Einladung: 10 Jahre Kompetenznetz Vorhofflimmern – Vernetzte Forschung für den Herzrhythmus

Anmeldung:

Anmeldeschluss: 25.02.2013
Keine Teilnahmegebühr

Deutschlandweites Netzwerk etabliert

Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, aber es kann zu schweren Komplikationen führen, zum Beispiel zum Schlaganfall. Um dieser tückischen Volkskrankheit wissenschaftlich auf den Grund zu gehen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 2003 das Kompetenznetz Vorhofflimmern ins Leben gerufen und seitdem mit insgesamt rund 17 Millionen € gefördert. Dadurch war es möglich, ein deutschlandweites Netzwerk aufzubauen, in dem rund 600 Ärzte und Wissenschaftler aus Kliniken und Praxen in vielfältigen Projekten zusammenarbeiten. Rund 20 klinische Studien und Register sowie basiswissenschaftliche Forschungsprojekte wurden bis jetzt durchgeführt.

Der Vorstandsvorsitzende und Sprecher des AFNET, Prof. Günter Breithardt, zieht nach 10 Jahren Netzwerkarbeit Bilanz: „In diesen 10 Jahren haben wir ein besseres Verständnis der Entstehung von Vorhofflimmern und seiner schwerwiegendsten Komplikation, dem Schlaganfall, gewonnen. Die neuen Erkenntnisse haben einen wesentlichen Einfluss auf die Behandlung unserer Patienten. Auch wissen wir nun besser, wie Patienten mit Vorhofflimmern in unserem Gesundheitssystem behandelt werden. Dabei haben wir manche Defizite aufgedeckt. Ich bin optimistisch, dass die auf solchen Untersuchungen beruhenden Leitlinien zur Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern zunehmend in Praxis und Klinik umgesetzt werden. Dennoch erwarten uns noch viele Aufgaben, um der Volkskrankheit Vorhofflimmern zu begegnen.“

Highlights aus 10 Jahren AFNET Forschung

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern verfolgt seit seiner Gründung einen übergreifenden Forschungsansatz, der Grundlagenforschung, Versorgungsforschung und klinische Studien integriert. So hat das AFNET in den Jahren 2004 bis 2006 rund 10.000 Patienten aus allen Ebenen der Versorgung – von der allgemeinmedizinischen Praxis bis zum Universitätsklinikum – in ein Register eingeschlossen. Die Patienten wurden inzwischen durchschnittlich über mehr als fünf Jahre nachbeobachtet. Die Registerdaten haben gezeigt, dass die Behandlung von Vorhofflimmern insgesamt überwiegend leitliniengerecht durchgeführt wird. Allerdings hat sich herausgestellt, dass es vor allem bei der Schlaganfallprophylaxe eine Unterversorgung gibt: Nicht alle Patienten mit hohem oder sehr hohem Schlaganfallrisiko bekommen eine angemessene gerinnungshemmende Therapie. Die Daten der Nachbeobachtungsphase, die zurzeit analysiert werden, versprechen vielfältige Erkenntnisse über die Komplikationen von Vorhofflimmern.

Das Netzwerk von Kliniken und Praxen hat die erfolgreiche Durchführung von drei großen multizentrischen klinischen Studien ermöglicht, die inzwischen abgeschlossen sind. ANTIPAF prüfte die Wirksamkeit von Angiotensin-Rezeptorblockern bei paroxysmalem (anfallsartigem) Vorhofflimmern, GAP-AF die Notwendigkeit einer vollständigen Isolierung der Pulmonalvenen bei der Katheterablation. Die Flec-SL Studie bewertete den Nutzen einer antiarrhythmischen Kurzzeitbehandlung für vier Wochen nach einer Kardioversion, die sich als fast genauso wirksam herausstellte wie die übliche Dauerbehandlung. Die Ergebnisse dieser Studien sind in die aktuellen europäischen Leitlinien zur Behandlung von Vorhofflimmern eingeflossen. In experimentellen Grundlagenforschungsprojekten ist es gelungen, molekularbiologische und genetische Ursachen von Vorhofflimmern aufzuklären, die zum Teil die Basis für die bisherigen und laufenden klinischen Studien im AFNET geliefert haben.

Internationale Projekte prägen die Zukunft

Während das Kompetenznetz Vorhofflimmern ursprünglich als nationales Netzwerk gegründet wurde, sind viele aktuelle Studien und Projekte international angelegt. Die im Juli 2011 gestartete europaweite EAST Studie wird gemeinsam vom AFNET und der European Heart Rhythm Association (EHRA) durchgeführt. In der Studie wird untersucht, ob eine frühe und umfassende rhythmuserhaltende Behandlung bei Patienten mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern besser geeignet ist, schwere Komplikationen zu verhindern, als die bisher übliche leitliniengerechte Behandlung.

