Engere Zusammenarbeit der mittel- und osteuropäischen Diabetologen

Dem langjährigen Präsidenten der Gesellschaft, Prof. Helmut Schatz, Bochum, wurde zu Beginn des Kongresses in der Aula der Iuliu-Hatienagu-Universität für Medizin und Pharmazie von Cluj (Klausenburg) für seine Verdienste auf dem Gebiet der Diabetologie und um die Reintegration der osteuropäischen Länder, insbesondere Rumäniens in die mitteleuropäische Diabetologie, die Würde eines Doctor honoris causa (Dr.h.c.) verliehen.

Die Zentraleuropäische Diabetesgesellschaft ist aus der „Föderation der Internationalen Donau-Symposia über Diabetes mellitus (FID)“ hervorgegangen, die in der Zeit des „Kalten Krieges“ im Jahre 1969 in Wien zur Überwindung des „Eisernen Vorhangs“ gegründet wurde. Österreich gehörte damals als neutrales Land nicht der NATO an, so dass auch Diabetologen, die nicht Parteimitglieder waren und nicht zu den „Reisekadern“ dieser Länder gehörten, dadurch persönlich mit ihren westlichen Kollegen in fachlichen Austausch treten konnten. Nach der politischen „Wende“ orientierte sich die Gesellschaft neu. Sie hält jetzt jährliche Kongresse ab, wechselnd in mittel- und osteuropäischen Städten.

Die Tagungen bieten diabetologische Fortbildung auf höchstem Niveau: So sprach in Cluj in einer „state of the art – lecture“ als Gastrednerin R.Loos (UK) über die neuesten Erkenntnisse in der Vererblichkeit der Adipositas. Sie betonete, dass man durch das „Genom-weite Screening“ neben den inzwischen breiter bekannten Genen FTO und MC4R etwa 30 weitere Gene gefunden habe, die mit der Adipositas, und in weiterer Folge mit dem Typ-2-Diabetes, assoziiert seien. Ihre Bedeutung für die individuelle Vorhersage des Risikos eines Menschen für Übergewicht bzw. Fettsucht sei jedoch gering. Überernährung und Bewegungsmangel bleiben somit nach wie vor die wichtigsten Faktoren. Das Genom-weite Screening wird heute auch für das Studium der Interaktionen eines Menschen mit seiner Umwelt eingesetzt. In einem Abendsymposium sprach G.Bolli (Perugia, Italien) über die Insulinbehandlung bei Typ-2-Diabetes, wobei er die Vorteile der heute auch in Deutschland heiß diskutierten Analoginsuline hervorhob. Nach seinem Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion.

Eine besonders wichtige Aufgabe sieht die Zentraleuropäische Diabetesgesellschaft darin, der jüngeren Ärzte- und Forschergeneration Mittel- und Osteuropas eine Plattform zu bieten, um ihre neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse präsentieren und diskutieren zu können. Dies ist erfahrungsgemäß auf den großen internationalen Kongressen mit 20 000 bis 30 000 Teilnehmern in dieser Intensität mit ähnlich großer Resonanz wie in Cluj kaum möglich. Diese Beiträge der jüngeren Forscher und Ärzte reichten von Untersuchungen durch polnische Kollegen über Orexin-A, eine körpereigene Substanz, welche die Fettzellfunktion reguliert und Studien zur Genetik der Zentralen Adipositas, der für des Herz besonders gefährlichen „Bauchfettsucht“ durch rumänische Kollegen, über Beiträge aus Österreich zu weiteren Themen der Fettsucht bis zu Untersuchungen zur Rolle der schleichenden, „subklinischen“ Entzündungsvorgänge bei der Adipositas und der Insulinresistenz.

Im abschließenden Rundtischgespräch wurden von den ehemaligen und dem derzeitigen Präsidenten der Gesellschaft, Prof. M. Roden, Düsseldorf, mit Repräsentanten der jungen Generation aus Deutschland, Lettland, Polen, Rumänien und Serbien Programme zur Förderung und weiteren Verbesserung der Diabetikerversorgung, der diabetologischen Forschung und auch des gegenseitigen Austausches und der persönlichen Kontakte innerhalb der Länder Zentraleuropas diskutiert. Insbesondere wurden auch zwei länderübergreifende Programme zur Versorgungsforschung durch „FID-Studiengruppen“ initiiert.

Die nächsten Kongresse der Zentraleuropäischen Diabetesgesellschaft werden im Juni 2011 in Zürich, im Jahre 2012 in Budapest und 2013 in Belgrad stattfinden.

Kontakt für Journalisten/Bildmaterial zur Verleihung der Doktorwürde:
Beate Schweizer
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org
(idw, 09/2010)

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