Einsatz von Brillen verbessert die schulischen Leistungen von kurzsichtigen Kindern in China

Mehr als 20 Prozent der Kinder in China, die in ländlichen Gebieten leben oder mit ihren Eltern vom Land in die Stadt abgewandert sind, leiden an Kurzsichtigkeit. Auch wenn sich in den meisten Fällen dieser Sehfehler mit Hilfe von Brillengläsern beheben lässt, besitzen mehr als 60 Prozent der chinesischen Kinder auf dem Land mit einem Refraktionsfehler keine Sehhilfe bzw. tragen diese nicht. Neben der Armut zählen Fehlinformationen und ein Mangel an Kenntnissen über Kurzsichtigkeit zu den Hauptgründen, dass diese Kinder keine Brille tragen. So glauben viele Kinder, Eltern und Lehrer, dass eine Brille für die Sehkraft der Kinder schädlich sei und traditionelle Augenübungen das schlechte Sehvermögen verzögern können. Studien des IAMO im Rahmen des Forschungsprojektes „Rural Education Action Program“ (REAP) zeigen auf, wie sich die Sehfähigkeit von Kindern auf die schulischen Leistungen auswirkt und welche Maßnahmen zur augenmedizinischen Versorgung ergriffen werden sollten.

Das Aktionsprogramm für Bildung im ländlichen Raum (REAP) ist das bisher größte wissenschaftlich begleitete augenmedizinische Programm in China. Das Projekt erlaubt es erstmals, sich ein umfassendes Bild über die augenmedizinische Versorgung von Kindern mit ländlichem Hintergrund zu machen. Für die Studie wurden mehr als 20.000 Kinder in verschiedenen Regionen Chinas untersucht und fast 5.000 Brillen an kurzsichtige Schulkinder ausgegeben. Anhand des Forschungsprojektes lassen sich wertvolle Erkenntnisse über den Einfluss schlechten Sehvermögens auf den Schulerfolg und Strategien zur Behandlung von Fehlsichtigkeit gewinnen.

Im Rahmen der Untersuchung fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Tragen einer Brille von Kindern mit Kurzsichtigkeit die schulischen Leistungen wie auch das psychische Wohlbefinden und das Selbstvertrauen verbessert. Es ist festzustellen, dass das Tragen einer Brille den Augen der Kinder nicht schadet und keine beschleunigte Verschlechterung des Sehvermögens bewirkt. Vielmehr verlangsamt erst das Tragen einer Brille signifikant das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit. Im Gegensatz dazu können Augenübungen den Beginn oder das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit nicht nachweislich hinauszögern. Des Weiteren zeigt sich anhand der Studie, dass die Rate der Brillennutzung deutlich steigt, wenn Lehrkräfte Anreize erhalten, die Kinder zum Tragen einer Brille zu ermutigen. Da den Lehrkräften eine zentrale Schlüsselrolle im Alltag der Schulkinder zukommt, ist die Akzeptanz von Brillen und die Ermutigung der Kinder durch diese Personen eine besonders effektive Maßnahme, um Lernbarrieren herabzusetzen.

„Insgesamt ist festzustellen, dass unkorrigierte Sehfehler bei Schulkindern in ländlichen Gebieten und in städtischen Wohnvierteln von Arbeitsmigranten in China weit verbreitet sind. Da die augenmedizinische Versorgung in diesen Regionen jedoch begrenzt ist, müssen Früherkennungs- und Behandlungsmethoden von Sehfehlern deutlich verbessert werden. Aufbauend auf diese Projektergebnisse arbeiten unsere Forscher derzeit mit Gemeindeverwaltungen im ländlichen Raum Chinas zusammen, um die augenmedizinische Behandlung im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsversorgung zu verbessern“, erklärt IAMO-Direktor Prof. Dr. Thomas Glauben.

Die Studie wurde von der Stiftung Auge, der Weltbank und Weltgesundheitsorganisation unterstützt. Detaillierte Informationen zum Projekt „Rural Education Action Program“ (REAP) finden Sie hier: www.iamo.de/forschung/projekte/details/reap/.

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Weitere Informationen

Der IAMO Policy Brief 23 „Sehen ist Lernen: Höhere schulische Leistungen durch Brillen für arme Kinder im ländlichen China“ kann auf der nachfolgenden Internetseite kostenfrei eingesehen und heruntergeladen werden: www.iamo.de/policybrief-23.

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Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in unregelmäßiger Folge veröffentlicht.

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Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

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