Endometriose: Beste Versorgung auch komplizierter Fälle

Frauen mit Endometriose werden am Universitäts-Frauenklinik Heidelberg in der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen nach höchsten Qualitätsstandards betreut. Dies bescheinigte die Stiftung Endometrioseforschung (SEF) nun mit dem Zertifikat „Klinisches und wissenschaftliches Endometriosezentrum (Stufe III)“ auf Basis eines aufwändigen und mehrstufigen Verfahrens. Damit ist am Heidelberger Universitätsklinikum eines von nur vier derartig hochqualifizierten Endometriosezentren in Baden-Württemberg angesiedelt.

Wichtige Kriterien für die Zertifizierung waren neben dem breiten Behandlungsspektrum, über 100 großer Operationen pro Jahr und genauer Dokumentation der Behandlungsverläufe auch der Nachweis von Kooperationen mit anderen Abteilungen des Universitätsklinikums, die Organisation von Aus- und Fortbildungen für Ärzte und Laien sowie eigene Forschungsvorhaben zum Thema. „Unser Zentrum bietet eine große Interdisziplinarität und Kompetenz insbesondere bei der Versorgung schwieriger Krankheitsverläufe mit komplexen Krankheitsbildern“, sagt Prof. Dr. Ariane Germeyer, die seit Oktober 2016 neue Leitende Oberärztin der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen ist und bereits vor rund 15 Jahren im Rahmen eines Forschungsstipendiums an der US-amerikanischen Universität Stanford an Endometriose geforscht hat.

Zellen auf Wanderschaft sorgen für langes Leiden

Endometriose ist eine gutartige, aber chronische Erkrankung von Frauen, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Wie normale Gebärmutterschleimhautzellen verändern sich auch diese verschleppten Zellen mit dem Zyklus. Endometriose geht oft mit krampfartigen Schmerzen einher und kann eine Ursache für Unfruchtbarkeit sein. Sie gilt als zweithäufigste gynäkologische Erkrankung: Etwa vier bis zwölf Prozent der Frauen erkranken zwischen Pubertät und Wechseljahren daran, was für manche von ihnen der Beginn eines langen Leidensweges ist.

„Es dauert oft viele Jahre, bis endlich eine Diagnose gestellt wird, denn diese ist nur durch einen operativen Eingriff – die Bauchspiegelung – eindeutig möglich. Viele Frauen und auch ihre Partner sind sehr belastet, wenn sie bei uns vorstellig werden“, fasst Prof. Dr. Ariane Germeyer zusammen. Behandelt wird operativ, durch Gabe von Hormonen und bei Bedarf auch durch eine zusätzliche Schmerztherapie. Leiden die Patientinnen beispielsweise unter einer Hormonunverträglichkeit oder möchten sie gern Kinder haben, bietet die Abteilung zur optimalen Therapie eine enge Kooperation mit der operativen Gynäkologie der Frauenklinik, der abteilungseigenen Kinderwunschambulanz und anderen Abteilungen wie zum Beispiel der Chirurgie, der Urologie, der Schmerztherapie und auch der Psychologie.

Gütesiegel „Endometriosezentrum“ hilft bei der Klinikwahl

„Die Krankheit Endometriose ist bei Frauen während der Reproduktionsphase häufig, aber sehr vielschichtig. Eine gute Therapie kommt deshalb nicht ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Experten aus, es bietet sich also gerade bei dieser Erkrankung an, Zentren zu bilden“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Karl Werner Schweppe, Vorstand der Stiftung Endometrioseforschung (SEF). Seit dem Jahr 2006 können Praxen, Tageskliniken, Frauenkliniken und universitäre Einrichtungen ihr Endometriosezentrum von der SEF zertifizieren lassen und den Patientinnen auf diese Weise eine Orientierungshilfe bei der Klinikwahl bieten. Die SEF führte die Zertifizierung zusammen mit der EEL (Europäischen Endometriose Liga) und der EVD (Endometriose Vereinigung Deutschland e.V sowie Partnern in Österreich und der Schweiz durch. Die Zertifizierung folgt einem dreistufigen Konzept, bei dem die Heidelberger Abteilung nun die höchste Stufe als „Klinisches und wissenschaftliches Endometriosezentrum“ erreicht hat. Die Zertifizierung muss alle drei Jahre erneuert werden und wird in Deutschland nur von der SEF angeboten.

Endometriosesprechstunde

Die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen der Universitäts-Frauenklinik bietet zweimal pro Woche eine spezielle Endometriosesprechstunde an. Termine können über das Endometriosezentrum (Termintelefon 06221 56-7934), bei unerfülltem Kinderwunsch und Endometriose auch über die Kinderwunschambulanz (Termintelefon 06221 56-7921) vereinbart werden.

Kontakt
Prof. Dr. Ariane Germeyer
Leitende Oberärztin
Abt. für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
E-Mail: Ariane.Germeyer@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
www.klinikum-heidelberg.de

Scroll to Top