Endometriose – Die pharmakologische Wirkung von Gestagenen

Gestagene – Das pharmakologische Profil von Dienogest

 

Endometriose – Dienogest: Starke gestagene Wirkung am Endometrium

Endometriosetherapie und Endometriosediagnostik – Wie wichtig Fortschritte bei der Diagnostik und Therapie der Endometriose sind, machte in Düsseldorf Professor Dr. Dr. Dr. h. c. Andreas D. Ebert aus Berlin deutlich: „Es dauert im Mittel sechs bis acht Jahre vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnose einer Endometriose“. Ein Grund hierfür dürfte nach den Erfahrungen des Gynäkologen darin liegen, dass die Symptome von den Frauen meist lange Zeit als Regelbeschwerden hingenommen werden und auf Seiten der behandelnden Ärzte nicht selten ein therapeutischer Nihilismus zu beobachten ist. Diagnostisch gesichert wird die Endometriose laut Professor Ebert durch eine Laparoskopie, wobei zugleich Endometrioseherde entfernt werden können. Der Eingriff sollte allerdings nur von versierten Kollegen, am besten in einem der sich derzeit etablierenden Endometriosezentren erfolgen, damit die Endometrioseherde effektiv entfernt werden können ohne durch Komplikationen möglicherweise die Fertilität zu beeinträchtigen.

Dienogest – neue Perspektive bei der Therapie der Endometriose

Bei der Endometriose, einer chronischen Erkrankung, an der rund zehn bis zwanzig Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leiden, gibt es sowohl bei der Diagnostik wie auch der Therapie noch Raum für Verbesserung. Mit der Einführung von Visanne® (Dienogest) erweitern sich nunmehr die Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung. Das neue Gestagen-Präparat hat sich in Studien als effektiv und zugleich gut verträglich erwiesen und ist in seiner klinischen Wirksamkeit dem bisherigen Goldstandard der GnRH-Analoga ebenbürtig. Dienogest eröffnet damit eine neue Perspektive bei der Behandlung der Endometriose – so das Fazit der Experten bei einer Pressekonferenz von Bayer Vital anlässlich des Fortbildungskongresses FOKO 2010 der Frauenärztlichen Bundesakademie in Düsseldorf.

Visanne® erweitert die Behandlungsmöglichkeiten

Neben dem operativen Eingriff gibt es laut Ebert auch endokrine Behandlungsmöglichkeiten, wobei die GnRH-Analoga bislang als Goldstandard anzusehen sind. Sie unterdrücken die Östrogenbildung in den Ovarien und hemmen damit das weitere Wachstum der Endometrioseherde. Die Therapie ist allerdings häufig mit Nebenwirkungen verbunden, wie sie ansonsten für die Menopause der Frau charakteristisch sind. Behandelt wird die Endometriose ferner (off-label) mit oralen Kontrazeptiva und/oder mit Cyclooxygenase-Hemmern. Die Therapie muss dabei langfristig angelegt sein, da es sich um eine chronische Erkrankung handelt und nach dem Absetzen der Medikation rasch wieder mit dem erneuten Auftreten von Beschwerden zu rechnen ist. „Das Rezidiv aber ist die schwerwiegendste Komplikation der Endometriose“, so Ebert.


Referenten (v.l.nr.): Univ. Prof. Dr. med. Dipl. Biochem. Dr. rer. nat. Alfred O. Mueck und Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. h. c. Andreas D. Ebert (Bildquelle: J. Wolff MEDIZIN ASPEKTE)

Dienogest: Starke gestagene Wirkung am Endometrium

Als einen deutlichen Fortschritt der Therapiemöglichkeiten stellte in Düsseldorf Professor Dr. Dr. Alfred O. Mueck, Tübingen, das neue Präparat Visanne® vor. Es enthält das Gestagen Dienogest, das sich bereits als Gestagenzusatz in oralen Kontrazeptiva und in der Hormonersatztherapie bewährt hat. Das Gestagen leitet sich vom Nortestosteron ab, zeigt zugleich aber auch Strukturelemente der vom Progesteron abgeleiteten Gestagene. Damit verbunden ist ein pharmakologisches Profil, das Dienogest laut Professor Mueck besonders geeignet für die Behandlung der Endometriose erscheinen lässt: Denn das Gestagen vereinigt die Eigenschaften der 19-Nortestosteron-Derivate wie die kurze Halbwertszeit, die hohe orale Bioverfügbarkeit und die starke gestagene Wirkung am Endometrium mit den Eigenschaften der Progesteron-Derivate wie der moderaten anti-gonadotropen Wirkung, der Stoffwechsel-Neutralität und der anti-androgenen Partialwirkung. Als effektive Dosierung hat sich in Dosisfindungsstudien die Behandlung mit 2 mg Dienogest täglich erwiesen.

In dieser Dosierung verabreicht, hat sich Dienogest bei der Behandlung der Endometriose Placebo als eindeutig überlegen erwiesen. Das dokumentiert nach Professor Ebert eine randomisierte Doppelblindstudie bei 198 Patientinnen, die zunächst 12 Wochen lang mit der neuen Therapieoption behandelt wurden. In der Verum-Gruppe resultierte bereits nach vier Wochen eine signifikant stärkere Reduktion der Schmerzsymptomatik, gemessen mittels der visuellen Analogskala (VAS).

Anhaltende klinische Wirksamkeit, therapeutische Äquivalenz mit GnRH-Analoga

Der Doppelblindphase folgte eine 52-wöchige offene Studienphase, in der alle teilnehmenden Frauen Dienogest erhielten. Dabei zeigte sich eine deutliche Schmerzreduktion auch bei den Frauen, die zunächst Placebo erhalten hatten. Die beiden VAS-Kurven glichen sich innerhalb weniger Wochen an und zeigten über den gesamten Studienzeitraum einen parallelen Verlauf. „Das demonstriert eine gute Langzeitwirkung von Dienogest“, kommentierte Professor Ebert das Resultat. Das Gestagen wurde nach seinen Worten zudem gut vertragen, als häufigste Nebenwirkungen wurden Kopfschmerzen und Übelkeit genannt und es wurde ein etwas häufigeres Auftreten von Harnwegsinfekten registriert.

Einen weiteren Beleg der guten klinischen Wirksamkeit liefert ferner eine Vergleichsstudie von Visanne® mit dem GnRH-Analogon Leuprorelinacetat. So wurden in einer kürzlich publizierten Studie 252 Frauen mit Endometriose 24 Wochen lang entweder mit 2 mg Dienogest täglich oder mit 3,75 mg Leuprorelinacetat i.m. einmal monatlich behandelt. „Es wurde in beiden Studiengruppen eine vergleichbare Reduktion der Beschwerden erzielt“, erklärte der Gynäkologe in Düsseldorf. Damit stellt Dienogest, so seine Beurteilung, eine zusätzliche Therapiealternative zum bisherigen Goldstandard dar, die die Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Erkrankung perspektivisch erweitert. (Bayer HealthCare 03/10)

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