Turboclean, Scholl und Ruah: Die Geschichte eines etwas anderen Mädchens

Mein Name ist Jacqueline Otto und ich habe ein Buch mit dem Titel "Turboclean, Scholl und Ruah" über das Leben mit meiner Tochter Jasmin geschrieben, welche mit nunmehr fast 7 Jahren noch kaum sprechen kann und psychologisch betreut wird. Jasmin leidet unter einer schwerwiegenden, tiefgreifenden Epilepsie mit autistischen Zügen und verschiedenen Allergien, ausgelöst vermutlich durch eine Impfung im frühen Babyalter. Ich erzähle mit hoffentlich viel Liebe und Humor in kleinen Geschichten von Jasmins Weg, der mit steten Schwierigkeiten, sich im "normalen Leben" zurechtzufinden, verbunden ist. Mein Ziel ist es vor allem, mit diesem Buch Betroffene zu erreichen, die vielleicht einen ähnlichen schweren Weg zu beschreiten haben. Hier ein Auszug aus meinem Buch zum Thema: "Unsere Mahlzeiten"

Unsere Mahlzeiten – Falls sich manch einer über die erwähnten Stillmahlzeiten wundern sollte: Ich habe Jasmin neun Monate voll und danach weiter bis zu ihrem zweiten Lebensjahr gestillt – neben der Beikost. Beikost war auch so ein ganz spezielles Jasminproblemthema, eigentlich das Essen im Allgemeinen. Das merkte ich zu der Zeit, als ich voll stillte, noch nicht, obwohl mir jetzt im Nachhinein auffällt, dass Jasmin eigentlich nie hungrig schien. Sie bekam ihre regelmäßigen Stillmahlzeiten, war allerdings auch nie unruhig, wenn diese sich verschoben. Das einzige Problem zu diesem Zeitpunkt war, dass sie selbst im Hochsommer bei 30 Grad nichts trinken wollte. Es gab keinen Weg, sie zur Flüssigkeitsaufnahme zu bewegen. Wir haben schlussendlich sogar probiert, ihr einige Löffel Wasser zu füttern – ohne Erfolg. Wahrscheinlich wäre die einzige Möglichkeit gewesen, den Tee oder das Wasser in die Brust zu füllen, dann hätte sie es wahrscheinlich getrunken, zur gewohnten Zeit, versteht sich.

Wie dem auch sei, der Sommer in Deutschland ist kurz, viel zu kurz für meinen Geschmack, und außerdem soll ja ein alleiniges Stillen auch den Flüssigkeitshaushalt mit abdecken. Wir ließen es also dabei bewenden, ich hatte auch keine große Lust, mein Engelchen weiter mit Fläschchen, Saugern und anderen Raffinessen zu »quälen«! Wie heißt es doch so schön: Ein Kind isst und trinkt schon, wenn es etwas braucht. Die Quälerei sollte allerdings bald weitergehen, denn Jasmin machte keinerlei Anstalten, etwas anderes in ihren kleinen Mund hineinzubefördern als Muttermilch. Sie schaute nicht einmal interessiert zu, wenn ich etwas aß, frei nach dem Motto: Was gehen mich die Töpfe anderer Leute an? Ich überlegte noch so vor mich hin, wann es denn für Jasmin mal Zeit sein würde, sich anderen Nahrungsmitteln zuzuwenden, als sich in ihrem Mund etwas tat. Mit etwa acht Monaten bekam mein Schatz sein erstes Zähnchen. Wenn das kein Zeichen sein sollte: Es konnte losgehen mit dem ersten Brei! Schließlich wollte ich das an sich ja ganz niedliche, schön anzusehende Zähnchen nicht in meiner Brustwarze stecken haben. Der von allen Seiten viel gerühmte Möhrenbrei stieß bei Jasmin aber nicht auf Gegenliebe: Sie spuckte ihn mir einfach entgegen, als hätte ich ihr pures Gift verabreicht. Und es hatte schon einige List erfordert, das Löffelchen mit der Kostprobe überhaupt in ihren Mund zu befördern, denn diese »Breilöffelaktion« war für Jasmin vollkommen unverständlich. Dumm ist sie ja nicht und überrumpeln lässt sie sich nur einmal, also waren weitere Versuche ziemlich anstrengend. Seit unser Mahlzeitenritual um den Brei vor dem Stillen ergänzt werden sollte, bewachte Jasmin den Oralzugang ihres Körpers, sprich Mund, regelrecht mit Argusaugen. Dies hatte für sie natürlich den Vorteil, dass sie den Breilöffel schon von vornherein abfangen konnte und die in ihren Augen offensichtlich widerliche Masse gar nicht erst in ihrem Mund landete. Möhrenbrei fiel also aus. Jasmins Sturheit hatte wieder einmal gesiegt.