Die basiswissenschaftlichen Forschungsarbeiten des AFNET und die dabei entstandenen Kooperationen werden in großen internationalen Projekten weitergeführt. In der pathophysiologischen Grundlagenforschung arbeiten AFNET-Wissenschaftler in der „European/North-American atrial fibrillation research alliance (ENAFRA)“ und dem „European network for translational research in atrial fibrillation (EUTRAF)“ zusammen und auf dem Gebiet der Genetik von Vorhofflimmern in der „CHARGE-AF Genome-wide association study“. Auch die langjährige Erfahrung des AFNET mit klinischen Registern soll in Zukunft in europäische Großprojekte einfließen.

AFNET und EHRA veranstalten seit 2007 regelmäßig gemeinsame Konsensuskonferenzen, in denen Vorhofflimmer-Spezialisten aus Europa und Nordamerika ihr Wissen zu speziellen Vorhofflimmerfragen zusammentragen und Empfehlungen erarbeiten. Im Januar 2013 hat bereits der vierte derartige Expertengipfel stattgefunden. Die Ergebnisse werden zurzeit zur Publikation vorbereitet. Darüber hinaus waren Wissenschaftler aus dem Kompetenznetz Vorhofflimmern an der Entwicklung der aktuellen europäischen Behandlungsleitlinien für Vorhofflimmern beteiligt.

Jubiläumsveranstaltung: Rückschau und Zukunftsperspektiven

Die zweitägige Jubiläumsveranstaltung wird hauptsächlich Wissenschaftler, aber auch Vertreter aus Industrie, Politik und Medien in Berlin versammeln. Ziel ist dabei, sowohl die wesentlichen Ergebnisse der vergangenen 10 Jahre zu präsentieren als auch laufende und zukünftige Projekte vorzustellen. Außerdem wird die Tagung dem Erfahrungsaustausch dienen und reichlich Gelegenheit zur Diskussion bieten. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Der Festakt am 28. Februar wird eröffnet durch Grußworte von Vertretern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der European Heart Rhythm Association (EHRA). Dann folgen Übersichtsvorträge zu den drei Schwerpunkten des AFNET – Epidemiologie, klinische Studien, Pathophysiologie. Höhepunkt dieses ersten Tages ist ein Festvortrag des Juristen und ehemaligen Bundesverfassungsrichters Professor Paul Kirchhof, Heidelberg, zum Thema „Der Auftrag des Arztes und die Ansprüche des Patienten in Zeiten knapper werdender Ressourcen“. Das wissenschaftliche Symposium am 1. März wird sich den einzelnen Studien und Projekten auf nationaler und internationaler Ebene widmen. Eingeleitet werden die Vortragssitzungen durch „Keynote Lectures“ von zwei renommierten Kardiologen aus dem europäischen Ausland.

Der Verein Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.

Da die öffentliche Finanzierung des Kompetenznetzes Vorhofflimmern nicht auf Dauer angelegt ist, wurde im Jahr 2010 zusätzlich der eingetragene Verein Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. gegründet, in dem die Arbeit des Netzwerkes langfristig weitergeführt wird. Seit der Vereinsgründung bestehen das BMBF-geförderte Kompetenznetz und der Verein nebeneinander. Eine Mitgliedschaft ist möglich für Ärzte und Wissenschaftler, Kliniken und Praxen sowie Firmen. Nähere Informationen unter .

Die klinischen Studien des Kompetenznetzes Vorhofflimmern

ANTIPAF: Angiotensin II Rezeptor Antagonist zur Behandlung von paroxysmalem Vorhofflimmern (NCT00098137)

EAST: Early treatment of atrial fibrillation for stroke prevention trial (NCT01288352, ISRCTN04708680)

Flec-SL: Vergleich der Effektivität einer gezielten pharmakologischen Umkehr des elektrischen Remodeling und konventioneller Langzeit-Antiarrhythmika-Therapie nach Kardioversion von persistierendem Vorhofflimmern (NCT00215774, ISRCTN62728743)

Gap-AF: Untersuchung der Bedeutung vollständig versus unvollständig elektrisch isolierter Pulmonalvenen durch Hochfrequenzstrom-induzierte lineare Läsionen (NCT00293943)

Vorstand
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Breithardt, Münster
Prof. Dr. med. Paulus Kirchhof, Münster / Birmingham, UK
Prof. Dr. med. Michael Näbauer, München
Prof. Dr. med. Gerhard Steinbeck, München

Adresse
Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET)
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude D11
Domagkstraße 11
48149 Münster
0251 83 45341
info@kompetenznetz-vorhofflimmern.de

Pressekontakt
Dr. Angelika Leute
0251 83 57113, Angelika.leute@ukmuenster.de

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