Erfolgreiche Behandlung der therapieresistenten chronischen Leukämie mit allogener Stammzelltransplantation

Die Transplantation von Stammzellen eines gesunden Spenders (allogen) bietet eine Heilungschance für Patienten mit einer aggressiven Form der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL), und zwar unabhängig von genetischen Prognosefaktoren und dem bisherigen Verlauf der Erkrankung. Das konnte die Deutsche CLL-Studiengruppe in einer von Professor Dr. Peter Dreger, Leitender Oberarzt und Leiter der Sektion Stammzelltransplantation an der Medizinischen Klinik V des Universitätsklinikum Heidelberg, geleiteten multizentrischen, klinischen Phase II-Studie zeigen. Die Ergebnisse wurden Anfang Juli online in dem hochrangigen Journal „Blood“ veröffentlicht.

Die CLL ist die häufigste Leukämieform in den Industrienationen und tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. In vielen Fällen nimmt sie einen eher gutartigen Verlauf. Es gibt allerdings auch Patienten, bei denen die Erkrankung nicht auf die Standard-Chemo- oder Antikörpertherapie anspricht. Patienten mit einer solchen Hoch-Risiko-CLL sterben oft innerhalb weniger Jahre nach der Diagnose. Bei einem Teil dieser Patienten lässt sich der ungünstige Verlauf aufgrund des Vorhandenseins typischer chromosomaler Veränderungen in den Leukämiezellen (Deletion 17p-) vorhersagen.

Hoch-Risiko-CLL kann mit allogener Stammzelltransplantation dauerhaft kontrolliert werden

Studienärzte an 16 verschiedenen deutschen Behandlungszentren schlossen insgesamt 90 Patienten mit einer aggressiven Verlaufsform der CLL in die aktuelle Studie ein. Im Rahmen der Stammzelltransplantation erhielten die Patienten eine dosisreduzierte Chemotherapie, so dass die Akutverträglichkeit der Transplantation sehr gut war. Bei einem großen Teil der Patienten konnten nach der Transplantation regelmäßig hoch empfindliche Untersuchungen zum Nachweis etwaiger verbliebener Leukämiezellen durchgeführt werden. Bei ungefähr der Hälfte dieser Patienten ließen sich langfristig keine CLL-Zellen mehr im Blut nachweisen, was mit einer weitgehenden Rezidivfreiheit für die Zeit der Nachbeobachtung (bis zu acht Jahre, im Mittel etwa vier Jahre) verbunden war. Dieses erfreuliche Ergebnis war unabhängig vom genetischen Risikoprofil und der Resistenz gegen bestimmte Chemotherapeutika. Auch der Spendertyp (verwandt oder unverwandt) hatte keinen Einfluss.

„Unsere Studie ist die bisher größte an diesem Patientenkollektiv und konnte nachweisen, dass die allogene Stammzelltransplantation bei einer Hoch-Risiko-CLL eine vielversprechende Therapieoption darstellt und womöglich sogar zur Heilung dieser ansonsten unheilbaren Leukämieart führen kann“, sagt Professor Dreger, Leiter der Studie.

Risiken der Stammzelltransplantation

Die allogene Stammzelltransplantation ist eine sehr belastende und risikoreiche Therapieform, so dass sie früher bei den üblicherweise älteren von der CLL betroffenen Patienten in der Regel nicht durchgeführt werden konnte. Durch das hier untersuchte neue, verbesserte Verfahren konnte die Verträglichkeit wesentlich verbessert werden. Das Hauptrisiko bleibt jedoch die „Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion“, bei der Spenderzellen die für sie fremden, körpereigenen Zellen des Patienten angreifen. Allerdings ist das auch der Mechanismus, über den die Leukämiezellen beseitigt werden. „Entscheidend ist, die übertragenen Spender-Immunzellen so zu steuern, dass die Wirkung stark genug ist, die Leukämiezellen zu eliminieren, aber nicht so stark, dass es zu Komplikationen an anderen Geweben oder Organen kommt. Hierbei sind die regelmäßigen Messungen der CLL-Zellen im Blut ein neues, außerordentlich hilfreiches Instrument“, so Professor Dreger.

Weitere Informationen über die Abteilung Innere Medizin V im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-V-Haematologie-Onkologie-und-Rheumatologie-.106656.0.html

Literatur:
Allogeneic stem cell transplantation provides durable disease control in poor-risk chronic lymphocytic leukemia: long-term clinical and MRD results of the GCLLSG CLL3X Trial. Peter Dreger, Hartmut Döhner, Matthias Ritgen, Sebastian Böttcher, Raymonde Busch, Sascha Dietrich, Donald Bunjes, Sandra Cohen, Jörg Schubert, Ute Hegenbart, Dietrich Beelen, Matthias Zeis, Michael Stadler, Justin Hasenkamp, Lutz Uharek, Christof Scheid, Andreas Humpe, Thorsten Zenz, Dirk Winkler, Michael Hallek, Michael Kneba, Norbert Schmitz, Stephan Stilgenbauer. Blood.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Peter Dreger
Abteilung Innere Medizin V
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Tel.: 06221-56-8008
Fax: 06221-56-6824
Email: peter.dreger@med.uni-heidelberg.de

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Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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(idw, 07/2010)

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