Jasmin mochte zwar stur sein, aber ich hatte den längeren Atem. Also ein neuer Versuch. Ich dachte mir, dass etwas Süßes dem Geschmack der Muttermilch näher käme als eine Möhre, also musste ein süßer Brei her. Meine Wahl fiel auf Banane, die ja schnell zermust ist und außerdem eigentlich fast jedem Kind schmeckt. Diesmal allerdings versuchte ich es nicht auf die krumme Tour mit Ablenkungen, da ich mir dachte, ich wollte auch nicht so behandelt werden. Ich musste also etwas finden, wie Jasmin etwas Positives mit dem Essen verbinden konnte, so wie damals mit dem Fußboden. Das hatte zwar einige Monate gedauert, aber ich wollte geduldig sein, und essen muss man schließlich das ganze Leben lang, also würde sich der Einsatz lohnen. Ich besorgte also ganz besondere Löffel, solche nämlich, die die optimale Temperatur des Breies anzeigen, so der eigentliche Sinn eines solchen Löffels. Das war aber für mich Nebensache, wichtig war nur, dass er sich beim Essen verfärbte. Normalerweise war er lila. War das Breichen zu warm, verfärbte er sich rosa. Wenn das Jasmin nicht interessierte, dann wusste ich auch nicht weiter. Nachteil dieser Methode war zwar, das ich die Banane immer warm machen musste, aber das hätte ich sowieso getan, da Muttermilch schließlich auch warm ist und das Essen ja möglichst wenige unangenehme Reize bieten sollte. Allerdings musste ich den Bananenbrei immer wärmer machen als die normale Esstemperatur, da sich der Löffel sonst nicht verfärbte. Aber mir fiel nichts anderes ein, also versuchte ich es einfach so.


Im Buch "Turboclean, Scholl und Ruah" beschreibt Jaqueline Otto, wie sie mit Mutterliebe versucht, in kleinen Schritten für ihre Tochter täglich immer wieder neue Erfolgserlebnisse zu erzielen. – Wir meinen, ein ernstes Thema ergreifend beschrieben: ein lesenswertes Buch.

Der große Tag des ersten Versuchs war da. Den Bananenbrei wollte ich Jasmin zum zweiten Frühstück, also vor der 10-Uhr-Stillmahlzeit geben, um diese im Laufe der Zeit damit zu ersetzen. Die erste Hürde war allerdings nicht das Essen an sich, sondern dass sich Jasmin in das Hochstühlchen setzen sollte. Sie schrie und tobte wie am Spieß. Was war denn an diesem Stuhl nun schon wieder so schlimm? Ich dachte, wenn sie einmal reden könnte, würde sie mir in vielen Fragen Rede und Antwort stehen müssen. Ich kapitulierte, schließlich ging es jetzt nicht um Hochstuhltraining, sondern um Esstraining.

