ERC Advanced Grant für Krebsforscherin der Vetmeduni Vienna

Die Förderung herausragender Forschungspersönlichkeiten durch den European Research Council (ERC) soll gezielt die Grundlagenforschung in Europa stärken. Die Ende März 2016 als Preisträgerin gekürte Veronika Sexl, Leiterin des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna, kann sich durch diese Finanzierung mit einem prominenten Kandidaten der Krebsforschung, dem CDK6-Protein, befassen. Somit verfügt die Vetmeduni Vienna aktuell über drei ERC Grants.

Gezielte Hemmung krebsfördernder Enzyme

CDK6 ist eine sogenannte Kinase, ein spezielles Enzym, das in Zellen, Abläufe wie den Zellzyklus oder das Zellwachstum initiiert und vorantreibt. Von entarteten Zellen werden Kinasen häufig überproduziert und fördern durch diese Hyperaktivität die Tumorentwicklung. Daher sind diese Enzyme in den Fokus der TumorforscherInnen gerückt. CDK6 ist vor allem in blutbildenden Tumorzellen eine wichtige Kinase und als ein möglicher Aggressor und Tumorförderer bekannt. Der Nachweis, dass ein konkretes Enzym Krebs fördert, lässt eine spezifisch auf das Enzym abgestimmte Therapie zu. Medikamente, die die Hyperaktivität von Kinasen unterbinden, werden als Hemmer oder Inhibitoren bezeichnet. Die Hemmung der CDK6-Aktivität wurde 2013 sogar als Durchbruch des Jahres von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) ausgerufen.

Inhibitoren garantieren nur Teilerfolg

Sexl und ihr Team haben jedoch kürzlich gezeigt, dass diese Inhibitoren den tumorfördernden Aspekt von CDK6 nicht komplett bremsen und auf die Effekte von CDK6 nur teilweise wirken. „Die Inhibitoren schränken den Einfluss der Kinaseaktivität von CDK6 auf den Zellzyklus ein. Wir haben aber herausgefunden, dass CDK6 auch in Vorgänge abseits der Zellzyklus-Kontrolle involviert ist“, erklärt Sexl. „CDK6 reguliert viele tumorfördernde Gene und treibt so das Wachstum und die Vermehrung von Blutgefäßen im Tumor sowie leukämischer Stammzellen voran. Das bewirkt das Enzym aber ganz ohne Kinaseaktivität, weshalb die aktuell verwendeten Inhibitoren diese zweite Funktion auch nicht unterbinden können.“ Das heißt: Trotz Inhibitor-Therapie kann es zu einem Fortschreiten der Krankheit kommen.

Mit dem ERC Advanced Grant kann sich Sexl nun darauf konzentrieren, neue Möglichkeiten zu finden, diese zweite, Kinase-unabhängige Funktion von CDK6 zu hemmen. Dadurch kann sich ein völlig neues Paradigma für die Entwicklung von Krebsmitteln eröffnen. CDK6 könnte als ein „global player“ der Tumorentwicklung viel zielgerichteter aus dem Spiel genommen werden.

Über Veronika Sexl

Veronika Sexl studierte Medizin in Wien. Nach dem Studium arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pharmakologie. 1996 erhielt sie ein Erwin Schrödinger-Stipendium des Wissenschaftsfonds (FWF) und zog als Postdoc in der Abteilung Tumor Cell Biology des St. Jude‘ Children’s Research Hospital nach Memphis, USA. Sexl blieb nach Abschluss des Stipendiums zwei weitere Jahre in Memphis im Department Biochemistry, bevor sie nach Österreich an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie – damals noch ein Teil der Universität Wien – zurückkehrte. Dort folgten die Ernennung zur außerordentlichen Universitätsprofessorin und zur Fachärztin für Pharmakologie und Toxikologie. 2007 wurde sie zur Universitätsprofessorin für „Signaltransduktion und molekular abgestimmte Therapie“ berufen. 2010 wechselte sie schließlich als Universitätsprofessorin für Pharmakologie und Toxikologie und Leiterin des gleichnamigen Instituts an die Veterinärmedizinische Universität Wien.

Sexl ist die Delegierte Österreichs im Rat der renommierten Einrichtungen European Molecular Biology Organization (EMBO) und European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Sie ist Mitglied der Europäischen Wissenschaftsakademie und wurde unter anderem mit dem Alois Sonnleitner-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, und dem Novartis-Preis für Medizin ausgezeichnet. 2015 wurde sie in das Board der Europäischen Gesellschaft für Hämatologie (EHA) gewählt.

Sexl hat in zahlreichen wissenschaftlichen Kooperationen wie etwa dem Sonderforschungsbereich (SFB) JAK-STAT des Wissenschaftsfonds mitgewirkt und bisher insgesamt 4,6 Millionen Euro an Forschungsförderungen eingeworben. Mit dem ERC Advanced Grant hat sie nun eine weitere prestigeträchtige Förderung über fünf Jahre in der Höhe von 2,5 Millionen zugesprochen bekommen.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Univ.-Prof. Dr.med.univ. Veronika Sexl
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-2910

Aussender:
Mag.rer.nat. Georg Mair
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1165

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