Ein Übersetzer der Gefühle in der Medizin

Kunst und Gefühle gehören ebenso zur Medizin wie Naturwissenschaften und chirurgisches Handwerk. Mit einem eindringlichen Bekenntnis zur Mehrdimensionalität der Heilkunde hat sich Professor Dr. Rolf Verres aus seinem Amt als Ärztlicher Direktor der Abteilung Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg verabschiedet, das er seit 22 Jahren inne hatte.

Am 26. September 2013 wurde der Arzt und Psychologe mit dem Symposium „Ästhetik und Medizin – Die Kunst, Übergänge zu gestalten“ und der Verleihung der Fakultätsmedaille der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg geehrt. Zahlreiche Kollegen und Weggefährten waren gekommen, um das wissenschaftliche und künstlerische Lebenswerk des bedeutenden Medizinpsychologen zu würdigen, der sich ebenso einen Namen als Brückenbauer zwischen den Kulturen und als Fotograf und Pianist gemacht hat.

Wie sollen Ärzte kommunizieren? Wie werden Krankheiten verarbeitet?

Die Medizinische Psychologie ist eine vergleichsweise junge Disziplin im breiten Fächerspektrum der Medizin: Seit 1970 werden Medizinstudenten in den ersten vorklinischen Semestern auf die psychosozialen Aspekte ihrer späteren ärztlichen Tätigkeit vorbereitet, lernen z.B., wie Ärzte mit Patienten kommunizieren sollten und welche Faktoren für die psychische Verarbeitung von Krankheit und Leiden von Bedeutung sind.

In seiner Abschiedsvorlesung nannte Rolf Verres „Dolmetschen“ als wichtige Aufgabe seiner Profession, denn die Medizinpsychologie befasse sich mit der Sprache der Gefühle, für die es in der weithin von Leistungsdenken und Ökonomie geprägten Universitätsmedizin zu wenig Raum gebe. Am Beispiel der Hoffnung machte er klar, wie wichtig Gefühle im nüchternen Medizinalltag sind: Welche eigene Hoffnung suggeriert der Arzt, wenn er dem Patienten eine Diagnose vermittelt? Und mit welchen Gefühlen reagiert der Patient auf die Worte des Arztes?

Pionier der Medizinischen Psychologie und Wissenschaftler der Lebenskunst

Als Arzt für Psychosomatik und als Psychologe war Rolf Verres ein Pionier seines Faches und daran beteiligt, die Medizinische Psychologie im Curriculum des Medizinstudiums dauerhaft zu etablieren, nicht zuletzt durch Mit-Gründung und die Tätigkeit für seine Fachgesellschaft. Nach Studium im Münster, Stanford, USA, und Heidelberg sowie wissenschaftlicher und klinischer Ausbildung in Heidelberg übernahm Verres 1987 zunächst eine Professur am Universitätsklinikum in Hamburg. Dort entstanden grundlegende Arbeiten zur Psychoonkologie wie „Krebs und Psyche“, die mit dem Mythos der psychisch bedingten Krebserkrankung wissenschaftlich aufräumten, aber sehr wohl auf die eigene Sichtweise der Patienten gegenüber ihrer Krankheit und ihre vielfältigen psychischen Aspekte hinwiesen. Immer war es Rolf Verres ein Anliegen, nicht nur die Fachwelt an seinen wissenschaftlichen Ergebnissen teilhaben zu lassen, sondern auch Patienten und die Öffentlichkeit.

Nach seiner Rückkehr 1991 an das Institut für Medizinische Psychologie in Heidelberg kamen weitere Themen hinzu: Welche psychischen Aspekte spielen bei der Kinderlosigkeit eine Rolle? Was charakterisiert Menschen, die ein Nierenlebendspende ermöglichen oder annehmen? Die Jahre in Heidelberg widmete Rolf Verres zudem der Musiktherapie und der Erforschung der Prävention von Drogenmissbrauch. Im Sonderforschungsbereich „Ritualdynamik“ der Universität Heidelberg befasste er sich mit der Bedeutung von Ritualen für die psychische Gesundheit. Übergeordnetes Thema seiner Forschung war immer die Lebenskunst.

Austausch mit Geisteswissenschaften und fernen Kulturen

Die enge Zusammenarbeit mit den Geisteswissenschaften, die er stets pflegte, kam seinen künstlerischen Neigungen entgegen. Denn jenseits der Wissenschaft ist Rolf Verres seit vielen Jahren ein passionierter Pianist und Fotograf, der einerseits den Austausch mit fernen Kulturen sucht, andererseits seiner Wahl-Heimat Heidelberg ungewöhnliche kulturelle Ereignisse, oft mit eigenen Beiträgen, jenseits des Mainstreams bescherte. „Mit der Wissenschaft hat es nun ein Ende“, so der Emeritus bei seiner Abschiedsveranstaltung; Kunst, Musik und Fotografie aber bleiben.

Das Institut für Medizinische Psychologie wird derzeit von Professor Dr. Jochen Schweitzer-Rothers kommissarisch geleitet, bis die Berufung eines neuen Direktors abgeschlossen ist.

Information im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Institut-fuer-Medizinische-Psychologie.2614.0.html

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

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