Den nächsten Versuch konnte ich nach dem Hochstuhl-Desaster allerdings erst am nächsten Tag starten. Also kuschelte ich wieder um 10 Uhr die kleine Jasmin auf meinen Schoß und setzte mich mit ihr zusammen an den Tisch. Beim Stillen war sie ja schließlich auch ganz nah an meinem Körper. Da ich unsere Kleine mittlerweile kannte, hatte ich natürlich bereits genug Zeit eingeplant, damit sie erst einmal ganz in Ruhe den lila Löffel begutachten konnte. Alles in allem ließ ich ihr so viel Zeit, wie sie eben brauchte.

Als sich Jasmin dann am Löffel sattgesehen hatte, konnte ich die nächste Offensive starten. Ich fragte mich zwischendurch allerdings oft, wie viel Geduld ich noch haben müsste. Ich bin eigentlich ein furchtbar ungeduldiger Mensch, der alles gern schnell erledigt, und Jasmin ist das genaue Gegenteil von schnell. Ich hatte das Gefühl, selbst Schneckentempo wäre ihr noch zu schnell – wäre sie schon gelaufen, hätte man ihr nebenbei die Schuhe besohlen können, wie der Volksmund so schön sagt. Aber wenn ich etwas bei ihr erreichen wollte, musste ich mich wohl anpassen.

Die nächste Offensive hieß also: Der Löffel geht in den Brei und verfärbt sich. Ein kleines, erstauntes, aber durchaus positiv überraschtes Gesicht saß da jetzt vor mir. Das änderte sich allerdings schnell, als der Löffel näher kam. Ich sah schon die kleinen Abwehrhände kommen. Die sind doch so niedlich, diese Hände, meinte ich, können die nicht einfach mal liegen bleiben? Nun denn, da musste Plan B her. Ich rief verblüfft und gespielt entsetzt aus: "Das kann mein kleiner Engel nicht essen, das ist ja viel zu heiß!"

Schließlich war der Löffel noch rosa. Jetzt war Jasmin perplex: Ein Löffel, der nicht versuchte, in ihren Mund zu kommen, sondern der ausdrücklich nicht hinein durfte! Das war einer der wenigen Momente, wo Jasmin so verdutzt war, dass sie in mein Gesicht schaute und Blickkontakt suchte. Ich erklärte ihr, dass der Löffel lila sein müsste, denn dann wäre der Brei genau richtig für ihren kleinen Mund. Ich zweifelte zwar, ob sie meine nicht gerade hochtrabende, aber dennoch für ein neun Monate altes Baby umfangreiche Erklärung verstand, aber ich hoffte, dass ein wenig davon etwas in ihr bewegen würde.

Jetzt war es so weit, der Löffel war lila geworden und – welch ein Wunder – der kleine Mund ging auf und rein mit dem Bananenbrei. Jasmin schlabberte, ich schaute – alles war gut, sie spuckte nichts aus. So, geschafft, aber einmal ist ja keinmal, also gleich der nächste Löffel. Wir schafften an diesem Tag drei Teelöffel in einer halben Stunde, was für ein Erfolg! Danach gab es wie gewohnt ihre Stillmahlzeit. Ziel der Übung war es schließlich, mit dem Thema Essen nichts Negatives in Jasmins Gedanken zu verbinden. Also hieß eine kleine »Abwehrhand«: Ende der Veranstaltung. Morgen war ja auch noch ein Tag. Mühsam ernährt sich ein Eichhörnchen, aber immerhin hatte es kein Theater gegeben.

