Einladung: Gene-Drive – Vererbungsturbo in Medizin und Landwirtschaft

Zum Thema

Gene-Drives sind molekularbiologische Mechanismen, die für die beschleunigte Verbreitung eines genetischen Merkmals innerhalb einer Art sorgen. Neue Techniken der sogenannten Genom-Editierung wie CRISPR-Cas9, die besonders präzise und effiziente Eingriffe in das Erbgut erlauben, ermöglichen aktuell erstmals die biotechnologische Entwicklung und Anwendung von Gene-Drives. Das Ziel ist, gentechnische Veränderungen schnell in freier Wildbahn zu verbreiten und so den Genpool von Populationen zu beeinflussen. Da sich mithilfe von Gene-Drives auch Merkmale verbreiten lassen, die zu verminderter Fruchtbarkeit führen, kann die Technologie auch zur Dezimierung von Populationen eingesetzt werden – theoretisch bis hin zur Ausrottung ganzer Arten.

Wegen ihrer raschen Generationenfolge sind es derzeit vorwiegend Insekten, an denen Eingriffe mit Gene-Drive-Systemen erforscht werden. Eine ganze Reihe von Projekten zielt auf die Bekämpfung von Insekten ab, die gesundheitliche oder landwirtschaftliche Schäden verursachen. Beispielsweise sollen mit Gene-Drives Populationen von Mücken kontrolliert werden, die Krankheiten wie Malaria übertragen. Untersucht werden sowohl die radikale Möglichkeit, die den Malaria-Erreger übertragende Mückenart regional (oder sogar global) auszulöschen, als auch gentechnische Veränderungen, die die Weiterentwicklung des Erregers in der Mücke unterbinden und damit letztlich seine Übertragung auf den Menschen verhindern.

Den mit Anwendungen von Gene-Drive-Systemen verbundenen Chancen stehen allerdings schwer überschaubare ökologische Risiken sowie rechtliche und ethische Bedenken gegenüber. Mit seiner Veranstaltung möchte der Ethikrat daher einen Anstoß geben, über Fragen wie die folgenden zu diskutieren:

– Welche Sicherungsmechanismen sind erforderlich, damit die Freisetzung mittels Gene-Drive veränderter Organismen keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat?
– Dürfen Versuche mit Gene-Drives allein aufgrund nationaler Regelungen durchgeführt werden, oder braucht es hierfür aufgrund der grenzüberschreitenden Auswirkungen internationale Vereinbarungen?
– Rechtfertigt die Bekämpfung von Hunger und Infektionskrankheiten die gezielte Ausrottung ganzer Arten?

Programm

11:00
Begrüßung
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

11:10
Biologische Grundlagen und medizinische Anwendungspotenziale von Gene-Drives
Nikolai Windbichler · Imperial College London, England

11:40
Landwirtschaftliche Anwendungspotenziale von Gene-Drives
Marc F. Schetelig · Justus-Liebig-Universität Gießen/Fraunhofer IME, Gießen

Moderation: Ursula Klingmüller · Mitglied des Deutschen Ethikrates

12:10
Technikfolgenabschätzung
Arnim von Gleich · Universität Bremen

12:30
Zum Verhältnis von Genome-Editing und Öffentlichkeit
Julia Diekämper · Museum für Naturkunde Berlin

Moderation: Sigrid Graumann · Mitglied des Deutschen Ethikrates

13:00
Diskussion

13:30
Mittagspause

14:30
Ethische Perspektive
Uta Eser · Büro für Umweltethik, Tübingen

15:00
Ökonomische Aspekte des Einsatzes von Gene-Drive
Justus H. H. Wesseler · Wageningen University & Research, Niederlande

15:30
Rechtswissenschaftliche Perspektive
Silja Vöneky · Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Moderation: Carl Friedrich Gethmann · Mitglied des Deutschen Ethikrates

16:00
Diskussion

16:30
Kaffeepause

17:00
Podiumsdiskussion
Wie sollte eine angemessene Governance-Strategie für Gene-Drives aussehen?

Katja Becker · Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn
Mathieu Bangert · World Health Organization, Genf, Schweiz
Christoph Then · Testbiotech e.V., München
Joachim Schiemann · Julius Kühn-Institut, Quedlinburg

Moderation: Steffen Augsberg · Mitglied des Deutschen Ethikrates

18:15
Schlusswort
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Während der Veranstaltung werden Bild- und Tonaufnahmen angefertigt. Mit Ihrer Teilnahme an der Tagung erklären Sie sich damit einverstanden, dass der Veranstalter die Aufnahmen unwiderruflich, zeitlich und räumlich uneingeschränkt in allen Publikationen und Medien der Öffentlichkeitsarbeit verwenden kann, solange der Bezug zur Tagung hergestellt ist.

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