Eine Welt, eine Gesundheit: Einladung für eine internationale Tagung zur molekularbiologischen Charakterisierung von Mikroben

Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften

Die detaillierte molekularbiologische Charakterisierung von Infektionserregern hat einen hohen Stellenwert. „Sie wird gebraucht, um die Entstehung und Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen zu überwachen, Ausbruchsgeschehen und Infektionsketten aufzuklären, die krankmachenden Faktoren der Erreger zu verstehen, Schnelltests zu entwickeln oder Impfprogramme zu überprüfen“ sagt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). „Die Erkenntnisse können in Empfehlungen für gezielte Resistenztests und einen rationellen Einsatz von Antibiotika einfließen“, unterstreicht Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften. Das RKI führt gemeinsam mit der Leopoldina von 1. bis 4. September 2010 dazu eine Tagung durch, zu der Journalisten herzlich eingeladen sind.

Weitere Partner der im RKI-Bereich Wernigerode (Harz) stattfindenden Tagung sind die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, die Europäische Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten sowie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Das “International Meeting on Microbial Epidemiological Markers” findet zum neunten Mal seit 1967 statt, im Jahr 2010 anlässlich des 100. Todestags von Robert Koch erstmals im Robert Koch-Institut. In Wernigerode werden rund 150 Teilnehmer aus 30 Ländern erwartet.

Der Austausch von Methoden und Ergebnissen der molekularen Typisierungen in internationalen Forschernetzwerken hat einen hohen Stellenwert. Erst dann lassen sich Hinweise auf die Verbreitung resistenter Bakterien über Staatsgrenzen hinweg, etwa durch Verlegung von Patienten, Reisetätigkeit oder Migration gewinnen.

Große Bedeutung gewann in den vergangenen Jahren auch die Umsetzung von Ergebnissen der Genomforschung in die Untersuchungsmethoden („DNA-Sequenz-basierte Typisierverfahren“, Marker-Gene) und in Analysen zu den Hintergründen der Resistenzentwicklung. „Dies betrifft auch das Verständnis der Evolution multiresistenter Hospitalstämme als Bakterien einer neuen Qualität, die in den letzten Jahrzehnten auftraten“, sagt Wolfgang Witte. Er leitet im RKI das Nationale Referenzzentrum für Staphylococcus aureus, dessen resistente Formen (MRSA) zu den wichtigsten Auslösern von Krankenhausinfektionen zählen. „Untersuchungen an ausgewählten Erregerproben liefern auch Warnhinweise auf eine sich anbahnende Problematik, noch bevor ein resistenter Stamm in den Kliniken notorisch wird“, unterstreicht Witte.

Antibiotikaresistenzen erschweren die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten erheblich. Resistenzen entwickeln sich im Wechselspiel von genetischen Ereignissen und Selektion. Genetische Ereignisse sind Mutationen oder die Aufnahme von „Resistenzgenen“ aus der Umgebung. Selektion bedeutet, dass bei der Anwendung von Antibiotika solche Bakterienstämme überleben, die eine Resistenz besitzen. Entscheidend ist daher der Selektionsdruck durch Antibiotika, etwa bei der unkritischen Verschreibung der Medikamente. Die inkonsequente Anwendung von Hygieneempfehlungen, insbesondere unzureichende Händedesinfektion, führt zur Verbreitung von (resistenten) Erregern. „Daher sollte insbesondere auf einen sachgerechten Einsatz von Antibiotika und die konsequente Anwendung der Infektionshygiene hingewirkt werden“, betonen einhellig Reinhard Burger und Jörg Hacker.

Weitere Informationen: Tagungsprogramm: http://www.immem-9.org

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(idw, 08/2010)

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