Der morgendliche Bananenbrei wurde also zu unserem täglichen Ritual. Es dauerte allerdings zwei Monate, bis aus diesen paar Löffeln eine Mahlzeit wurde, die wurde dafür aber gerne gegessen, was ja auch schon viel wert ist. Das Stillen forderte Jasmin allerdings auch nach einer vollen Breimahlzeit noch ein. Ich denke, mehr aus Gewohnheit denn aus Hunger, denn meist trank sie danach nicht mehr sehr viel. Da unser kleiner Engel sich in dieser Zeit in ein kleines Äffchen verwandelte, das manchmal zwei große Bananen zum Frühstück verdrückte, kam allerdings die Frage des Trinkens wieder auf. Banane ist schließlich alles andere als stuhlfördernd, also musste ich mir etwas einfallen lassen. Versuche mit Tassen, Flaschen, Bechern und Gläsern jeglicher Art – es hätte ja sein können, dass irgendein Becher Jasmins Wohlgefallen erregte – verliefen allerdings nicht erfolgreich. Ich hatte schließlich die Idee, Jasmin erst einmal Muttermilch aus einem anderen als dem naturgegebenen Gefäß anzubieten, damit sie sich an den Becher gewöhnen konnte. Ich füllte also abgepumpte Muttermilch in ein Becherchen mit Mundstück.

Um es kurz zu machen: Das war nur teilweise ein Erfolg. Jasmin nahm den Becher zwar in den Mund und trank auch ein, zwei Schlucke, dies war allerdings so mühsam und zeitaufwendig, dass es mir nicht als praktikable Methode erschien. Ich versuchte dann einfach, ihr zwischen den Bananenbreilöffeln beim zweiten Frühstück ein paar Löffel Wasser mit zu füttern. Das Verdauungsproblem war damit gelöst, obwohl die Methode nicht gerade salontauglich war. Im Übrigen ist es auch heute, obwohl Jasmin mittlerweile sechs Jahre alt ist, immer noch die von ihr bevorzugte Art, mit Flüssigkeit versorgt zu werden, wenngleich sie mittlerweile auch Becher und Tassen akzeptiert. Trinken und essen sind ihr anscheinend nicht wichtig. Sie hat nie aktiv so etwas wie Hunger oder Durst gezeigt. Sie isst eben, wenn Essenszeit ist, und »trinkt« nebenbei noch ein paar Löffel Flüssigkeit mit.

Der nächste Rückschlag in Bezug auf Beikost ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Als Jasmin nach ihrem morgendlichen Bananengelage immer noch hungrig war und vor allem Brei und nicht Brust wollte, rührte ich ihr einen Babygrießbrei an. Meine Bananen waren alle und ich dachte mir, schließlich ist der auch süß und schmeckt nach Banane. Jasmin schaute auch ganz interessiert zu, als ich den Grießbrei einrührte. Ich freute mich schon und hoffte, dass sie vielleicht freiwillig und auf vollkommen einfachem Wege ihren Speiseplan erweitern würde. Also befüllte ich ihren lila Löffel. Die süße kleine Schnute ging tatsächlich ganz weit auf und wollte den Löffel haben. Schön, dachte ich, was für eine positive Überraschung.

Aber was war das? Jasmin fing auf einmal ganz fürchterlich an zu spucken, wimmerte ganz jämmerlich und wischte sich immer wieder mit der Hand über den Mund. Sie wand sich, wurde ganz rot am Kopf und schien sich in ihrer Haut absolut nicht mehr wohl zu fühlen. Einen weiteren Löffel dieses Breies, zu einem späteren Zeitpunkt zur Kontrolle noch einmal angeboten, lehnte Jasmin sogleich energisch ab. Ich hatte gar nicht gewusst, dass sie sich den Brei, der sich auf dem Löffel befand, überhaupt anschaute und zwischen ihrem Bananenbrei und dem Grießbrei unterscheiden konnte, welche ja beide gelblich sind. Man lernt eben nie aus.

