„Empfehlungen 2017“: Deutsche Hochdruckliga hält an moderaten Zielwerten fest

Die amerikanische SPRINT-Studie hatte 2015 ergeben, dass eine intensive Blutdrucksenkung auf einen oberen systolischen Zielwert von unter 120 mmHg Menschen mit Bluthochdruck besser vor Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Herz-Kreislauf-Tod schützt als der bisher bevorzugte Zielwert von unter 140 mmHg. Diese Studienergebnisse gelten aber nur für bestimmte Patienten: für Menschen mit hohem kardiovaskulären Risiko aber ohne Diabetes mellitus, nicht nach einem Schlaganfall oder bei orthostatischer Hypotonie, also wenn der obere Blutdruckwert im Stehen plötzlich abfällt. Patienten mit diesen Erkrankungen waren aus der SPRINT-Studie explizit ausgeschlossen.

Die Fachgesellschaften in Kanada, Australien und Österreich sowie die ISH (International Society of Hypertension) empfehlen seit der Publikation der SPRINT-Daten eine intensivere Blutdrucksenkung, auch wenn dies häufig den Einsatz zusätzlicher Medikamente erfordert. Die Task Force „Wissenschaftliche Stellungnahmen und Leitlinien“ der DHL® hat sich in ihrer aktuellen Stellungnahme diesen Empfehlungen nicht vollständig angeschlossen. „Aufgrund der erweiterten Datenlage nach SPRINT sowie darauf bezogener Publikationen und Metaanalysen empfehlen wir weiterhin einen generellen Zielwert von unter 140/90 mmHg“, sagt Professor Dr.med. Bernhard Krämer, DHL®-Vorstandsvorsitzender und Mitglied der Task Force. In Deutschland werde der moderate Zielblutdruck von 140/90 mmHg derzeit bei weniger als 60 Prozent der Patienten erreicht. „Wichtigstes Behandlungsziel für alle Ärzte muss daher sein, dass dieses Blutdruckziel erreicht wird“, fordert der Experte.

Nur bei den kardiovaskulären Risikopatienten analog zu SPRINT solle ein Wert von unter 135/85 mmHg angestrebt werden, so die „Empfehlungen 2017“. Dies gilt damit für Patienten mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen außer Schlaganfall, im Alter von 75 Jahren oder älter, mit chronischer Nierenkrankheit CKD 3 und einem hohen vaskulären Gefäßrisiko (≥ 15 Prozent nach Framingham Risk Score). „Eine intensivere Blutdrucksenkung geht mit mehr Nebenwirkungen einher“, erläutert Professor Krämer. „Sie erfordert daher regelmäßige Labortests zu Nierenfunktion und Elektrolyten.“

Die aktuelle Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga thematisiert auch die Blutdruckmessung. In der SPRINT-Studie kam eine unkonventionelle Art der Blutdruckmessung – die automatisierte Praxisblutdruckmessung – zur Anwendung. Sie erfolgte nach fünfminütiger Ruhephase mit einem automatischen Gerät in einem separaten Raum ohne Anwesenheit ärztlichen oder nichtärztlichen Personals. „Diese Methode wird auf lange Sicht in Deutschland nicht flächendeckend verfügbar und praktikabel sein“, erklärt Professor Krämer. „Mit ihr wurden in der SPRINT-Studie Werte gemessen, die wir nicht eins zu eins mit konventionell gemessenen Werten vergleichen können“. Die „Empfehlungen 2017“ der Deutschen Hochdruckliga beziehen sich in ihren Angaben auf die konventionelle Praxisblutdruckmessung.

Auch in Deutschland kontrollieren immer mehr Patienten ihren Blutdruck selbst. Die Deutsche Hochdruckliga unterstützt dies in ihrer Stellungnahme ausdrücklich, weist aber darauf hin, dass die Messwerte meist etwas niedriger als in der Arztpraxis ausfallen. Der Grund ist ein erhöhter Stressfaktor beim Arztbesuch. In der Selbstmessung gilt deshalb ein Zielwert von unter 135/85 mmHg. Professor Krämer erläutert: „Die Patienten sollten mindestens eine Woche vor dem nächsten Arztbesuch täglich vier Messungen über sieben Tage zu Hause – zwei morgens, zwei abends – durchführen.“ Die zuverlässigsten Informationen über den Blutdruck liefert die 24-Stunden-Blutdrucklangzeitmessung. Hier gilt ein Zielwert von unter 130/80 mmHg. Tagsüber darf der Blutdruck in dieser Messung höher sein (unter 135/85 mmHg) als in der Nacht (unter 120/70 mmHg).

Die „Empfehlungen 2017“ der Deutschen Hochdruckliga können Interessierte hier nachlesen: . Zielblutdruck und korrektes Messen werden auch Themen des 41. Wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga sein, der in diesem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 10. bis 11. November in Mannheim veranstaltet wird. ().

Quelle
Bernhard K. Krämer, Martin Hausberg, Bernd Sanner, Kristina Kusche-Vihrog, Joachim Weil, Burkhard Weisser, Ulrich Wenzel, Peter Trenkwalder. Blutdruckmessung und Zielblutdruck. Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL ® / Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2017; 142: 1–2 © Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart New York, ISSN 0012-0472

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Über die Deutsche Hochdruckliga DHL®- Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® bündelt die Expertise zur arteriellen Hypertonie in Deutschland. Gegründet 1974, engagiert sie sich seitdem für eine bessere Versorgung von Menschen mit Bluthochdruck. Weltweit bleibt Bluthochdruck die größte Gefahr für die Gesundheit. Deshalb verfolgt die DHL® das Ziel „30-50-80“: Jeder Mensch ab 30 Jahren sollte seinen Blutdruck kennen. Ab 50 sollte der Blutdruck bei jedem kontrolliert und gut eingestellt sein. Menschen mit 80 sollten nicht an Folgeschäden des Bluthochdrucks wie Schlaganfall oder Herzinfarkt leiden.

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