Ein Jahr Bexsero: Bereits 100.000 Impfungen in Deutschland

Lebensgefährliche Hirnhautentzündungen und schwere Blutvergiftungen: Meningokokken der Serogruppe B verursachen bei Säuglingen 85 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen, in der Gesamtbevölkerung sind sie für fast 70 Prozent der Fälle verantwortlich. Gegen die tückischen Bakterien gibt es seit genau einem Jahr einen Impfstoff: Im Dezember 2013 kam erstmals der Impfstoff Bexsero von Novartis Vaccines auf den Markt – seit seiner Zulassung wurden bereits 100.000 Menschen geimpft, hauptsächlich Säuglinge und Kleinkinder, weil sie das höchste Erkrankungsrisiko haben.

Noch hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) keine allgemeine Impfempfehlung ausgesprochen, während sie aber eine Meningokokken-C-Impfung für Kinder im zweiten Lebensjahr bereit seit 2006 empfiehlt. Diese Serogruppe löst etwa 20 bis 25 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland aus. Also deutlich weniger als die der Serogruppe B.

Trotz der noch fehlender STIKO-Impfempfehlung haben aktuell 69 gesetzliche Krankenkassen bestätigt, die Kosten für Bexsero freiwillig – ganz oder anteilig – zu übernehmen.

Kanada impfte bereit 81 Prozent der Zielpopulation

Der Impfstoff Bexsero ist in einer Reihe europäischer Länder sowie in Kanada und Australien zugelassen – die Impfung wird bereits in England, Österreich und Polen empfohlen, ebenso in Portugal, Tschechien und Australien. Im Mai hat Kanada als erstes Land ein groß angelegtes regionales Säuglings-Impfprogramm gestartet – bereits nach sechs Wochen wurden dort 81 Prozent der Zielpopulation (ca. 50.000 Säuglinge, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 20 Jahre) mit Bexsero geimpft.

Influenza erhöht Risiko

Laut einer aktuellen amerikanischen Untersuchung erhöht eine Influenza möglicherweise das Risiko, in der Folgezeit eine invasive Meningokokken-Erkrankung zu erleiden. Die amerikanischen Wissenschaftler stellten fest, dass zwei Wochen nach dem Gipfel einer Grippewelle die Meningokokken-Erkrankungen anstiegen – gemessen an den Krankenhauseinweisungen. Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass nach wie vor der beste Schutz gegenüber einer Meningokokken-Erkrankung die Meningokokken-Impfung ist. Aufgrund der vorliegenden Daten könnte aber auch eine Grippeimpfung indirekt etwas zur Verringerung dieser gefährlichen Erkrankung beitragen. Aber: Säuglinge, die am häufigsten betroffene Altersgruppe, können nicht gegen Influenza geimpft werden.

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