Entzündungen im Gehirn blockiert: Neuer Ansatzpunkt für die Behandlung von Amyotropher Lateralsklerose

Wissenschaftler vom Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie haben jetzt einen Botenstoff identifiziert, der an der Krankheitsentstehung beteiligt ist. Die Blockade dieses Botenstoffes verbessert bei Mäusen mit einer ALS-ähnlichen Erkrankung die Motorik und verlängert ihre Lebenserwartung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verwendung dieses Blockers als Therapeutikum bei ALS-Patienten ähnlich wirken könnte. (PNAS, Online-Veröffentlichung, 28. Juni 2010)

Das Forscherteam um Arturo Zychlinsky interessiert sich vor allem für die Frage, wie Entzündungsprozesse bei Infektionskrankheiten gestartet werden. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Enzym Superoxid-Dismutase 1 (SOD1) Entzündungsprozesse reguliert, indem es die Aktivität eines anderen Enzyms, Caspase-1, kontrolliert. Dieses Enzym wiederum spaltet Interleukin-1ß und aktiviert es dadurch. Die Entzündung wird in Gang gesetzt.

Interessanterweise sind Mutationen im SOD1-Gen ein Auslöser für erblich bedingte ALS. Zudem weisen ALS-Patienten sowohl eine Entzündung als auch ein erhöhtes Level für aktivierte Caspase-1 auf. "Vermutlich spielt die Caspase-1 bei ALS eine ähnliche Rolle wie bei Infektionskrankheiten", sagt Arturo Zychlinsky.

Während weiterer Tests konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass es bei ALS zu einer Anhäufung von fehlgefalteten SOD-1-Enzymen in Neuronen kommt. Die Zelle interpretiert dies als Gefahr und aktiviert daraufhin die Caspase-1, welche Interleukin-1ß spaltet und eine Entzündung auslöst (Abb. 1). Diese Entzündung zerstört nach und nach die Motoneurone. Wurden Mäuse mit mutiertem SOD1-Gen mit einem Protein behandelt, das Interleukin-1ß blockiert, verlief die Entzündungsreaktion nicht nur abgemildert. Auch die Symptome waren schwächer. Die Mäuse zeigten eine längere Lebenserwartung. Zusammen mit der ALS-Ambulanz der Charité Universitätsmedizin Berlin arbeitet die Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie nun an einer klinischen Studie, die zeigen soll, ob eine Therapie von ALS-Patienten mit einem Interleukin-1ß-Antagonist möglich ist.

Originalveröffentlichung:

Meissner F, Molawi K, Zychlinsky A.
Mutant superoxide dismutase 1-induced IL-1β accelerates ALS pathogenesis
PNAS 2010, 28. Juni 2010

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Arturo Zychlinsky
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
Tel.: +49-30-28 460 300
E-Mail: zychlinsky@mpiib-berlin.mpg.de
(idw, 06/2010)

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