Engagierter Radiologe mit Visionen und Innovationsfreude

Das Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) gehört heute zu den deutschlandweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Herz- und Gefäßdiagnostik. „Eine Position, die zu großen Teilen auf die Aufbauleistung und das Engagement von Prof. Dietbert Hahn zurückzuführen ist“, betont Prof. Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor des UKW.
Als Prof. Hahn Ende des Jahres 1992 zunächst kommissarisch, ab April 1994 dann als Direktor – die Leitung des Instituts für Röntgendiagnostik in Würzburg übernahm, lag die Einrichtung deutlich hinter dem damals üblichen Standard anderer Universitätsklinika zurück – sowohl strukturell, wie auch in der personellen und technologischen Ausstattung.

Start von niedrigem Niveau
„Das Institut bestand damals nur aus den beiden ehemaligen Röntgenabteilungen der Medizinischen Kliniken I und II. Den gerade mal zwölf ärztlichen Mitarbeitern standen, neben den üblichen konventionellen Röntgengeräten, nur ein leistungsschwaches Computertomographie-Gerät sowie ein einziges, älteres Magnetresonanztomographie-Gerät zur Verfügung“, erinnert sich Prof. Hahn. Die Würzburger Verhältnisse unterschieden sich deutlich von denen seiner vorherigen Arbeitsstelle: Als Leiter der Zentralen Röntgenabteilung der Poliklinik der Universität München wechselte er von einer Einrichtung mit exquisiten technischen Möglichkeiten an den Main. „Hinzukam, dass in Würzburg fast jede Klinik des UKW noch ihre eigene, kleine Röntgenabteilung unterhielt“, schildert der 1947 geborene Radiologe.

Zentralisierung des radiologischen Angebots
Den Ruf auf die C4-Professur am Würzburger Uniklinikum erkannte er allerdings als Chance, auf einem weitgehend unbestellten Feld ein Institut nach seinen Vorstellungen praktisch neu aufzubauen. Zu den Herausforderungen der Anfangsjahre zählte zunächst die Zentralisierung der radiologischen Leistungen auf wenige Standorte. Der Hauptsitz des Instituts für Röntgendiagnostik befindet sich heute in mittiger Position im Doppelzentrum für Innere und Operative Medizin (ZIM/ZOM). Quasi als Außenstellen fungieren die Abteilung für Kinderradiologie in der Kinderklinik und die selbständige Abteilung für Neuroradiologie im Kopfklinikum sowie die Brustkrebsfrüherkennung in der Universitätsfrauenklinik. An den verschiedenen Standorten untersuchen aktuell über 30 Ärztinnen und Ärzte sowie rund 60 medizinisch-technische Röntgenassistentinnen und -assistenten täglich bis zu 400 Patienten.

Schwerpunkt Herzforschung
Medizintechnisch ist das Institut für Röntgendiagnostik des UKW voll am Puls der Zeit – ob nun mit Ultraschall und Farbdopplersonographie oder Magnetresonanz- und Computertomographie. Auf den beiden letztgenannten Technologien lag der persönliche Schwerpunkt des Institutsdirektors. Sein Hauptforschungsbereich war dabei in den letzten Jahren die Herzforschung. „Hier konnten in der Abteilung für Experimentelle Magnetresonanztomographie während der letzten Jahre viele neue Untersuchungsverfahren und mehrere Patente entwickelt werden“, berichtet der 65-Jährige. Eine besondere Spezialität der Würzburger Radiologen ist die Stoffwechseluntersuchung des Herzens. „Auf diesem Feld verfügen wir über eine Expertise, die mindestens bundes-, wenn nicht sogar europaweit, Ihresgleichen sucht“, zeigt sich Prof. Hahn stolz.

Umfangreiche Gremienarbeit
Die Vorreiterschaft in „Herzensangelegenheiten“ spiegelt sich auch in der umfangreichen Gremienarbeit des scheidenden Institutsleiters wider. So gründete er zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Herz- und Gefäßdiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft. Außerdem ist er im Vorstand der European Society of Cardiac Radiology, die ihn im vergangenen Jahr zum Ehrenmitglied ernannt hat.

Freude an Weiterentwicklungen und neuen Herausforderungen
Eines der Motive für Prof. Hahn zur Arbeit an einer Universitätsklinik war die Gelegenheit zu kontinuierlicher Innovation: „In den letzten drei Jahrzehnten war die Radiologie wohl eines der innovativsten medizinischen Fachgebiete überhaupt. Ständig neue Untersuchungsverfahren zu entwickeln und auszuprobieren hat mir stets große Freude bereitet.“ Und die diagnostische Evolution geht immer weiter. Prof. Hahn: „Aktuell arbeiten wir daran, funktionelle Untersuchungen mit radioaktiven Substanzen in der Nuklearmedizin mit der modernen Bildgebung der Radiologie zu kombinieren.“

Lehre als besonderes Anliegen
Eine Art Jungbrunnen und Inspirationsquelle war für Prof. Hahn die Lehre: „Da Studierende oft komplett andere und verblüffendere Fragen als Experten stellen, zwingen sie einen geradezu, sich mit einem scheinbar gelösten Problem erneut auseinanderzusetzen.“ Auch aus pragmatischen Gründen waren ihm Lehre und Weiterbildung immer ein besonderes Anliegen: „In der Aus- und Weiterbildung werden das Fach und letztlich die Inhalte der späteren täglichen Arbeit definiert.“ Als Vorsitzender des Ausschusses für Hochschulfragen der Bayerischen Landesärztekammer und Mitglied der Arbeitsgruppe Weiterbildungsordnung für die Deutsche Röntgengesellschaft hat Prof. Hahn schon in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass die Schwerpunkte des Fachs Radiologie adäquat vertreten sind. Ein Engagement, das er auch nach seiner Pensionierung fortsetzen will.
Im Ruhestand möchte er sich in der nächsten Zeit zuerst seiner Familie und seinen Hobbys Reiten, Bergwandern und Skifahren widmen.

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