Wir maßen dieser Reaktion erst einmal noch nicht so viel Bedeutung bei. Erst als sie sich bei unterschiedlichen Nahrungsmitteln ähnlich verhielt, wurden wir stutzig und ließen einen Allergietest durchführen. Dieser ergab unter anderem eine Hühnerei- und eine Kuhmilchallergie. Jetzt wurde mir auch klar, warum ich damals auf keinen Fall hätte abstillen dürfen. Was hätte ich Jasmin auch anstelle von Muttermilch anbieten können? Jede normale Babyfertigmilch ist ja auf Grundlage von Kuhmilch hergestellt. Sicher hätte sich im Krankenhaus eine Spezialnahrung finden lassen, sodass Jasmin nicht verhungert wäre. Aber ich mag mir gar nicht vorstellen, was das für eine Aufregung und für ein Theater gegeben hätte. Und ich mag mir erst recht nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn es zwar eine Spezialnahrung für Jasmin gegeben, sie diese aber kategorisch abgelehnt hätte. Dies tut sie schließlich bei so vielen Sachen. Es ist beispielsweise noch heute unmöglich, ihr »normales« Mittagessen zuzubereiten – so normal es eben bei ihren vielen Nahrungsmittelallergien sein kann. Aber das wussten wir damals ja noch gar nicht. Nicht dass es an der Zubereitung scheitern würde – nein, Jasmin weigert sich kategorisch, die zubereiteten Speisen zu essen oder wenigstens zu kosten.

Zwar waren wir über den Allergiebefund natürlich nicht gerade erfreut, aber doch auch nicht überrascht, da wir uns so etwas ja schon gedacht hatten. Also tauschten wir die Kuhmilch einfach gegen Sojamilch. Dies ging auch ein paar Monate gut, dann vertrug Jasmin auch diese Milch nicht mehr. In der folgenden Zeit bekam sie eine Nahrungsmittelallergie nach der anderen dazu. Heute hat sie polyvalente Allergien u. a. gegen Milch, Eiweiß, Karotte, Kiwi, Erdnuss, Walnuss, Haselnuss, Kartoffel, Weizen, Sesam, Buchweizen. Aber dies sei nur am Rande zur Erklärung ihrer seltsamen Ernährungsgewohnheiten angefügt.

Eine Zeitlang aß Jasmin zum Abendbrot immer eine Sharonfrucht oder Kaki. Dies ist ja an sich noch nicht ungewöhnlich, aber sie wollte sie mit Zwiebel essen. Igittigitt! Jasmin mochte und möchte auch immer dasselbe Essen. Also jeden Tag das gleiche Frühstück, jeden Tag das gleiche Mittagessen, jeden Tag das gleiche Abendbrot. Nichts darf fehlen. Zur Vesperzeit isst sie momentan immer Weintrauben und Datteln – immer im Wechsel: erst eine Weintraube, danach ein Stück Dattel, dann wieder eine Weintraube und danach ein Stück Dattel …

Da Jasmin nach ein paar problematischen Erlebnissen mit dem Thema Essen im Krankenhaus, welche hier aber nicht ausgeführt werden sollen, leider nicht mehr selbst isst, muss sie immer noch oder besser gesagt wieder gefüttert werden. Das heißt dann: Obacht, Mama, immer schön die Reihenfolge einhalten und nicht gedankenverloren herumträumen. In den Zeiten vor dem Krankenhaus, als Jasmin noch selbstständig gegessen hat, ging das allerdings auch nicht vollkommen normal vonstatten und erst recht nicht schön gleichmäßig. Jasmin nahm einen Löffel Brei, dann nichts mehr.

Erst wenn ich ihren Arm antippte und sie aufforderte weiterzuessen, bewegte sich der nächste Löffel in den Mund. Dieses Antippen und Auffordern musste ich nach jedem einzelnen Löffel machen, sonst ging das Essen nicht weiter. Mir war es allerdings wichtig, dass sie selbstständig essen lernte, und so nahm ich diese kleine Mühe gerne auf mich. Ich musste ihr später auch nicht mehr sagen: »Los, weiter geht es«, das bloße Berühren ihres Armes war dann ausreichend. Anstrengend zwar, aber immerhin ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit, über den wir heute dankbar wären.

