Entwicklung der Universitätsmedizin in Mittelhessen bedarf einer differenzierten Betrachtung

Am 16. Juli 2013 hat die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin verschiedener Institutionen und Verbände unter der Überschrift „Privatisierung der Hochschulmedizin gescheitert – Hochschulmedizin muss Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge sein und bleiben“ eine Generalkritik an der Entwicklung in der Universitätsmedizin in Gießen und Marburg seit 2006 geübt. Diese unterkomplexe Pauschalbewertung helfe allerdings nicht weiter, so der Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Prof. Dr. Joybrato Mukherjee: „Zweifelsohne haben sich bei dieser bundesweit einmaligen und komplexen Konstruktion eines Universitätsklinikums mit einem privaten Mehrheitsgesellschafter, das zwei Fachbereichen Medizin an zwei Universitätsstandorten zu dienen hat, besondere Herausforderungen ergeben. Nicht alles war in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren durchgehend erfolgreich, doch genauso wenig lässt sich von einem vollständigen Scheitern sprechen.“

Die Komplexität der Situation in der mittelhessischen Universitätsmedizin sowie die aktuellen Anstrengungen, Antworten auf eine Reihe von Herausforderungen zu finden (z.B. im Hinblick auf die Absicherung zukünftiger Bauinvestitionen), hätten es erfordert, sich sehr viel differenzierter mit der Gemengelage zu beschäftigen. So gibt es durchaus eine Reihe von Entwicklungen, die in Mittelhessen besonders positiv sind, so etwa das im bundesweiten Vergleich einmalig hohe Niveau an Kostentransparenz bei der Leistungsverrechnung zwischen den Universitäten und ihren Fachbereichen einerseits und dem Universitätsklinikum andererseits. Der Dekan des Fachbereichs Medizin der JLU, Prof. Dr. Trinad Chakraborty, ergänzt: „Der aktuelle Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) belegt zudem, dass sich die medizinische Forschung in Gießen und Marburg in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich entwickelt hat.“

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass bundesweit mehr und mehr Universitätsklinika in staatlicher Trägerschaft zunehmend hohe Defizite erwirtschaften, die aus Steuermitteln ausgeglichen werden müssen, stellen sich unabhängig von der Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg grundsätzliche Fragen nach der zukünftigen Finanzierung der Universitätsmedizin in Deutschland. „Es wäre wünschenswert, wenn sich alle Akteure in der Hochschulmedizin in der gesamten Bundesrepublik und in allen Verbänden und Institutionen gemeinschaftlich der Frage widmen würden, wie ein zukunftsfestes Finanzierungsmodell für Universitätsklinika als Supramaximalversorger mit ihren besonderen Aufgaben und ihrer dienenden Funktion für Forschung und Lehre aussehen könnte“, so JLU-Präsident Mukherjee. „Die im Februar von der Bundesärztekammer veröffentliche Stellungnahme ‚Zukunft der deutschen Universitätsmedizin − kritische Faktoren für eine nachhaltige Entwicklung‘ könnte als Grundlage für einen derartigen Diskussionsprozess dienen“, fügt Dekan Chakraborty hinzu.

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