wird.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Pressestelle in Nürnberg:
Prof. Eckart Fleck (Pressesprecher der DGK), Roland Bettschart (B&K):
Tel.: 0911 / 8606 – 4648;
Christiane Limberg (Pressereferentin der DGK): Tel.: 0911 / 8606 – 6940

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute rund 7500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
(idw, 10/2010)

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