Im Übrigen darf auch das Lätzchen niemals beschmutzt sein, so wie auch Jasmins Hände keinen Schmutz dulden. Sollte dennoch einmal etwas daneben gegangen sein, muss alles sofort abgewischt werden. Dasselbe gilt übrigens für den Löffel. Falls der nach dem Ablecken immer noch nicht sauber ist, muss dieser erst ordentlich gesäubert werden, bevor er neu »beladen« werden darf. Als ich mich einmal weigerte, dem nachzukommen, weil ich den Sinn dieses Tuns einfach nicht einsehen konnte, beförderte Jasmin mir den Löffel postwendend in meinen Mund, zum Ablecken eben, dann war er ja schließlich auch sauber.

Tja, was soll man da noch sagen? Ich kapitulierte oder besser gesagt ich schloss den stillschweigenden Kompromiss mit Jasmin, dass der Löffel nicht jedes Mal abgewaschen werden musste, sondern einfach noch einmal von mir »nachabgeleckt« werden durfte.

Leider schlugen alle bisherigen Versuche seit ihrem Krankenhausaufenthalt, sie wieder zum selbstständigen Essen zu überreden, fehl, und da nach wie vor bei ihr kein Hungergefühl erkennbar ist, ist es schwierig, ihr diese Notwendigkeit zu verdeutlichen. Sie isst, wenn die Esssituation für sie angenehm ist. Sobald es für sie unangenehm wird, ist eben Schluss. Das kann so weit gehen, dass Jasmin über ihr kleines Bäuchlein reibt und ein paar Laute von sich gibt, die »satt« bedeuten sollen, aber eher so klingen wie »ack«.

Das Thema Sprechen habe ich ja bereits kurz erwähnt, es hat sich allerdings diesbezüglich noch nicht viel getan, sodass Jasmin immer noch nur sehr wenige Wörter sagen kann. Dazu aber später mehr. Jasmin gab eines Tages ihr eindringliches »ack«, verbunden mit Bäuchleinreiben, von sich und streckte auch sogleich, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, ihren kleinen Fuß unter dem Tisch hervor, um vom Stuhl absteigen zu können. Da fesselte ein auf dem Tisch befindliches Salatbesteck ihre Aufmerksamkeit. Sogleich wanderte das Füßchen wieder unter den Tisch und ich konnte Jasmin in aller Seelenruhe weiterfüttern, bis Teller und Glas leergelöffelt waren. Sogar etwas Melone als Kompott passte auf einmal noch ins Bäuchlein. Dies ist wieder einmal ein perfektes Beispiel für Jasmins nicht vorhandenes Hungergefühl. Entweder das Essen macht Spaß oder sie isst eben nichts, das ist für sie kein Problem.

Da unsere Maus aber ein sehr zierliches Persönchen ist, können und wollen wir es auch nicht einfach mal darauf ankommen lassen und ihr nichts füttern, in der Hoffnung, dass sie dann selber anfängt zu essen. Hier sitzt Jasmin eindeutig am längeren Hebel und ich kann nur hoffen, dass sie mit zunehmendem Alter die nötige Einsicht von allein entwickelt. Wie dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein dürfte, ist Jasmin im Laufe der Jahre dann doch von meinem Schoß in das Stühlchen umgezogen, was allerdings auch wieder ein hartes Stück Arbeit war und erhebliche Sturheit meinerseits benötigte. Verbunden mit dem einschneidenden Erlebnis Krankenhaus ist uns dieses Kunststück gelungen. Aber nun erst einmal genug vom Thema Nahrungsaufnahme, schließlich muss ja alles auch wieder raus …

Auszug aus dem Buch
Titel: Turboclean, Scholl und Ruah – Die Geschichte eines etwas anderen Mädchens
Autorin: Jacqueline Otto
Verleger: Norderstedt : Books on Demand
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format:ca. 156 S.
ISBN: 978-3-8370-2350-3
EAN: 9783837023503
Preis: EUR 12.90, sfr 23.90 (freier Pr.)
Erscheinungsjahr: 2009

Scroll to Top