Ein Gen zum Vergessen – LIN-Forscher erreichen 2. Platz bei Hugo-Junkers-Preis 2016

Das internationale Forscherteam mit Dr. Dirk Montag, seinem chilenischen Kollegen Dr.
Rodrigo Herrera-Molina und der indischen Doktorandin Soumee Bhattacharya schaffte es in der Kategorie „Innovativste Vorhaben der Grundlagenforschung“ auf den 2. Platz. Die Wissenschaftler bewarben sich mit Ihrer Arbeit zu einem neuartigen Tiermodell zur Gedächtnisforschung – einer Maus, bei der die Erinnerung per Genswitch ausgeschalten werden kann. Die Forscher trainierten dafür Mäuse in einer zweigeteilten Shuttlebox. Ging das Licht an, sprangen die Tiere auf die andere Seite. Ein leichter elektrischer Impuls verstärkte diese Reaktion. Was die Maus dadurch entwickelt, nennt man assoziatives Lernen. Nach dieser Konditionierung wurde das Neuroplastin-Gen, was an der Speicherung solcher Lerninhalte beteiligt ist, im Tier „ausgeschaltet.“ Danach konnte die Maus das Gelernte nicht mehr ausführen – sie hatte es vergessen.

Das Gedächtnis ist eine wichtige Leistung des menschlichen Gehirns, welche z.B. durch ein traumatisches Ereignis stark beeinträchtigt werden kann. Bis heute sind seine komplexen Wechselwirkungen mit den anderen Systemen des Gehirns noch nicht gut verstanden. „Das Innovative an unserem Projekt ist: Wir können ein bestimmtes Gen gezielt ausschalten und damit zum ersten Mal das Gedächtnis und auch dessen Verlust aus einer genetischen Perspektive untersuchen“, erklärt Montag. Damit erhalten die Forscher zusammenhängende Erkenntnisse über zelluläre, molekulare und systemische Prozesse des Erinnerns im Gehirn.

Die Erkenntnisse aus ihrer Arbeit können dazu beitragen, Therapieansätze für Alzheimer,
posttraumatische Belastungsstörungen oder Autismus zu verbessern. Mit dem Hugo-Junkers-Preis für Forschung und Innovation aus Sachsen-Anhalt soll die Leistung innovativer Unternehmer und Wissenschaftler ausgezeichnet und ihre Arbeit
unterstützt werden.

Weitere Informationen finden Sie online in der Originalpublikation:
„Genetically Induced Retrograde Amnesia of Associative Memories After Neuroplastin
Ablation“ Biological Psychiatry, Volume 81, Issue 2, Mechanisms of Dementia and
Delirium (2016)

Das Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) Magdeburg ist ein Zentrum für Lern- und
Gedächtnisforschung.

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